• Kreuzen gen Norden

    July 8 in Sweden ⋅ 🌬 15 °C

    Nach unruhiger Nacht wärmte die Sonne meine müden und verspannten Muskeln auf. Als es warm genug war kam der Waschgang. Die Schweden stehen nicht so auf FKK, daher kam die Speedo über die Pobacken und ich wusch mich in der Ostsee mit zappelndem Beinschlag.

    Unsere Nachbar, welcher das eine oder andere Mal nachts seinen Ankeralarm wahrnehmen musste, befand sich nun ein paar Meter weiter entfernt von uns. Das Ankerlichten war weitaus entspannter als das Ankern selbst, lediglich war der Aufwand beim Putzen nicht zu vernachlässigen. Wir kippten an die 100 Liter Ostseewasser mit der Pütz auf die Ankerkette. Das reichte aber vorne und hinten nicht, um den muffigen Schlick wegzuspülen.

    Unterwegs wurde es heute etwas spannender, denn der Wind drehte in der Nacht auf Norden und nahm ein gutes Stück zu. Glücklicherweise entschieden wir uns bereits vor Abfahrt das erste Reff des Großsegels zu nutzen, das machte das Manövrieren bereits beziehungsweise direkt einfacher. Später bei Böen fuhren wir sogar mit Genua und dem Groß auf Reff 2. Mit 6 bis 7 Knoten SOG (Speed over ground) gehen den Wind holten wir auch schon alles raus, was die Conni schafft.

    S. als Tagesskipperin war fleißig damit beschäftigt, um alle fiesen großen und kleinen Steinen und Felsen auszuweichen. Als Unterstützung tauschten wir drei restlichen die Rolle des Steuermanns durch. Quasi aus dem Nichts kam eine X43 um die Ecke und kam uns immer näher. Sie segelte mit Konrad Adenauer und wild gesetzten Segeln in unsere Richtung. Nach einer weitere Halse kreuzten sich unsere Wege und wir erkannten endlich das Boot und dessen Insassen. Die lachenden und winkenden Grinsgesichter waren unsere Vereinskollegen, die mit der "X" unterwegs sind. Nach einem kurzen Fotoshooting wünschten wir uns eine sichere Weiterreise und immer eine Handbreite Wasser unterm Kiel und segelten weiter.

    Irgendwann auf Höhe Blidö fuhren wir wieder mit arabischen Wind, da uns das Kreuzen durch den Blidösund unendlich viel Zeit raubte. Unser Ziel, den Gästehafen von Furusund, erreichten wir gegen 16:30 Uhr, wo J. mit äußerster Präzision uns zwischen die bereits anliegenden Boote rammte. Wir machten das Schiff klar, genossen das strahlende Wetter, ich kochte mit guter Laune unser Dahl und wurde mit einem phenomenalen Regenbogen belohnt, während unsere schwedischen Nachbarn Whisky und Scotch schlürften.

    Ein unverschämt schöner Spaziergang über den Westabschnitt von Farasund machte den Abend noch lebenswerter. Morgen ist J. der letzte Tagesskipper unserer Lerngruppe und bringt und durch starke Winde so langsam Richtung Süden, wo wir am Freitag nahe Stockholm wieder einkehren müssen.
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