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Mein Osten 2026

Silbermond singt:
"Meine Wurzeln, mein Revier - mein Osten, mein Osten.
Hab′ Bescheidenheit von dir - mein Osten, ich steh' zu dir..."
... und so begeben wir uns auf den zweiten Teil unserer Zeitreise in die Kindheit/Jugendzeit
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    🇩🇪 Calau, Deutschland

    Auf den Spuren der lustigen Kalauern

    Gestern in Deutschland ⋅ ⛅ 25 °C

    Calau ist ein kleines, sehr charmantes Städtchen in der Niederlausitz – oft wird es liebevoll als „kerngesunde Kleinstadt mit Witz“ bezeichnet. Der Ort verbindet eine lange, wechselvolle Geschichte mit einer angenehm ruhigen, fast gemütlichen Atmosphäre. Man trifft nicht sehr viele Menschen auf den Straßen – vielleicht ist es aber auch der Hitze geschuldet. An vielen Stellen findet man kleine Bronzearbeiten. Die Figuren sind Teil einer städtischen Idee, Kunst im öffentlichen Raum als Identität der „Stadt der Kalauer“ sichtbar zu machen – also eine Mischung aus Humor, Geschichte und regionaler Kultur.

    Calau hat alte Wurzeln, wurde bereits im Jahr 1279 erstmals urkundlich erwähnt, doch die Siedlungsgeschichte reicht noch weiter zurück. Im Mittelalter entwickelte sich der Ort rund um eine kleine Burganlage (komme ich noch drauf …) und wurde später zu einer typischen Ackerbürger- und Handwerkerstadt.

    Das Wort „Kalauer“ geht tatsächlich auf diese Stadt zurück, die früher „Kalau“ geschrieben wurde. Im 19. Jahrhundert veröffentlichte die Berliner Satirezeitschrift Kladderadatsch regelmäßig scherzhafte Meldungen aus dieser Stadt unter Überschriften wie „Aus Kalau wird berichtet …“. Die dort abgedruckten Wortspiele und Scherzmeldungen wurden so bekannt, dass man solche Witze schließlich allgemein „Kalauer“ nannte.

    Also: Heute bezeichnet man damit einen meist flachen, oft absichtlich albernen Wortwitz, der auf einem Wortspiel, einer Doppeldeutigkeit oder einem Gleichklang von Wörtern beruht. Etwa so:

    - Was macht die Security in der Nudelfabrik? Die Pasta auf.
    - Was ist das Gegenteil von Reformhaus? Reh hinterm Haus.
    - Geht ein Cowboy zum Friseur. Als er rauskommt, ist sein Pony weg.

    Wir lassen unsere Räder am Radhaus – nein, Rathaus (kein Kalauer!) – stehen und schlendern durch die Gassen.

    Beeindruckend fand ich den interessanten Baustil der Stadtkirche. An ihr lassen sich mehrere Bau- und Zeitschichten ablesen – vom Mittelalter über den Barock bis in die Nachkriegszeit. Die Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals entstand zunächst ein Vorgängerbau aus Feldsteinen und Raseneisenstein. Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts wurde die Kirche zu einer großen spätgotischen Stadtkirche ausgebaut. Um 1480 erhielt sie ihren markanten Turm. Ich hätte sie wirklich auch sehr gerne von innen gesehen – aber leider alles zu 😤 Deshalb ein Kalauer von mir: Die Kirchentüren sind alle verschlossen – da ist wohl der Schlüssel zum Glauben verloren gegangen.
    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen.

    Auf dem Burgplatz stand im Mittelalter die sogenannte Dunkelsburg, eine frühe Befestigungsanlage auf der höchsten Stelle des Stadtovals. Sie war schon um das 10./11. Jahrhundert vorhanden, wurde später aufgegeben und verfiel vollständig. Die Reste dienten über Jahrhunderte sogar als Steinbruch. Aber hier findet sich auch ein netter Kalauer 😏

    Nach einem leckeren Eis machen wir uns wieder auf den Weg, zurück über ellenlange, schnurgerade Waldstraßen – ideal zum Radfahren –, wenn da nicht gerade ein Mähdrescher vor uns auf dem Weg gewesen wäre …

    Auf den Feldern werden gerade die Gurken geerntet – viele fleißige Hände (allerdings keine deutschen) pflücken die Gurken im Liegen, während sich die Erntemaschine langsam vorwärts bewegt.

