• Auf den Spuren der lustigen Kalauern

    Ieri, Germania ⋅ ⛅ 25 °C

    Calau ist ein kleines, sehr charmantes Städtchen in der Niederlausitz – oft wird es liebevoll als „kerngesunde Kleinstadt mit Witz“ bezeichnet. Der Ort verbindet eine lange, wechselvolle Geschichte mit einer angenehm ruhigen, fast gemütlichen Atmosphäre. Man trifft nicht sehr viele Menschen auf den Straßen – vielleicht ist es aber auch der Hitze geschuldet. An vielen Stellen findet man kleine Bronzearbeiten. Die Figuren sind Teil einer städtischen Idee, Kunst im öffentlichen Raum als Identität der „Stadt der Kalauer“ sichtbar zu machen – also eine Mischung aus Humor, Geschichte und regionaler Kultur.

    Calau hat alte Wurzeln, wurde bereits im Jahr 1279 erstmals urkundlich erwähnt, doch die Siedlungsgeschichte reicht noch weiter zurück. Im Mittelalter entwickelte sich der Ort rund um eine kleine Burganlage (komme ich noch drauf …) und wurde später zu einer typischen Ackerbürger- und Handwerkerstadt.

    Das Wort „Kalauer“ geht tatsächlich auf diese Stadt zurück, die früher „Kalau“ geschrieben wurde. Im 19. Jahrhundert veröffentlichte die Berliner Satirezeitschrift Kladderadatsch regelmäßig scherzhafte Meldungen aus dieser Stadt unter Überschriften wie „Aus Kalau wird berichtet …“. Die dort abgedruckten Wortspiele und Scherzmeldungen wurden so bekannt, dass man solche Witze schließlich allgemein „Kalauer“ nannte.

    Also: Heute bezeichnet man damit einen meist flachen, oft absichtlich albernen Wortwitz, der auf einem Wortspiel, einer Doppeldeutigkeit oder einem Gleichklang von Wörtern beruht. Etwa so:

    - Was macht die Security in der Nudelfabrik? Die Pasta auf.
    - Was ist das Gegenteil von Reformhaus? Reh hinterm Haus.
    - Geht ein Cowboy zum Friseur. Als er rauskommt, ist sein Pony weg.

    Wir lassen unsere Räder am Radhaus – nein, Rathaus (kein Kalauer!) – stehen und schlendern durch die Gassen.

    Beeindruckend fand ich den interessanten Baustil der Stadtkirche. An ihr lassen sich mehrere Bau- und Zeitschichten ablesen – vom Mittelalter über den Barock bis in die Nachkriegszeit. Die Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals entstand zunächst ein Vorgängerbau aus Feldsteinen und Raseneisenstein. Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts wurde die Kirche zu einer großen spätgotischen Stadtkirche ausgebaut. Um 1480 erhielt sie ihren markanten Turm. Ich hätte sie wirklich auch sehr gerne von innen gesehen – aber leider alles zu 😤 Deshalb ein Kalauer von mir: Die Kirchentüren sind alle verschlossen – da ist wohl der Schlüssel zum Glauben verloren gegangen.
    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen.

    Auf dem Burgplatz stand im Mittelalter die sogenannte Dunkelsburg, eine frühe Befestigungsanlage auf der höchsten Stelle des Stadtovals. Sie war schon um das 10./11. Jahrhundert vorhanden, wurde später aufgegeben und verfiel vollständig. Die Reste dienten über Jahrhunderte sogar als Steinbruch. Aber hier findet sich auch ein netter Kalauer 😏

    Nach einem leckeren Eis machen wir uns wieder auf den Weg, zurück über ellenlange, schnurgerade Waldstraßen – ideal zum Radfahren –, wenn da nicht gerade ein Mähdrescher vor uns auf dem Weg gewesen wäre …

    Auf den Feldern werden gerade die Gurken geerntet – viele fleißige Hände (allerdings keine deutschen) pflücken die Gurken im Liegen, während sich die Erntemaschine langsam vorwärts bewegt.

    Unterwegs Kirschbäume, die aussehen wie aus dem Gärtner-Pötschke-Katalog …

    Zur Erfrischung gönnen wir uns ein großes Radler am Spreehafen in Burg und sind dann nach 51 km wieder zurück in unserem Häuschen.

    Ach, einen hab ich noch: Was sagt ein großer Stift zu einem kleinen Stift? – Wachsmalstift.
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