• Arequipa – Bananenkiste auf 4.900 Metern

    July 22 in Peru ⋅ ☀️ 22 °C

    Bevor ich nun weiter von Cusco erzähle (ich bin mit meinem Reisetagebuch dezent hinterher 😅), erst einmal zurück nach Arequipa.
    An meinem Ankunftstag entschied ich mich für das Monasterio de Santa Catalina. Erst später las ich, dass mein Reiseführer dafür tatsächlich einen ganzen Tag empfiehlt. Ich verstand ziemlich schnell, warum. Hinter jeder Ecke warteten neue kleine Gassen, Innenhöfe und wunderschöne Steinhäuschen – oder eher kleine Höhlen. Das Monasterio wurde 1579 gegründet und war über Jahrhunderte eine abgeschlossene kleine Stadt innerhalb Arequipas. Hier lebten Nonnen, Bedienstete und Angestellte völlig abgeschieden von der Außenwelt. Erst 1970 wurde ein großer Teil des Klosters für Besucher geöffnet – bis dahin lebten dort tatsächlich noch Nonnen. Die Atmosphäre war unglaublich ruhig und entspannt. So entspannt sogar, dass ich mich im kleinen Café mit einem Kaffee niederließ und völlig die Zeit vergaß.
    Eigentlich stand an diesem Tag noch ein weiteres Highlight auf meiner Liste: die Kathedrale. Die schloss allerdings schon um 16:15 Uhr und mein Zeitplan war... sagen wir mal... optimistisch. Aber kein Problem, dachte ich. Morgen geht's ja um 3 Uhr morgens zum Colca Canyon, die Tour endet gegen 15 Uhr, danach schaffe ich die Kathedrale locker noch. Tja... schön wär's gewesen.
    Also ging ich an meinem ersten Abend in Arequipa schon gegen 19 Uhr ins Bett. Nach der Nachtbusfahrt war ich sowieso völlig erledigt. Um 2:30 Uhr klingelte dann der Wecker und wenig später sammelte mich meine Reisegruppe ein – alles Peruaner und ein chilenisches Paar.
    Mein größtes Problem an diesem Tag? Definitiv der Sitz im Bus. Ich hatte einen Platz recht weit hinten bekommen, über den Reifen, so dass es ohne Beine vermutlich gut gepasst hätte. Doof nur, dass ich Beine habe 😡.Drei Stunden holperten wir bis zum ersten Stopp: Frühstück.
    Dort probierte ich zum ersten Mal Quinoa con Manzana – einen warmen, süßen, leicht dickflüssigen Frühstücksdrink mit Quinoa und Ananasgeschmack. Und vor allem wärmend. Denn plötzlich standen wir bei gerade einmal einem Grad. Von T-Shirt-Wetter auf Tiefkühltruhe in wenigen Stunden.
    Der nächste Halt war ein kleines Dorf, in dem Frauen mit Lamas und Alpakas für Fotos posierten und an jeder Ecke Souvenirs verkauft wurden. Ja... auch ich habe mir etwas andrehen lassen. Allerdings Dinge, die ich tatsächlich gebrauchen konnte: einen Kaffee und Cocablätter zum Kauen. Schließlich sollte es noch deutlich höher hinausgehen – mit unserer kleinen rollenden Bananenkiste.
    Kurios wurde es dann an den Verkaufsständen. Dort gab es unter anderem Schnaps mit eingelegter Schlange oder Hormigas Culonas – riesige geröstete Ameisen mit entsprechend großem Hinterteil. Ich habe höflich abgelehnt. Irgendwo muss man ja Grenzen ziehen.
    Ein weiterer Aussichtspunkt, noch mehr Souvenirs und diesmal durfte jeder die extrem saure Frucht Sanky probieren, aus der unter anderem bestimmte Pisco Sours gemacht werden.
    Und dannnn... kamen wir endlich an dem Ort an, wegen dem ich diese Tour überhaupt gebucht hatte: dem Colca Canyon.
    Die Schlucht ist an manchen Stellen mehr als doppelt so tief wie der Grand Canyon. Das eigentliche Highlight sind aber die Andenkondore, die morgens auf den warmen Aufwinden fast lautlos über die Schlucht gleiten. Genau deshalb mussten wir auch mitten in der Nacht los. Und tatsächlich – wir hatten Glück und konnten einige dieser beeindruckenden Vögel beobachten.
    Eigentlich hätte der Ausflug an dieser Stelle auch enden dürfen. Mir machten die über 4.000 Meter Höhe inzwischen ordentlich zu schaffen. Aber nein... jetzt kamen noch anderthalb Stunden Freizeit mit verschiedenen Aktivitäten.
    Ich hätte ehrlich gesagt keine davon gebraucht. Aber anderthalb Stunden Däumchen drehen? Also meldete ich mich zum Kajakfahren an.
    Großer Fehler.
    Das Flüsschen hatte so wenig Wasser, dass wir ungefähr 500 Meter in die eine Richtung paddelten... um anschließend dieselben 500 Meter wieder zurückzupaddeln. Das war's. Natürlich gegen Aufpreis. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass sich diese Investition gelohnt hat.
    Danach ging es weiter zu Lamas, Alpakas und wilden Vikunjas – den eleganten Verwandten der Alpakas – sowie zu mehreren Aussichtspunkten auf knapp 4.900 Metern Höhe. Die Landschaft war wirklich spektakulär. Trotzdem wollte ich irgendwann einfach nur noch zurück.
    Aus der geplanten Rückkehr gegen 15 Uhr wurde schließlich 18 Uhr.
    Ich war komplett erledigt. Und weil mein Tag offenbar noch nicht genug Überraschungen bereithielt, fiel genau in dem Moment, als ich vor meinem Hostel stand, im ganzen Viertel der Strom aus.
    Zur Erinnerung: Um 22:30 Uhr sollte mein Nachtbus nach Cusco fahren.
    Kein Strom bedeutete: kein WLAN, kein Uber bestellen und – fast noch schlimmer – keine warme Dusche.
    Also machte ich das Einzige, was noch sinnvoll erschien: Ich legte mich hin und versuchte, einen kurzen Nap zu machen. Bei meinem Stresslevel natürlich völlig aussichtslos.
    Nach fast zwei Stunden kam der Strom glücklicherweise zurück. Am Ende hat dann doch wieder alles geklappt: Uber bestellt, geduscht, Bus erwischt.
    Und als ich schließlich völlig übermüdet und leicht genervt im Nachtbus lag, dauerte es ungefähr fünf Minuten, bis ich tief und fest schlief.
    Nee... das war einfach ein bisschen viel in den letzten Tagen.
    Ab Cusco mache ich es ruhiger. Versprochen. 🤞
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