Black Rock Lodge (Teil 1)
May 18, 2022 in Belize ⋅ ⛅ 34 °C
16. - 18. Mai
Black Rock Lodge in der Nähe von St. Ignacio, Belize
Die letzte Station des Belize-Teils unserer Reise erreichten wir nach dem Besuch der ATM Höhle, wobei sich uns die Frage stellte, warum wir den Besuch dort nicht einen oder zwei Tage später von der Black Rock Lodge aus gestartet hatten, was uns zumindest die frühe Anreise aus Hopkins erspart hätte, schließlich sind wir im Urlaub und damit entschuldigt faul.
Die Fahrt zur Lodge gab uns dann aber zumindest einen Grund, denn die letzten sechs Meilen gingen wiederum einer Piste, die sich nur in Teilen und mit Wohlwollen als Strasse definieren liess. Wir waren jedenfalls froh, dass unser Mietwagen schon im Vorfeld so lädiert war, dass wir uns zumindest um Lackschäden und ähnliches keine Sorgen machen mussten. Aber unnötige Fahrten waren auf jeden Fall zu vermeiden, denn das Gerumpel tat weder dem Magen noch der Beziehung gut, da es dann doch immer wieder mal Diskussionen gab, ob man(n) sein Streben nach Streckenrekorden unbedingt hier austoben musste, bzw. ob es nicht eher wie bei dem langsam abgezogenen Pflaster ist. Wir waren also froh, da zu sein. Die Lodge war dann auch mitten im Grünen gelegen, unterhalb schlängelte sich ein kleiner Fluß entlang in dem man wohl auch schwimmen, Kayak und Kanu fahren sowie mittels aufgeblasenen Reifen Tubing machen konnte. Gegenüber sah man eine (anders als vom Namen der Lodge nahegelegt) weißer Kalksteinwand ca. 150 Meter hoch. Auf dieser anderen Seiten saßen dann auch die Brüllaffen, die speziell am Abend ein entsprechendes Theater machten. Vorher gab es aber noch ein gutes Abendessen und dann hatten wir nach dem anstrengenden und erlebnisreichen Tag auch genug und zogen uns in unserer Hüte zurück.
Die Natur um uns herum liess uns allerdings nicht sehr lange schlafen, waren es nachts noch die Affen gewesen so ging es morgens um halb fünf mit einem munteren Vogelkonzert los. Nur gut, dass wir uns gerade am ersten Tag nichts vorgenommen hatten und so lediglich rechtzeitig zu unserem Frühstück mit Pfannekuchen und Eierspeisen erscheinen mussten. Der Tag über hingen wir dann ab, genossen das zumindest im offenen Speiseraum halbwegs funktionierende Internet und liessen es uns gut gehen. Selbst die Besichtigung des Pools fiel wegen urlaubsbedingter Trägheit aus.
Für den zweiten Tag hatten wir uns dann zumindest am Morgen eine geführte Wanderung vorgenommen. Der hotelzugehörige Guide, Franzisco, brachte uns zunächst mit einem kleinen Kanu über den Fluss und dann ging es eine gute Stunde mehr oder minder stetig bergauf. Neben verschiedenen Vögeln mit denen er über eine echte Twitter-App in Kontakt trat, bekamen wir diverse Pflanzen inklusive giftigen Bäumen am Wegesrand erklärt. Und er schreckte eine Tarantel in ihrer Höhle auf, die nicht unbedingt begeistert war aber von dem sprichwörtlichen Biss absah und sich stattdessen nach kurzem Aufeinandertreffen tiefer in ihre Höhle zurückzog.
Belohnt wurde der Aufstieg dann von einer phänomenalen Aussicht von der Abbruchkante des weissen Kalksteinfelsens. Nach kurzer Pause ging es dann aber auch schon wieder zurück. Diesmal bergab, was bei rutschigen Blättern und Geröll nicht unbedingt einfacher als der Aufstieg war. Zwischen FF und mir entbrannte dann auch ein Wettbewerb, wer sich seltener auf den Hintern legt, der mit 3:3 am Ende unentschieden ausging (nur das ich mein Fitnessarmband auf der Strecke verloren habe, was aber dem Stress der Selbstvermessung und des Kalorienzählens ein Ende bereitete, insofern also ein unverhofftes Entschleunigungs-Geschenk an mich selbst ;-)
Nach der Wanderung stand dann erstmal eine Siesta an, wobei sich gegen 3 Uhr eine gewisse Untätigkeitsunruhe einstellte. So machten wir uns dann (entgegen den Vorsätzen der Anreise) nochmal auf den Weg und die Rumpelpiste auf in Richtung Spanish Lookout, einer einige Kilometer von der Regionalhauptstadt Belmopan entfernt gelegenen Siedlung die uns von unserem ATM-Führer Gonzo nahegelegt wurde, da hier ca. 2.000 plautdietsche Menonniten lebten. Neben der auffälligen Kleidung (die mir schon in Hopkins an zwei älteren Damen aufgefallen war, die dort eine Nacht in unserem Hotel genächtigt und tagsüber in „Tracht“ am Pool gesessen hatten) sind die Menonniten für ihre Landwirtschaft und die Versorgung der umliegenden Bevölkerung und Märkte mit Obst und Gemüse bekannt. Also noch einen Ausflug in die Vergangenheit. Unterwegs begegneten uns tatsächlich einige Pferdefuhrwerken auf deren Kutschbock mittelalte Herren sassen, deren Barttracht längerfristig und gepflegter als die Eures geschätzten Betrachters wirkte. Wobei mir der seit nunmehr zwei Monaten ungestörte Bartwuchs zumindest die Akzeptanz als vermeintlich originärer Bewohner dieses Staates einbrachte. So wurde ich verschiedentlich angesprochen, ob