    Unterwegs Kirschbäume, die aussehen wie aus dem Gärtner-Pötschke-Katalog …

    Zur Erfrischung gönnen wir uns ein großes Radler am Spreehafen in Burg und sind dann nach 51 km wieder zurück in unserem Häuschen.

    Ach, einen hab ich noch: Was sagt ein großer Stift zu einem kleinen Stift? – Wachsmalstift.
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  • Kreisstadt Lübben

    22. Juni in Deutschland ⋅ ☀️ 24 °C

    Die Kreisstadt Lübben bildet das malerische Tor zwischen dem Unter- und Oberspreewald.

    Lübben ist zudem die letzte Wirkungsstätte des nach Luther bedeutendsten deutschen Kirchenlieddichters Paul Gerhardt. Nach seinem Tod im Jahr 1676 wurde er in der Lübbener Kirche beigesetzt. Doch dazu später mehr.

    Wir wollten ins Schloss und ins Museum - aber hatten uns nicht vorher informiert - Montags ist hier fast alles geschlossen 😞 Aber wir machen trotzdem unseren Stadtrundgang:

    Die Schlossanlage befindet sich am Südrand der Lübbener Altstadt auf der Museumsinsel der Stadt Lübben. Vorgänger der Burg war eine slawische Ringwallanlage, die sich heute in der Nähe des Museums befand. Das Schloss entstand an der Stelle einer im 12. Jahrhundert errichteten Wasserburg.

    Infolge des Wiener Kongresses wurde die Niederlausitz 1815 Preußen zugesprochen. Hundert Jahre später erhofften sich die Lübbener einen Besuch von Kaiser Wilhelm II. anlässlich des Jubiläums der Zugehörigkeit Preußens.

    Südlich des Turms entstand in den Jahren 1679 bis 1682 das markante, dreigeschossige, aus Backstein errichtete Oberamtshaus. Der verputzte, mit einem Satteldach versehene Bau diente als Sitz der Regierung der Niederlausitz.

    Die über dem Portal angebrachte Inschrift spiegelt die enge Verbundenheit Lübbens mit der preußischen Geschichte wider. Der Vers geht ursprünglich auf eine Aussage über Friedrich den Großen zurück, erhielt jedoch bei der Umgestaltung des Turms in den Jahren 1914/15 eine neue Bedeutungsebene. Zeitgenössische Betrachter konnten den Namen „Wilhelm“ zugleich auf Kaiser Wilhelm II. beziehen. Die Inschrift bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass der Herrscher und die Monarchie trotz äußerer Bedrohungen Bestand haben würden. Damit verweist sie sowohl auf die Verehrung der preußischen Herrscher als auch auf das historische Selbstverständnis Lübbens als Teil des preußischen Staates.

    Die heutige Paul-Gerhardt-Kirche (früher Nikolaikirche) mit ihrem hohen Turm prägt seit Jahrhunderten das Lübbener Stadtbild. Ihre Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als an dieser Stelle eine frühgotische Hallenkirche entstand. Baulich vereint die Kirche verschiedene Stilepochen. Grundelemente der Gotik sind noch in der Struktur erkennbar, während spätere Umbauten vor allem barocke und klassizistische Einflüsse zeigen.

    Paul Gerhardt wurde 1607 in Gräfenhainichen geboren und studierte Theologie in Wittenberg. Während des Dreißigjährigen Krieges und der folgenden Zeit prägten Not, Krieg und Unsicherheit seine Lebensumstände – Erfahrungen, die sich stark in seinen Liedtexten widerspiegeln. Bekannt ist er vor allem für seine bis heute gesungenen Kirchenlieder wie „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, „Befiehl du deine Wege“ oder „Nun ruhen alle Wälder“. Seine Texte verbinden tiefen Glauben mit persönlicher Erfahrung und einer sehr bildhaften, poetischen Sprache.

    Um 12 Uhr waren wir in der Kirche, und dabei hörte man viele seiner Lieder. Ich weiß nicht, ob das immer so ist, aber ich empfand das als sehr schön.

