• Störche, Kirschen und Soljanka

    16 giugno, Germania ⋅ ☁️ 18 °C

    Heute gibt es keinen Regen mehr, und die Temperaturen scheinen gut geeignet für eine erste Fahrradtour zu sein. Unser Ziel ist Dissen – das Storchendorf.

    Der Ort liegt inmitten der typischen Spreewaldlandschaft mit Feuchtwiesen, Auen und zahlreichen Wasserläufen – ideale Lebensbedingungen für den Weißstorch. Deshalb brüten hier jedes Jahr viele Storchenpaare, deren große Nester das Ortsbild prägen.

    Mit jährlich 8 bis 12 besetzten Storchennestern gehört Dissen zu den bedeutenden Storchendörfern Brandenburgs, wenn auch nicht zu den Top Ten. Egal, es ist schön zu sehen, dass die Storchenpopulation wieder wächst.

    Über typische Spreewalddörfer wie Striesow, Briesen, Guhrow und Werben fahren wir zurück nach Burg. Mich fasziniert die Weite des Landes, die Blicke zum Horizont sind frei, kein Lärm, eigentlich nur das leise Summen der breiten Reifen auf dem Weg. Auch kein Surren des Motors – der ist aus – hier brauchen wir ihn nicht.

    Wir genießen das einfach nur: die Felder mit Mohnblumen und Kornblumen, die vielen Kirschbäume am Wegesrand ... Ja, es ist Kirschenzeit. Das war früher die Zeit nach den Prüfungen. Es gab kaum noch Unterricht, wir fuhren mit den Rädern aufs Land und kletterten über Gartenzäune, um auf „Kirschenraub“ zu gehen. Das war der Anfang des unbeschwerten Sommers ... Ein Stück Erinnerung.

    In Burg fahren wir zum Leineweber-Fährmann und essen eine Soljanka.

    Auch so ein Stück Erinnerung. Die Soljanka hatte in der DDR einen besonderen „kulturellen“ Stellenwert, obwohl sie ursprünglich ja gar nicht von hier stammt. Das würzige Eintopfgericht kommt aus Russland und der Ukraine. Soljanka war preiswert (zumindest damals), sättigend und ließ sich gut aus verschiedenen Fleischresten, Wurst, Gurken und Gemüse zubereiten. Alles, was der Kühlschrank hergab, kam in die Soljanka, und deshalb schmeckte sie auch jedes Mal anders.

    Und weil wir jetzt schon beim Essen sind: Am Abend haben wir den Grill angefeuert und uns Rostbrätel und echte Thüringer Bratwurst auf den Grill gelegt. Was sind das für Erinnerungen?

    Am Abend bekam ich über die VIEWFINDR einen Wetteralarm – 80 Prozent Abendrot. Ein Blick zum Himmel sagte: „NEVER“ – aber wir haben uns um kurz vor 21 Uhr noch einmal auf die Räder gesetzt und sind zum Nordumfluter gefahren. Und wir wurden belohnt :-)
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