Memleben – Sterbeort von Königen
June 30 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C
Mitten in der ruhigen Landschaft des Burgenlandkreises (Sachsen-Anhalt) liegt der kleine Ort Memleben. Auf den ersten Blick wirkt er unscheinbar, doch seine Geschichte macht ihn zu einem der bedeutendsten Orte des deutschen Mittelalters. Hier endeten die Leben zweier großer Herrscher, deren Wirken die Geschichte Europas nachhaltig geprägt hat.
Im Jahr 936 starb in Memleben König Heinrich I., auch Heinrich der Vogler genannt. Er hatte das Ostfränkische Reich geeint und den Grundstein für ein starkes deutsches Königtum gelegt. Sein Tod bedeutete das Ende einer Epoche, doch zugleich begann mit seinem Sohn Otto eine neue Zeit.
Fast vierzig Jahre später kehrte Otto I., der später den Beinamen „der Große“ erhielt, an den Ort zurück, an dem sein Vater gestorben war. Im Jahr 973 starb auch er in Memleben. Otto hatte das Reich zu neuer Stärke geführt und war als erster deutscher König seit Karl dem Großen zum Kaiser gekrönt worden. Sein Tod erfüllte den Ort mit tiefer Trauer und machte Memleben endgültig zu einem Symbol für Vergänglichkeit und Erinnerung.
Aus Dankbarkeit und zum ehrenden Gedenken ließ Otto II. an dieser Stelle ein prachtvolles Benediktinerkloster errichten. Es sollte nicht nur für das Seelenheil seines Vaters und Großvaters beten, sondern auch die Erinnerung an die großen Herrscher für kommende Generationen bewahren. Obwohl von der einst beeindruckenden Klosteranlage heute nur noch Ruinen erhalten sind, spürt man beim Betreten des Geländes noch immer die besondere Atmosphäre. Der Audioguide ist im Eintrittspreis enthalten, und so tauchen wir in die Geschichte ein, verweilen im wunderschönen mittelalterlichen Klostergarten und genießen die Stille in der spätromanischen Krypta.
Die Ausstellungen sind neu aufgearbeitet und auch für Kinder interessant gestaltet (es gibt zudem einen Audioguide für die jungen Besucher). Es wurden viele interaktive Stationen entwickelt, an denen sie spielerisch in das Leben des Mittelalters eintauchen können. Mit Mitmachangeboten, Hörstationen, Rätseln und digitalen Medien wird Geschichte spannend und leicht verständlich vermittelt. Dieses Konzept der kindgerechten Museumsvermittlung findet sich inzwischen auch in vielen neu gestalteten Museen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen wieder. So werden sie zu lebendigen Lernorten, die Neugier wecken und kulturelles Erbe für die nächste Generation bewahren.
Am Abend besuchen wir liebe Freunde in Donndorf (Kyffhäuserkreis). Heike arbeitet im Kloster, und wir bekommen eine eineinhalbstündige Privatführung durch den gesamten Komplex. Er wurde im 13. Jahrhundert als Zisterzienserinnenkloster gegründet und entwickelte sich zu einem wichtigen religiösen und wirtschaftlichen Mittelpunkt der Region. Die Nonnen lebten nach den Grundsätzen des Zisterzienserordens – geprägt von Gebet, Bescheidenheit und harter Arbeit. Während der Reformation wurde das Kloster aufgelöst und später von der Familie von Werthern übernommen. Aus der ehemaligen Klosteranlage entstand eine angesehene Klosterschule, die über viele Jahrhunderte Bestand hatte. Nach einer Zeit des Verfalls wurde das Kloster in den 1990er-Jahren umfassend restauriert. Heute ist es Sitz der Ländlichen Heimvolkshochschule Thüringen und ein Ort der Bildung und Begegnung.
In der Zwischenzeit grillt Jürgen Wildschweinbratwürste. Die Sau hat er selbst geschossen … ;-) Wir merken gar nicht, wie die Zeit vergeht, und reden bis es dunkel wird. Dann machen wir uns auf den kurzen Heimweg und sitzen noch mit einem Glas Wein auf der Terrasse unseres Ferienhäuschens.Read more