    Beim Gurken-Paule auf der Schlossinsel haben wir etwas gegessen und anschließend eine sehr schöne, etwa eineinhalb Stunden lange Kahnfahrt gemacht. Fast lautlos gleitet der Kahn durch die Fließe, vorbei an grünen Ufern, alten hohen Bäumen und kleinen Brücken. Das Wasser spiegelt die Sonnenstrahlen, die durch das dichte Blätterdach fallen. Das ist Natur pur – hier herrscht Stille, und doch hat alles etwas Mystisches, fast wie im Spreewaldkrimi.
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  • Wunderschönes Görlitz und ein Bier in Zgorzelec

    20. Juni in Deutschland ⋅ ⛅ 31 °C

    Görlitz gilt als eine der schönsten Städte Deutschlands. Die östlichste Stadt des Landes liegt an der Lausitzer Neiße direkt an der Grenze zu Polen und besitzt einen außergewöhnlich gut erhaltenen historischen Stadtkern. Mehr als 4.000 Baudenkmäler aus Gotik, Renaissance, Barock und Gründerzeit prägen das Stadtbild.

    Vom Parkhaus am Hauptbahnhof aus begann unser Rundgang durch Görlitz. Schon beim Verlassen des Bahnhofs fiel uns die beeindruckende Architektur des historischen Empfangsgebäudes auf, die einen ersten Eindruck von der einstigen Bedeutung der Stadt vermittelte. Über die Berliner Straße gelangten wir zum Postplatz, wo wir immer wieder stehen blieben, um die reich verzierten Fassaden der Gründerzeit- und Jugendstilhäuser zu bewundern. Viele der Details entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Hier stehen heute viele Buden und es ist schon ordentlich was los.

    Das Kaufhaus Görlitz erinnert uns ein bisschen an das Städtische Kaufhaus in Leipzig. Von außen wirkt es wie ein prächtiges Jugendstil-Warenhaus, innen verwandelte es sich für „The Grand Budapest Hotel“ in das legendäre Hotel von Wes Anderson.

    Weiter ging es zum Obermarkt, dessen großzügige Weite und historische Bebauung sofort ins Auge fallen. Hier stehen noch ein paar Stände vom Markt, aber durch die Offenheit des Platzes ist es heute unerträglich heiß.

    Durch die Brüderstraße näherten wir uns dem Untermarkt. Hier wurde deutlich, warum Görlitz als eine der schönsten Altstädte Deutschlands gilt. Die prächtigen Bürgerhäuser mit ihren Lauben und historischen Fassaden schufen eine Atmosphäre, die fast wie eine Reise in eine andere Zeit wirkte. Wir fanden eine kleine Gaststätte mit schlesischer Küche. Katrin probierte sich durch die leckeren Piroggen und ich nahm den schlesischen Hering mit Quark, Kartoffeln und viel Dill. Sehr lecker …

    Ein schöner Gedanke während des Spaziergangs: Viele der Gassen, durch die wir eben noch geschlendert sind, wurden bereits von Schauspielern wie Ralph Fiennes, George Clooney, Kate Winslet oder Brad Pitt betreten – oft erkennt man die Orte auf der Leinwand allerdings erst beim genauen Hinsehen wieder. Gerade hier im Bereich rund um den Untermarkt, dessen Architektur sich mit vergleichsweise wenig Aufwand in eine französische Kleinstadt der 1940er Jahre verwandeln ließ, spielten mehrere Szenen von „Inglourious Basterds“ oder „Der Vorleser“.

    Nach und nach führte uns der Weg aus dem Wohngebiet heraus, vorbei an ruhigeren Randbereichen und kleinen Grünzügen, bis wir schließlich die Anlage des Heiligen Grabs erreichten. Hinter einer eher unscheinbaren Eingangszone öffnet sich eine ganz andere Welt: ein Gartenraum, der bewusst als Nachbildung Jerusalems gestaltet wurde. Die Wege führen durch symbolische Landschaften – vom „Ölberg“ über das „Kidrontal“ bis hin zur eigentlichen Grabkapelle. In der Grabkapelle selbst findet man allerdings nichts.

    Anschließend führte unser Weg zur Kirche St. Peter und Paul. Von dort oben bot sich ein herrlicher Blick über die Neiße und hinüber nach Zgorzelec auf der polnischen Seite. Nachdem wir die Treppen zum Fluss hinabgestiegen waren, überquerten wir die Neiße, die wir uns als Grenzfluss ganz anders vorgestellt hatten. Von der Brücke aus genossen wir den eindrucksvollen Blick auf St. Peter und Paul.

    In Polen setzten wir uns ans Ufer der Neiße und tranken ein Bier. Na zdrowie! 🍻

    Zurück in Deutschland besichtigten wir St. Peter und Paul – ein beeindruckend großer und offen gehaltener Kirchenbau.

