• Gänsehaut Moment: georgische Polyphonie

    September 12 in Georgia ⋅ ⛅ 26 °C

    Hier in Tiblissi kommen wir auch zweimal in den Genuss von georgischer Polyphonie (georgischer mehrstimmiger Gesang), er gehört seit 2001 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe der Menschheit.
    Das Besondere an dieser Vokaltradition liegt in ihrer musikalischen Struktur und ihrem Alter:: Die georgische Mehrstimmigkeit existierte bereits vor der Einführung des Christentums im 4. Jahrhundert und gilt als eine der ältesten lebendigen polyphonen Traditionen der Welt.

    Die meisten Lieder sind strikt dreistimmig angelegt. Eine mittlere Stimme führt meist die Grundmelodie, eine hohe Stimme steuert virtuose Verzierungen bei, und eine tiefe Bassstimme liefert ein solides, oft dröhnendes Fundament.

    Anders als in der klassischen westlichen Musik basieren die Stücke nicht auf Dur-Moll-Tonleitern, sondern auf eigenen Tonsystemen. Charakteristisch sind Dissonanzen, parallele Quinten und Quarten sowie markante Schlussakkorde, die dem Gesang eine raue, kraftvolle und schwebende Klangfarbe verleihen.

    Krimantschuli: Speziell in Westgeorgien (Gurien) kommt eine spektakuläre Gesangstechnik zum Einsatz – eine Art Falsett-Jodeln voller schneller Registerwechsel, das rhythmisch über den anderen Stimmen liegt.

    Die Lieder werden traditionell a cappella von Männern oder Frauen gesungen und begleiten alle Lebensbereiche – von Feldarbeit und Heilungsritualen bis hin zu festlichen Tafeln (Supra), bei denen Trinksprüche stets von passenden Gesängen wie dem berühmten Hymnus Tschakrulo gerahmt werden.
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