Kloster Neuzelle
15 giugno, Germania ⋅ ☁️ 18 °C
Heute Morgen waren es 10 Grad, und die Wettervorhersage lautete wieder „wechselhaft und windig“ bei 14–19 Grad. Der Blick zum Himmel bestätigte das, und so fuhren wir über herrliche, gerade Landstraßen nach Neuzelle.
Neuzelle ist eine Gemeinde im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg/Niederlausitz, ganz im Osten Deutschlands nahe der polnischen Grenze.
1281 treffen die ersten Mönche an der Oder ein. Als »Pioniere« erkunden sie die Gegend. Für den Bau des Klosters entscheiden sie sich schließlich für den heutigen Standort. Das 14. Jahrhundert wird zur Zeit eines gewaltigen Aufbauprogramms.
Nach umfassenden Planierungen beginnen die Bauarbeiten.
Die wirtschaftliche Grundlage des Klosters sind die gestifteten Ländereien und Dörfer. Der Grundbesitz wird systematisch erweitert und ausgebaut. Die Bauern leisten Abgaben und sind zu Diensten verpflichtet. Durch Deiche und Drainagen werden Feuchtgebiete fruchtbar gemacht.
Das Kloster unterhält zahllose Gewerke, Mühlen, Ziegeleien, Schlachtereien und Schmieden. Man verarbeitet Leder und Wolle, erzeugt Bier und Wein. Was man nicht selbst verbraucht, geht auf die Märkte der Region. Neuzelle liegt an der wichtigen Landstraße von Frankfurt nach Guben. Über die Hafenstadt Fürstenberg hat man Anschluss an die Oderschifffahrt von und nach Breslau, Frankfurt und weiter nach Norden.
Nach der Säkularisation im 19. Jahrhundert endete das klösterliche Leben zunächst. Die Gebäude blieben jedoch erhalten und dienen heute als kulturelle und touristische Attraktion. Seit 2018 lebt wieder eine kleine Gemeinschaft von Zisterziensermönchen in Neuzelle, wodurch die jahrhundertealte Tradition des Klosters fortgeführt wird.
Besonders bemerkenswert ist die barocke Klosteranlage, die zu den schönsten und am besten erhaltenen ihrer Art in Deutschland zählt. Während viele Klöster in Nord- und Ostdeutschland nach der Reformation aufgelöst oder stark verändert wurden, blieb Neuzelle als katholisches Kloster bestehen.
Wir haben Glück, denn als wir ankommen, sind es nur noch 15 Minuten bis zum Mittagsgebet der Mönche.
Als wir die Stiftskirche St. Marien betreten, stockt uns erst einmal der Atem. So viel Prunk. Wir setzen uns hin und sehen alsbald acht Personen durch die Kirche huschen, und wenig später hören wir die Gesänge. Während wir so sitzen und lauschen, schießen uns hunderte Gedanken durch den Kopf. Das hier aufzuschreiben würde den Rahmen sprengen – nur so viel: Worauf beruht der Reichtum der katholischen Kirche, die Gebiets- und Besitzansprüche? Auf einem Bibelwort: „… auf diesem Felsen sollst du meine Kirche bauen“? Ist die Bibel doch nicht auch nur ein Märchenbuch, ein Geschichtenbuch, von Menschen aufgeschrieben? Welche Macht hat die Kirche heute überhaupt noch, wenn es der Papst nicht schafft, Kriege zu beenden oder wenigstens Frieden zu vermitteln? Welchen Beitrag leisten diese acht Mönche für unser Land, für unsere Wirtschaft?
In einer Vitrine des sehr sehenswerten Kreuzgangs fand ich den Satz: „Dass die Zisterzienser selbst arbeiten, ist lange vorbei. Dafür haben sie gelernt, erfolgreich zu wirtschaften. Das Stift Neuzelle hat sich zu einem landwirtschaftlich-handwerklichen Mischbetrieb in großem Stil entwickelt. Es ist einer der größten Grundbesitzer der Niederlausitz und ein bedeutender Arbeitgeber. Neben den zahlreichen abhängigen Bauern wurden im Laufe der Zeit mehr und mehr freie Arbeitskräfte angestellt …“
Genug Stoff zum Nachdenken für mich. Jedenfalls ist die Geschichte des Klosters sehr schön aufgearbeitet und auch ehrlich erklärt. Sehr interessant, beeindruckend – aber eben auch manchmal ziemlich nachdenklich machend.
Wir stehen im Kreuzgang und denken beide: „Wir haben schon schönere gesehen“ – aber sie waren einmal schön. Warum hat man zu DDR-Zeiten diese Wände zugekalkt? Und ich lerne: Die Überkalkung war nicht als „Zerstörung“ im heutigen Sinn gedacht, sondern meist als Schutz- oder Erhaltungsmaßnahme. Der Kreuzgang war über lange Zeit nicht mehr in seiner ursprünglichen klösterlichen Funktion in Nutzung, daher wurden die Bereiche zweckentfremdet, nur teilweise gepflegt oder standen zeitweise leer und verfielen.
Der Klostergarten ist wunderschön angelegt, aber ich denke, es ist mehr ein Schaugarten. Davon können die Mönche nicht satt werden. Es ist ein sehr großes Areal, sauber gepflegt, und am äußeren Ende befindet sich eine weitere Kirche – die Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz. Sie wurde nicht ursprünglich als evangelische Kirche erbaut, sondern als katholische Pfarrkirche für die Bevölkerung des Ortes. Erst nach der Auflösung des Klosters wurde sie evangelisch genutzt. Aber sie ist nicht minder prunkvoll.
Mittlerweile ist es schon weit nach 17 Uhr, und wir sind erstaunt, wie schnell der Tag vergangen ist. Also machen wir uns auf den einstündigen Heimweg über die B320. Sie verbindet eher unscheinbare, kleine, aber charaktervolle Orte zwischen Spreewald und der Gubener Region und durchquert dabei eine Landschaft, die stark von Wäldern, Feldern, kleinen Dörfern und der ruhigen, fast zeitlosen Weite Brandenburgs geprägt ist.
Heute Abend feuern wir den Ofen an und machen es uns gemütlich warm …Leggi altro



















Viaggiatore
Sehr beeindruckend!