    Auf dem Rückweg durch die Oberstadt ließen wir uns bewusst treiben und folgten immer wieder kleinen Gassen und Durchgängen. Hinter vielen Toren öffneten sich überraschend schöne Innenhöfe, und an zahlreichen Häusern entdeckten wir kunstvolle Details, die uns zuvor entgangen waren.

    Nach einem Abendessen im Kartoffelhaus (innen sehr urig!) liefen wir zurück zum Bahnhof. Görlitz hat uns ausgesprochen gut gefallen. Besonders beeindruckt haben uns die hervorragend erhaltenen und liebevoll restaurierten Häuser, die der Stadt einen außergewöhnlich geschlossenen und atmosphärischen Charakter verleihen.
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  • Gräbendorfer See

    19. Juni in Deutschland ⋅ ☁️ 32 °C

    Freitag, 10 Uhr morgens, 29 Grad ... Wir haben beschlossen, wie schon im letzten Jahr an den Gräbendorfer See zu fahren.

    Der See (Grabicański jazor) liegt nördlich von Altdöbern und südwestlich von Wüstenhain im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Die meisten Seen hier sind aus gefluteten Braunkohlentagebauen entstanden. Seine Flutung wurde 2007 abgeschlossen; heute ist er 457 Hektar groß. Zum Glück führen lange Wege durch den Wald. Hier weht ein leichter Wind, und es ist angenehm zu fahren. Ganz anders auf der Straße oder am Feldrand ...

    Es gibt Düfte, die Erinnerungen nicht nur hervorrufen, sondern längst vergangene Zeiten wieder lebendig werden lassen. Der Geruch eines Kiefernwaldes an einem heißen Sommertag gehört dazu. Wenn die Sonne die Stämme erwärmt und das Harz seinen würzigen Duft verströmt, tauchen Bilder auf, die irgendwo tief im Gedächtnis verborgen lagen: Ferientage, lange, staubige Wege zwischen den Bäumen, das Gefühl von Freiheit und die Gewissheit, dass noch alle Zeit der Welt vor einem liegt. Vielleicht liegt darin auch eine leise Melancholie. Die Kindheit und die Jugend sind längst vergangen, doch für einen flüchtigen Augenblick scheinen sie wieder ganz nah zu sein. So intensiv empfinde ich das nur hier in Brandenburg.

    Nach eineinhalb Stunden erreichen wir den See, suchen uns ein schönes Plätzchen unter den Bäumen und springen erst einmal zur Abkühlung ins Wasser. Herrlich.

    Als die ersten Gewitterwolken am Horizont auftauchen, beschließen wir, uns wieder auf den Heimweg zu machen. Unterwegs essen wir noch einen einfachen, aber teuren Eisbecher, und als wir zu Hause ankommen, hören wir bereits das Grollen des Donners. Aber wir haben Glück – die Gewitterzelle zieht zehn Kilometer nördlich von uns vorbei.

    Da der Regen ausbleibt, ist es immer noch heiß, und die erhoffte Abkühlung bleibt aus.

    Jetzt, da die Sonne untergegangen ist, wird es angenehmer. Allerdings gibt es dieses Jahr mehr Mücken als beim letzten Mal. Morgen steht Görlitz auf dem Programm.
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  • Paddeln auf dem Großen Fließ

    18. Juni in Deutschland ⋅ ☁️ 25 °C

    Heute Morgen ist es schon ganz schön warm, als wir am Frühstückstisch sitzen...
    Wir radeln zum Biberhof und leihen uns ein Paddelboot aus. Wenn man hier einsteigt und auf dem Großen Fließ bis zur Fischtreppe am Nordumfluter paddelt, liegt die einfache Strecke nach Kartenangaben grob bei 3 bis 4 Kilometern. Das sind ca. 45–60 Minuten bei gemütlicher Paddelei – vorerst gegen die Strömung. Die Fischtreppe (hier waren wir gestern Abend schon mit den Rädern) liegt am Düker Nordumfluter. Hier kann man auch eigene Boote einsetzen.
    Wir tauschen die Plätze und paddeln zurück; mit der Strömung geht es wesentlich schneller ;-)

    Pünktlich nach 2 Stunden geben wir die Boote zurück und fahren nach Burg. Beim Spreewaldbauern Ricken gibt es heute Rippchen mit Sauerkraut. Mhhhhh - als Nachtisch ein leckeres Eis in der Blauen Kiste und dann geht es erst einmal zurück. Ein Mittagsschläfchen unter dem Baum im Garten - das ist Leben ....

