• Kreisstadt Lübben

    22. juni, Tyskland ⋅ ☀️ 24 °C

    Die Kreisstadt Lübben bildet das malerische Tor zwischen dem Unter- und Oberspreewald.

    Lübben ist zudem die letzte Wirkungsstätte des nach Luther bedeutendsten deutschen Kirchenlieddichters Paul Gerhardt. Nach seinem Tod im Jahr 1676 wurde er in der Lübbener Kirche beigesetzt. Doch dazu später mehr.

    Wir wollten ins Schloss und ins Museum - aber hatten uns nicht vorher informiert - Montags ist hier fast alles geschlossen 😞 Aber wir machen trotzdem unseren Stadtrundgang:

    Die Schlossanlage befindet sich am Südrand der Lübbener Altstadt auf der Museumsinsel der Stadt Lübben. Vorgänger der Burg war eine slawische Ringwallanlage, die sich heute in der Nähe des Museums befand. Das Schloss entstand an der Stelle einer im 12. Jahrhundert errichteten Wasserburg.

    Infolge des Wiener Kongresses wurde die Niederlausitz 1815 Preußen zugesprochen. Hundert Jahre später erhofften sich die Lübbener einen Besuch von Kaiser Wilhelm II. anlässlich des Jubiläums der Zugehörigkeit Preußens.

    Südlich des Turms entstand in den Jahren 1679 bis 1682 das markante, dreigeschossige, aus Backstein errichtete Oberamtshaus. Der verputzte, mit einem Satteldach versehene Bau diente als Sitz der Regierung der Niederlausitz.

    Die über dem Portal angebrachte Inschrift spiegelt die enge Verbundenheit Lübbens mit der preußischen Geschichte wider. Der Vers geht ursprünglich auf eine Aussage über Friedrich den Großen zurück, erhielt jedoch bei der Umgestaltung des Turms in den Jahren 1914/15 eine neue Bedeutungsebene. Zeitgenössische Betrachter konnten den Namen „Wilhelm“ zugleich auf Kaiser Wilhelm II. beziehen. Die Inschrift bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass der Herrscher und die Monarchie trotz äußerer Bedrohungen Bestand haben würden. Damit verweist sie sowohl auf die Verehrung der preußischen Herrscher als auch auf das historische Selbstverständnis Lübbens als Teil des preußischen Staates.

    Die heutige Paul-Gerhardt-Kirche (früher Nikolaikirche) mit ihrem hohen Turm prägt seit Jahrhunderten das Lübbener Stadtbild. Ihre Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als an dieser Stelle eine frühgotische Hallenkirche entstand. Baulich vereint die Kirche verschiedene Stilepochen. Grundelemente der Gotik sind noch in der Struktur erkennbar, während spätere Umbauten vor allem barocke und klassizistische Einflüsse zeigen.

    Paul Gerhardt wurde 1607 in Gräfenhainichen geboren und studierte Theologie in Wittenberg. Während des Dreißigjährigen Krieges und der folgenden Zeit prägten Not, Krieg und Unsicherheit seine Lebensumstände – Erfahrungen, die sich stark in seinen Liedtexten widerspiegeln. Bekannt ist er vor allem für seine bis heute gesungenen Kirchenlieder wie „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, „Befiehl du deine Wege“ oder „Nun ruhen alle Wälder“. Seine Texte verbinden tiefen Glauben mit persönlicher Erfahrung und einer sehr bildhaften, poetischen Sprache.

    Um 12 Uhr waren wir in der Kirche, und dabei hörte man viele seiner Lieder. Ich weiß nicht, ob das immer so ist, aber ich empfand das als sehr schön.

    Beim Gurken-Paule auf der Schlossinsel haben wir etwas gegessen und anschließend eine sehr schöne, etwa eineinhalb Stunden lange Kahnfahrt gemacht. Fast lautlos gleitet der Kahn durch die Fließe, vorbei an grünen Ufern, alten hohen Bäumen und kleinen Brücken. Das Wasser spiegelt die Sonnenstrahlen, die durch das dichte Blätterdach fallen. Das ist Natur pur – hier herrscht Stille, und doch hat alles etwas Mystisches, fast wie im Spreewaldkrimi.
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