Cusco – Zwischen Bergen, Katzen und Inka-Genies
July 23 in Peru ⋅ ☀️ 17 °C
Morgens gegen 8 Uhr bin ich in Cusco angekommen. Die Busfahrt war diesmal leider noch kälter und die Fahrweise sogar noch wilder als beim letzten Mal. Aber ich habe inzwischen meine Routine gefunden: Podcast an, Decke bis unters Kinn und Augen zu. Funktioniert erstaunlich gut – zumindest solange man nicht darüber nachdenkt, wie der Bus gerade die Kurven nimmt.
Das Einchecken in Cusco war zunächst etwas abenteuerlich. An der angegebenen Adresse war niemand zu finden und der Ort erinnerte eher an einen kleinen Bauernhof – mit Innenhof, unzähligen Türen und Treppen, bei denen man nie wusste, ob man gerade im Hostel oder im Hühnerstall landet. Irgendwann tauchte dann doch jemand auf und ich konnte zumindest meinen Rucksack zwischenlagern.
Also ging es erst einmal in die Stadt.
Das Schöne an Cusco: Die Stadt ist von schneebedeckten Bergen umgeben. Irgendwie erinnert sie mich an einen kleinen Skiort. Nur dass hier statt Skischuhen Wanderschuhe durch die Gassen klackern und statt bunter Skijacken überall North Face zu sehen ist. Man erkennt sofort, wer in den nächsten Tagen freiwillig einen Berg hochlaufen wird.
Langsam meldete sich dann auch der Hunger. Ich fand im Internet eine Frühstücksempfehlung. Mit dieser Idee war ich allerdings offensichtlich nicht allein – gefühlt saß die Hälfte meiner Businsassen ebenfalls dort. Das Frühstück war aber fantastisch und der Kaffee natürlich auch. 😉
Von der Höhe merkte ich zunächst gar nicht so viel. Das Atmen war zwar etwas anstrengender, aber ansonsten ging es mir erstaunlich gut. Immerhin befinden wir uns hier auf rund 3.400 Metern.
Später schaute ich noch bei der Reiseagentur vorbei, bei der ich meinen Hiking-Trip gebucht hatte, und beglich meine letzten Schulden. Danach war ich allerdings auch reif für eine kleine Pause. Mein Zimmer war inzwischen bezugsfertig und am Abend lud das Hostel zum Pizzaabend ein.
Also wie versprochen: ein ruhigerer und – zum Glück – ziemlich unspektakulärer Tag.
Ein kulinarisches Highlight gab es allerdings doch noch: Queso Helado. Wörtlich bedeutet das zwar "Käseeis", tatsächlich ist aber gar kein Käse enthalten. Stattdessen wird es unter anderem aus Kondensmilch und Gewürzen hergestellt. Angeblich heißt es nur so, weil die Farbe an Käse erinnert. Geschmacklich würde ich sagen: cremiges Sahneeis mit einer ordentlichen Portion Zimt. Sehr lecker!
Mein zweiter Tag in Cusco begann leider weniger erfreulich. Ich fühlte mich ziemlich kränklich: verstopfte Nase, Kopfschmerzen und totale Müdigkeit. Danke an die Klimaanlage im Nachtbus...
Damit war klar, wie die nächsten beiden Tage aussehen würden: möglichst wenig Programm.
Eine Free Walking Tour am Vormittag hatte ich allerdings bereits gebucht und die wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zum Glück, denn sie hat sich wirklich gelohnt.
Ich habe einiges über die beeindruckende Architektur der Inka gelernt. Sie entwickelten eine unglaublich ausgeklügelte Technik, riesige Steine so exakt aufeinanderzusetzen, dass sie selbst starken Erdbeben standhalten konnten – ganz ohne Mörtel. Man geht davon aus, dass Erdbeben früher deutlich häufiger waren und die Bauweise deshalb bewusst darauf ausgelegt wurde.
Außerdem soll Cusco in der Form eines Pumas angelegt worden sein. Die Inka verehrten drei Tiere, die jeweils für einen Bereich des Lebens standen: den Kondor für den Himmel, den Puma für die Erde und die Schlange für die Unterwelt. Diese Symbole findet man auch heute noch an vielen Bauwerken und in den Steinmetzarbeiten wieder (siehe Bilder).
Besonders spannend fand ich den Coricancha, den einst wichtigsten Tempel des Inkareiches, auch als "Goldener Tempel" bekannt. Nach der spanischen Eroberung wurden auf die massiven Inka-Mauern Gebäude im spanischen Stil gesetzt. Auf den Bildern kann man das gut erkennen: Die unteren, größeren Steine stammen von den Inka, darüber beginnt die spanische Bauweise.
Viele Steine sind außerdem trapezförmig. Die Inka orientierten sich dabei am menschlichen Körper: Wer breitbeinig steht, steht stabiler – also sollten auch Gebäude unten breiter sein. Ziemlich clever.
Während der Tour machten wir außerdem Halt in einem Kakao-Geschäft, wo wir verschiedene Kakaosorten probieren konnten, in einer kleinen Galerie und in einem Restaurant mit einem fantastischen Ausblick. Dort gab es sogar einen kleinen Pisco-Sour-Shot.
Natürlich bestand an jeder Station auch die Möglichkeit, etwas zu kaufen. Überraschenderweise faszinierte mich am meisten die geröstete Kakaobohne. Ohne Schale ist das vermutlich genau das, was ich zu Hause als Kakao-Nibs esse. Wieder etwas gelernt.
In das Café vom ersten Tag bin ich danach immer wieder zurückgekehrt. Es hatte mich einfach überzeugt.
Heute Morgen – an meinem dritten Tag – kannte man mich dort schon. Sogar die kleine graue Katze kam wieder vorbei, legte sich neben mich und plötzlich fühlte sich alles schon ein kleines bisschen vertraut an.
Ich glaube, genau das ist das Schöne daran, wenn man ein paar Tage länger an einem Ort bleibt. Irgendwann hört man auf, nur Tourist zu sein, und fühlt sich zumindest für einen kurzen Moment ein kleines bisschen angekommen.
Meiner kleinen Erkältung ging es heute Morgen zum Glück schon deutlich besser.
Leider macht sich dafür das Magenrumoren, das ich seit Arequipa mit mir herumschleppe, immer stärker bemerkbar. Hoffentlich bin ich morgen wieder fit.
Beim Briefing heute Abend habe ich erfahren, dass wir zwölf Personen sind und von zwei Guides begleitet werden. Gemeinsam sind wir noch einmal jeden einzelnen Wandertag durchgegangen.
Tag zwei wird wohl der härteste.
Drückt mir die Daumen. 🤞
Ich verabschiede mich dann erst einmal für die nächsten fünf Tage. Wenn alles nach Plan läuft, kommen wir am Mittwochabend gegen 20 Uhr (peruanischer Zeit) wieder in Cusco an.
Adiós! 🏔️Read more














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