    Wir fahren noch einmal nach Burg, kaufen für die nächsten Tage ein und dann feuere ich den Grill an. Was soll ich sagen - Rostbrätl und Bratwurst, dazu ein Salat - mehr braucht man doch wirklich nicht, oder?

    Als die Sonne sich dem Horizont neigt und es temperaturmäßig wieder etwas angenehmer wird, steigen wir noch einmal auf unsere Räder. Über den Nordumfluter fahren wir nach Schmogrow, Saccassne und Neu-Byhlegure wieder zurück zum Nordumfluter. Ein wunderschönes Abendlicht beschließt diesen Tag.
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  • Auf Fontanes Spuren

    17. Juni in Deutschland ⋅ ☁️ 22 °C

    Wir können heute Morgen unser Frühstück auf der Terrasse genießen und fahren danach mit den Rädern zum Waldschlösschen nach Burg-Kauper. Hier wollen wir den Fontaneweg laufen.

    Theodor Fontane zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem durch seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, in denen er Geschichte, Landschaft und Menschen miteinander verband. Weniger bekannt ist, dass Fontane bereits 1859 den Spreewald bereiste und von dessen einzigartiger Natur und Kultur tief beeindruckt war. Seine Eindrücke flossen später in verschiedene Reiseberichte und in die „Wanderungen“ ein. Besonders faszinierte ihn die stille Wasserlandschaft mit ihren unzähligen Fließen sowie das Leben der sorbisch-wendischen Bevölkerung.

    Der Fontaneweg in Burg-Kauper

    An diese Spreewaldreise erinnert heute der Fontaneweg im Ortsteil Burg-Kauper. Der rund zehn Kilometer lange Rundwanderweg wurde im Fontane-Jubiläumsjahr 2019 offiziell eingeweiht und führt durch eine Landschaft, die dem Schriftsteller besonders gefallen hätte: vorbei an Wiesen, alten Spreewaldhöfen, Wasserläufen, Brücken und schattigen Baumalleen. Ziel war es, Fontanes Verbundenheit mit dem Spreewald dauerhaft sichtbar zu machen. Leider gibt es unterwegs nur eine Handvoll Schautafeln, die über Fontanes Schaffen berichten. Der Weg führt zudem meist über asphaltierte Wege und teilweise sogar direkt entlang einer Verkehrsstraße, was wirklich schade ist.

    Ansonsten ist er schön zu laufen, und wir sind nach 2,5 Stunden wieder zurück am Ausgangspunkt.

    Zu Mittag kehren wir bei Steffi's Hafenstübchen ein. Die Bedienung hat eine liebevolle „Schnodderschnauze“, und das Essen hat wie bei meiner Mama zu Hause geschmeckt – Kohlroulade (mit Weißkohl). So lecker ...

    Wir machen uns auf den Heimweg, kommen aber nur wenige hundert Meter weit und machen noch einmal Halt im kleinen Biergarten „Grüne Ecke“. Eine Soljanka und eine Fettstulle mit Salzgurke müssen noch sein. Dann machen wir uns wirklich auf den Rückweg.

    Nach dem Abendessen entscheiden wir uns noch für eine kleine Abendrunde. Wir fahren mit den Rädern zum Willischza-See, dann weiter zum Nordumfluter und über die Burger Straße wieder zurück. Das waren dann doch noch einmal 16 km – aber schöne ...
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  • Störche, Kirschen und Soljanka

    16. Juni in Deutschland ⋅ ☁️ 18 °C

    Heute gibt es keinen Regen mehr, und die Temperaturen scheinen gut geeignet für eine erste Fahrradtour zu sein. Unser Ziel ist Dissen – das Storchendorf.

    Der Ort liegt inmitten der typischen Spreewaldlandschaft mit Feuchtwiesen, Auen und zahlreichen Wasserläufen – ideale Lebensbedingungen für den Weißstorch. Deshalb brüten hier jedes Jahr viele Storchenpaare, deren große Nester das Ortsbild prägen.

    Mit jährlich 8 bis 12 besetzten Storchennestern gehört Dissen zu den bedeutenden Storchendörfern Brandenburgs, wenn auch nicht zu den Top Ten. Egal, es ist schön zu sehen, dass die Storchenpopulation wieder wächst.

