Untersberg-Überschreitung
September 23 in Germany
⛅ 14 °C
Um 7 Uhr klingelt der Wecker und der erste Blick aus dem Fenster sagt heute: Ja! Die Sonne geht gerade auf und taucht die Spitzen der Berge in warmes herbstliches Licht. Aber es ist kalt. Das Thermometer zeigt 4 °C. Nach einem kurzen Frühstück fahren uns Tina und Bernhard nach Grödig.
Hier kaufen wir uns zwei Bergfahrten für die Untersberg-Seilbahn. Die Seilbahn überwindet zwischen der Talstation (456 m) und der Bergstation am Geiereck (1.776 m) in rund 10 Minuten beeindruckende 1.320 Höhenmeter. Eine Kabine transportiert im Sommer 50 Personen (oder 3,7 Tonnen) hinauf zur Bergstation. Und so stehen wir kurz nach 9 Uhr auf der Aussichtsplattform der Untersbergbahn. Hier oben ist es noch ein wenig kälter und viele Blätter tragen noch schöne Eiskristalle. Leider auch einige Holztritte, sodass es teilweise rutschig ist. Aber in wenigen Stunden wird die Sonne hier oben alles aufgewärmt haben.
Sobald man das Gebäude der Seilbahn verlässt, breitet sich das felsige Plateau des Untersbergs vor einem aus. Man wandert in südliche Richtung, wobei man das hölzerne Gipfelkreuz des Salzburger Hochthrons schon gut im Blick hat. Der Weg ist anfangs gut ausgetreten, weiß-rot markiert und trägt die Nummer 417. Zunächst führt der Pfad recht flach am Hochalm-Berggasthof vorbei und schlängelt sich durch die für diese Höhe typischen Latschenkiefern. Nach diesem bequemen Start senkt sich der Weg für ein kurzes Stück leicht ab, bevor der eigentliche Anstieg beginnt. Der Untergrund wechselt hier spürbar zu typischem Bergboden: grober Schotter, Geröll und Passagen, die direkt aus dem Kalkfels geschlagen wurden.
Nach einigen Kehren und teils hohen Stufen und etwa zwanzig Minuten Gehzeit steht man schließlich am Gipfelkreuz des Salzburger Hochthrons auf 1.853 Metern. Von der Kante fällt das Gelände nach Osten steil ab, was den Blick weit ins Salzburger Becken und auf die umliegenden Gebirgszüge der Alpen öffnet. Die Sonne steht noch nicht sehr hoch und der feine Dunst zeichnet die Berge wunderschön voneinander ab. Bis hierhin haben sich noch ein paar Chinesen mit ihren „Turnschühchen“ verirrt. Da kann man einfach nur den Kopf schütteln ...
Wir machen für zwei ältere Damen ein Gipfelfoto, die uns dann noch eine Weile mehr oder weniger begleiten. Die ältere (noch sehr fit) ist 82, die andere nur wenig jünger, aber deutlich unsicherer. Sie wollen auch zum Stöhrhaus und dann nach Hintergern. Sehr mutig, aber toll, dass sie es noch einmal wagen.
Die Route führt nun merklich bergab und das Gelände wird steiniger und rauer. Man steigt über schrofenreiche Abschnitte und Felsstufen tief hinunter in die Senke der Mittagsscharte, die auf 1.671 Metern liegt. An diesem tiefen Einschnitt schaut man ehrfürchtig wieder hinauf ...
Nach dem Durchqueren der Scharte (also wenn man es wieder nach oben geschafft hat) beginnt die eigentliche Überschreitung des welligen, steinigen Plateaus. Der Pfad führt nun in einem ständigen, teils anstrengenden Auf und Ab an den felsigen Erhebungen des Ochsenkamms, der Ochsenköpfe und des Rauhecks vorbei. Bäume gibt es hier oben keine mehr; die Landschaft ist geprägt von weiten Karstflächen, tiefen Erdfällen (Dolinen) und vereinzelten Latschenfeldern. Die Orientierung entlang der Markierungen erfordert Konzentration, da sich der Weg geschickt durch das steinige Gelände schlängelt.
Nach etwa zwei bis zweieinhalb Stunden reiner Gehzeit von der Mittagsscharte nähert man sich der breiten, nördlichen Gipfelflanke des Berchtesgadener Hochthrons. Der Hauptweg umgeht den höchsten Punkt knapp, aber ein gut beschilderter Abzweig führt in wenigen Minuten hinauf zum breiten Gipfelrücken.
Am dortigen Gipfelkreuz auf 1.973 Metern angekommen, öffnet sich eine ganz neue Perspektive nach Süden, die den Blick freigibt auf das nahe Stöhrhaus sowie die markanten Steilwände von Watzmann und Hochkalter. Überhaupt hat man hier ein faszinierendes Panorama rundherum vor sich. Wir verbringen eine ganze Zeit hier oben, sodass wir zeitweise sogar nur zu zweit am Gipfel sind.
Vom Gipfel des Berchtesgadener Hochthrons wandert man zunächst in wenigen Minuten wieder hinab zum Hauptweg. Das nächste Etappenziel, das Stöhrhaus, liegt bereits gut sichtbar auf dem windgeschützten Plateau. Nach etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten erreicht man das Schutzhaus des Alpenvereins auf 1.894 Metern. Hier gönnen wir uns ein Radler und eine Kaspressknödel- bzw. Frittatensuppe. Die Sonne strahlt und wir genießen die Aussicht auf den Watzmann.
Dann beginnt der anstrengende Teil der Tour. Hinter dem Stöhrhaus startet der Abstieg über den Weg 417, der im oberen Abschnitt auch als Stöhrweg bekannt ist. Man lässt das Hochplateau hinter sich und steigt zunächst in weiten Serpentinen über freies, felsiges Gelände ab. Der Weg ist hier zwar gut angelegt, verlangt aber wegen des losen Gerölls auf dem Kalkstein einiges an Konzentration.
Hier wartet die „Schlüsselstelle“ des Abstiegs: das sogenannte „Leiterl“. Der Weg besitzt keine künstlichen Versicherungen, Drahtseile oder Leitern. Es handelt sich um eine ungesicherte, sehr steile Passage im freien Gelände, bei der sich der Pfad in engen, kurzen Kehren durch eine felsige Rinne abwärts windet.
Nach diesem etwas fordernden Abschnitt mündet der Pfad wieder in den flachere Abschnitte, bevor man den Übergang in die steilen Südwände des Untersbergs erreicht. Auch wenn der Untergrund einfacher wird, geht dieser Abschnitt aufgrund der Steilheit und der bereits zurückgelegten Kilometer spürbar in die Kniegelenke und Oberschenkel. Der Wald wird langsam dichter, und schließlich mündet der Steg in einen breiteren Forstweg.
Spätestens hier fragt man sich mal kurz: Warum mache ich das alles eigentlich ...
Der Weg führt durch dichten Wald weiter teils steil abwärts, bis man endlich die ersten Wiesen und Bauernhöfe von Hintergern sieht. Zum Glück wohnen wir hier oben und müssen nicht, wie die anderen Wanderer, noch weiter runter nach Maria Gern. Die 1.200 Höhenmeter im Abstieg zwicken ganz schön und wir sind froh und glücklich, dass wir diese Tour nun schon zum dritten Mal geschafft haben. Jetzt gönnen wir uns erst einmal ein Schnapserl ...
PS: Übrigens, von den beiden alten Damen haben wir nichts mehr gesehen ...Read more





































WildWortWechselWas für eine Tour! Respekt!