ich denn Belizianer sei. Ich habe das mal als Kompliment genommen, insbesondere nachdem wir in Spanish Lookout einer deutsch-schweizerischen Reisegruppe begegnet waren, die zwar nicht unmittelbar durch die Insignien Tennissocken und Sandalen hervorstachen aber in der Masse dann doch zu viele waren. Der Reiseführer war übrigens auch ein Deutscher, der allerdings im Norden von Belize lebt und mit Gruppen wie der angesprochenen Touren auch bis nach Guatemala unternimmt. Zumindest unseren verschiedenen Guides war er ähnlich bekannt, wie der anscheind auch legendäre Menonniten-Guide Manfred, der Touristen durch die ATM Höhle führte und dabei wahrscheinlich noch viele spannende Geschichten aus seiner Gemeinde erzählen konnte. Wobei der „ mennonitische Obst- und Gemüsemarkt“ war dann zumindest für uns mit den vermutlich romantisierenden Vorstellungen eines Wochenmarktes eher eine Enttäuschung. Eine große Halle in der es mehr oder minder alles zu kaufen gab. Ja, der war augenscheinlich nicht in der Hand der chinesischen Tante-Emma-Mafia, aber halt auch nicht das „Besondere“ auf der man sich in der Fremde auf eine Weise begibt, die den auf diese Weise begutachteten vermutlich eher wie ein Besuch im Zoo vorkommt. Hier wurde unsere Gier nach Fotos und Geschichten also nicht befriedigt. Dafür gab es in der Gemüseabteilung allerdings tatsächlich ein deutlich breiteres und frischeres Angebot als wir es bisher gesehen hatten und auch die selbst hergestellten Kuchen und Bananenbrote waren nicht nur spottgünstig sondern auch sehr gut. Noch besser war allerdings das Eis aus der nahegelegenen Fabrik, das uns im Hotel sehr empfohlen wurde. Hier kam die Familie in Gänze auf ihre Kosten und die morgens verbrannten Kalorien wurde mannigfaltig wieder eingespielt.
Abends waren wir dann auch nicht wirklich hungrig hatten aber unser Abendessen schon morgens bestellt und gingen so leicht überfressen ins Bett. Dort wieder die inzwischen bekannte Aufführung Affen - Vögel ……. Frühstück!
Am nächsten Morgen dann die nächste Tour. Uns soll nur ja niemand vorwerfen, wir würden uns dauerhaft der Faulheit hingeben und dabei unsere Chronisten-Pflicht für die Daheimgebliebenen vernachlässigen. Also Lied ab: In einem unbekannten Land, da damm da damm damm damm, vor schon ner ganzen Menge Zeit………… nun gut, die Einladung für unseren ersten Besuch bei den alten Maya ist eine erzwungene Pointe. Die auch gar nicht notwendig wäre, denn nachdem wir die inzwischen bekannte Holperstrecke vom Hotel bis zur Hauptstrasse diesmal allesamt als Beifahrer von Francisco erleben durfte („siehst Du, der fährt maximal 30 Meilen……!!!!!), ging es nur wenige Minuten später in San Jose Succotz mit einer handbetriebenen Fähre über den aus Guatemala kommenden Mopan-Fluß und weitere 1.500 Meter später waren wir schon an der Maya Stätte „Xunantunich“, der „steinernen Frau“.
Die aus insgesamt 25 Tempeln und Palästen bestehende Anlage, die zum Teil aber noch im ursprünglichen Zustand, also zugewachsen und überwuchert auf die nächste Finanzierungsrunde für das entsprechende Ausgrabungsteam wartet, wurde um das Jahr 900 herum von den Maya verlassen und im 19. Jahrhundert von den Westlern wiederentdeckt.
Wir bestiegen unter anderem den 40 Meter hohen El Castillo und genossen die Aussicht und wieder unten angekommen den Schatten an diesem glutheissen Tag.
Nach der spannenden Besichtigung ging es in ein lokales Restaurant, wo Miss I dann auch endlich die belizianische Spezialität „Kuhfuß-Suppe“ bestellen konnte. Wie der Name nahelegt ist deren wesentlicher Bestandteil Kuhfleisch und Knochen. Das ganze aber auf einer Gemüsesuppenbasis, die selbst mir sehr gut schmeckte. Auf das Fleisch beziehungsweise die Ansammlung an Gelatine verzichtete ich dagegen gerne und genoss stattdessen Reis mit Bohnen, bei welchem beide Teile nicht separat serviert sondern miteinander vermischt serviert werden (die laut Guide ebenfalls verfügbaren Bohnen mit Reis konnte ich dann aber nicht mehr probieren. Dazu Hähnchen und wie immer Mary Sharp`s Spicy Sauce sowie noch eine selbsgemachte schärfere Variante mit ganzen Habannero-Chilistücken.
Gut in solchen Fällen noch eine Cola Light zur Hand zu haben, was allerdings wie ich immer mal wieder erfahren musste gar nicht so einfach ist, denn sehr viele Restaurants und auch Bars haben die Light (oder für echte Männer Zero-) Variante nicht im Programm, teils kostet die Version ohne Zucker auch ein paar Cent mehr oder wird anders als die Original-Coke nicht in der Glasflasche sondern in der Plastikflasche ausgeschenkt. Hintergrund ist wohl, dass die Notwendigkeit eines Diätgetränkes auf die einheimische Bevölkerung eher befremdlich wirkte, so dass die Verbreitung erst und vorrangig durch Touristen erfolgte, die im Zweifel sogar bereit waren dafür etwas mehr zu zahlen. Fremde Länder……Read more
