    Über typische Spreewalddörfer wie Striesow, Briesen, Guhrow und Werben fahren wir zurück nach Burg. Mich fasziniert die Weite des Landes, die Blicke zum Horizont sind frei, kein Lärm, eigentlich nur das leise Summen der breiten Reifen auf dem Weg. Auch kein Surren des Motors – der ist aus – hier brauchen wir ihn nicht.

    Wir genießen das einfach nur: die Felder mit Mohnblumen und Kornblumen, die vielen Kirschbäume am Wegesrand ... Ja, es ist Kirschenzeit. Das war früher die Zeit nach den Prüfungen. Es gab kaum noch Unterricht, wir fuhren mit den Rädern aufs Land und kletterten über Gartenzäune, um auf „Kirschenraub“ zu gehen. Das war der Anfang des unbeschwerten Sommers ... Ein Stück Erinnerung.

    In Burg fahren wir zum Leineweber-Fährmann und essen eine Soljanka.

    Auch so ein Stück Erinnerung. Die Soljanka hatte in der DDR einen besonderen „kulturellen“ Stellenwert, obwohl sie ursprünglich ja gar nicht von hier stammt. Das würzige Eintopfgericht kommt aus Russland und der Ukraine. Soljanka war preiswert (zumindest damals), sättigend und ließ sich gut aus verschiedenen Fleischresten, Wurst, Gurken und Gemüse zubereiten. Alles, was der Kühlschrank hergab, kam in die Soljanka, und deshalb schmeckte sie auch jedes Mal anders.

    Und weil wir jetzt schon beim Essen sind: Am Abend haben wir den Grill angefeuert und uns Rostbrätel und echte Thüringer Bratwurst auf den Grill gelegt. Was sind das für Erinnerungen?

    Am Abend bekam ich über die VIEWFINDR einen Wetteralarm – 80 Prozent Abendrot. Ein Blick zum Himmel sagte: „NEVER“ – aber wir haben uns um kurz vor 21 Uhr noch einmal auf die Räder gesetzt und sind zum Nordumfluter gefahren. Und wir wurden belohnt :-)
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  • Kloster Neuzelle

    15. Juni in Deutschland ⋅ ☁️ 18 °C

    Heute Morgen waren es 10 Grad, und die Wettervorhersage lautete wieder „wechselhaft und windig“ bei 14–19 Grad. Der Blick zum Himmel bestätigte das, und so fuhren wir über herrliche, gerade Landstraßen nach Neuzelle.

    Neuzelle ist eine Gemeinde im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg/Niederlausitz, ganz im Osten Deutschlands nahe der polnischen Grenze.

    1281 treffen die ersten Mönche an der Oder ein. Als »Pioniere« erkunden sie die Gegend. Für den Bau des Klosters entscheiden sie sich schließlich für den heutigen Standort. Das 14. Jahrhundert wird zur Zeit eines gewaltigen Aufbauprogramms.

    Nach umfassenden Planierungen beginnen die Bauarbeiten.
    Die wirtschaftliche Grundlage des Klosters sind die gestifteten Ländereien und Dörfer. Der Grundbesitz wird systematisch erweitert und ausgebaut. Die Bauern leisten Abgaben und sind zu Diensten verpflichtet. Durch Deiche und Drainagen werden Feuchtgebiete fruchtbar gemacht.

    Das Kloster unterhält zahllose Gewerke, Mühlen, Ziegeleien, Schlachtereien und Schmieden. Man verarbeitet Leder und Wolle, erzeugt Bier und Wein. Was man nicht selbst verbraucht, geht auf die Märkte der Region. Neuzelle liegt an der wichtigen Landstraße von Frankfurt nach Guben. Über die Hafenstadt Fürstenberg hat man Anschluss an die Oderschifffahrt von und nach Breslau, Frankfurt und weiter nach Norden.

    Nach der Säkularisation im 19. Jahrhundert endete das klösterliche Leben zunächst. Die Gebäude blieben jedoch erhalten und dienen heute als kulturelle und touristische Attraktion. Seit 2018 lebt wieder eine kleine Gemeinschaft von Zisterziensermönchen in Neuzelle, wodurch die jahrhundertealte Tradition des Klosters fortgeführt wird.

    Besonders bemerkenswert ist die barocke Klosteranlage, die zu den schönsten und am besten erhaltenen ihrer Art in Deutschland zählt. Während viele Klöster in Nord- und Ostdeutschland nach der Reformation aufgelöst oder stark verändert wurden, blieb Neuzelle als katholisches Kloster bestehen.

    Wir haben Glück, denn als wir ankommen, sind es nur noch 15 Minuten bis zum Mittagsgebet der Mönche.

    Als wir die Stiftskirche St. Marien betreten, stockt uns erst einmal der Atem. So viel Prunk. Wir setzen uns hin und sehen alsbald acht Personen durch die Kirche huschen, und wenig später hören wir die Gesänge. Während wir so sitzen und lauschen, schießen uns hunderte Gedanken durch den Kopf. Das hier aufzuschreiben würde den Rahmen sprengen – nur so viel: Worauf beruht der Reichtum der katholischen Kirche, die Gebiets- und Besitzansprüche? Auf einem Bibelwort: „… auf diesem Felsen sollst du meine Kirche bauen“? Ist die Bibel doch nicht auch nur ein Märchenbuch, ein Geschichtenbuch, von Menschen aufgeschrieben? Welche Macht hat die Kirche heute überhaupt noch, wenn es der Papst nicht schafft, Kriege zu beenden oder wenigstens Frieden zu vermitteln? Welchen Beitrag leisten diese acht Mönche für unser Land, für unsere Wirtschaft?

    In einer Vitrine des sehr sehenswerten Kreuzgangs fand ich den Satz: „Dass die Zisterzienser selbst arbeiten, ist lange vorbei. Dafür haben sie gelernt, erfolgreich zu wirtschaften. Das Stift Neuzelle hat sich zu einem landwirtschaftlich-handwerklichen Mischbetrieb in großem Stil entwickelt. Es ist einer der größten Grundbesitzer der Niederlausitz und ein bedeutender Arbeitgeber. Neben den zahlreichen abhängigen Bauern wurden im Laufe der Zeit mehr und mehr freie Arbeitskräfte angestellt …“

    Genug Stoff zum Nachdenken für mich. Jedenfalls ist die Geschichte des Klosters sehr schön aufgearbeitet und auch ehrlich erklärt. Sehr interessant, beeindruckend – aber eben auch manchmal ziemlich nachdenklich machend.

    Wir stehen im Kreuzgang und denken beide: „Wir haben schon schönere gesehen“ – aber sie waren einmal schön. Warum hat man zu DDR-Zeiten diese Wände zugekalkt? Und ich lerne: Die Überkalkung war nicht als „Zerstörung“ im heutigen Sinn gedacht, sondern meist als Schutz- oder Erhaltungsmaßnahme. Der Kreuzgang war über lange Zeit nicht mehr in seiner ursprünglichen klösterlichen Funktion in Nutzung, daher wurden die Bereiche zweckentfremdet, nur teilweise gepflegt oder standen zeitweise leer und verfielen.

    Der Klostergarten ist wunderschön angelegt, aber ich denke, es ist mehr ein Schaugarten. Davon können die Mönche nicht satt werden. Es ist ein sehr großes Areal, sauber gepflegt, und am äußeren Ende befindet sich eine weitere Kirche – die Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz. Sie wurde nicht ursprünglich als evangelische Kirche erbaut, sondern als katholische Pfarrkirche für die Bevölkerung des Ortes. Erst nach der Auflösung des Klosters wurde sie evangelisch genutzt. Aber sie ist nicht minder prunkvoll.

    Mittlerweile ist es schon weit nach 17 Uhr, und wir sind erstaunt, wie schnell der Tag vergangen ist. Also machen wir uns auf den einstündigen Heimweg über die B320. Sie verbindet eher unscheinbare, kleine, aber charaktervolle Orte zwischen Spreewald und der Gubener Region und durchquert dabei eine Landschaft, die stark von Wäldern, Feldern, kleinen Dörfern und der ruhigen, fast zeitlosen Weite Brandenburgs geprägt ist.

    Heute Abend feuern wir den Ofen an und machen es uns gemütlich warm …
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  • Festungsstadt Peitz

    14. Juni in Deutschland ⋅ 🌧 17 °C

    Aufgrund des sehr wechselhaft vorhergesagten Wetters entscheiden wir uns für einen Museumstag. Ganz viele kennen wir schon, aber in Peitz waren wir noch nicht. Peitz (sorbisch: Picnjo) ist eine kleine historische Fischer- und Festungsstadt am östlichen Rand des Spreewalds. Bekannt ist sie vor allem für ihre riesige Teichlandschaft mit traditioneller Karpfenzucht, die alte Festungsanlage mit dem erhaltenen Festungsturm sowie das Hütten- und Fischereimuseum. Und genau hier starten wir.

    Es verbindet zwei Dinge, die die Stadt über Jahrhunderte geprägt haben: Eisenverarbeitung und Fischzucht. Der spannendste Teil ist die historische Hochofen- und Gießereihalle von 1810. Dort kann man noch originale technische Anlagen sehen und erfahren, wie aus Raseneisenstein Eisen für Haushaltsgeräte, Glocken oder militärische Zwecke hergestellt wurde. Das Hüttenwerk geht sogar auf die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück.

    Im Fischereimuseum dreht sich alles um die berühmten Peitzer Teiche und die traditionelle Karpfenzucht. Besonders sehenswert sind ein großes Teich-Diorama, historische Fischereigeräte und ein Aquarium mit Peitzer Karpfen. Die Ausstellung zeigt, wie die Binnenfischerei in Brandenburg früher funktionierte.

    Nach einem leckeren Mittagessen auf der anderen Seite der Teiche in Haust fahren wir wieder zurück nach Peitz. Die Altstadt ist überschaubar, ruhig und geprägt von Backsteinbauten und einem schmucken Markt.

    Sehenswert ist insbesondere der Peitzer Festungsturm, das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt und der letzte große Rest der ehemaligen Festung Peitz. Sein Kern stammt vermutlich aus der Zeit um 1300, als er als Wohn- und Wehrturm einer mittelalterlichen Burg diente.

    Brandenburg errichtete drei große Festungen: Spandau sollte die Hauptstadt und die Kernlande schützen. Küstrin war das Bollwerk gegen potenzielle Feinde aus dem Norden und Osten. Peitz sollte den südlichen Zugang zur Mark sichern. Außerdem lagen die brandenburgischen Herrschaften Cottbus und Peitz isoliert als Exklaven in der ansonsten böhmisch-sächsischen Niederlausitz und bedurften deshalb eines besonderen Schutzes.

    Besonders beeindruckend sind seine außergewöhnlich dicken Mauern von bis zu sechs Metern Stärke. Deshalb wurde er auch als „Dicker Turm“ bezeichnet. Der Turm erreicht eine Höhe von etwa 35 bis 36 Metern und war das zentrale Bauwerk der Festungsanlage. Wir klettern die steilen Stufen hinauf und haben eine tolle Aussicht – aber auch auf die heranziehenden dunkelgrauen Wolken ...

    Wir schaffen es tatsächlich, trocken zu bleiben, aber auf der Heimfahrt beginnt es dann wieder zu schütten. Und so schnell ist ein ganzer Tag vergangen; jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, scheint aber schon wieder die Sonne. Morgen soll es noch einmal wechselhaft werden, bevor dann Mitte der Woche der Sommer zurückkehren soll (mit 33 Grad ...). Wir werden sehen.
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  • Angekommen

    13. Juni in Deutschland ⋅ ⛅ 17 °C

    Nach etwa 600 km und etwas mehr als sechs Stunden Autofahrt sind wir wieder an unserem Sehnsuchtsort im Spreewald angekommen.

    Hier, wo die meisten Orte (z. B. Schmogrow, Drehnow, Babow, Brahmow usw.) auf „-ow“ enden und die Ortseingangsschilder zweisprachig sind (Deutsch und Niedersorbisch). Die Endung „-ow“ geht auf die slawische Besiedlung der Region zurück. Der Spreewald und große Teile des heutigen Brandenburgs wurden ab dem frühen Mittelalter von den Westslawen, insbesondere von den Lusici, bewohnt.

    Schon auf der Fahrt haben sich Sonne und Regen abgewechselt. Hier angekommen, zeigte sich schon wieder bedrohliches Grau am Himmel, und wir haben es gerade geschafft, die Räder abzubauen und die Sachen im Haus zu verstauen, als der Regen niederging.

    Nach dem Einkaufen und Abendessen entschieden wir uns, noch eine kleine Runde zu laufen. Sozusagen als Ausgleich nach dem vielen Sitzen – aber wir haben uns irgendwie „verlaufen“ – also nicht wirklich verlaufen, sondern die Länge des Weges etwas falsch eingeschätzt – und so waren es dann über 7 km. Doch durch die schon tief stehende Sonne wurden wir mit fantastischem Licht belohnt.

    Es ist schön, wieder hier zu sein. Ein Stückchen Heimat ...
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    Beginn der Reise
    13. Juni 2026