Alpaca my bag
July 15 in Germany ⋅ 🌙 25 °C
¡Hola!
🦙 Die Reise beginnt einfach übermorgen- uahhh- ist das aufregend. Die letzten Kleinigkeiten sind besorgt, wobei mir jetzt noch ein AirTag empfohlen wurde (Danke Julia). Also mal schauen ob ich das morgen noch schnell besorge. Ansonsten steht nun seit dem Wochenende das Antibiotikum - nervige Geschichte. Da ich ein Spezielles brauche und mein Hausarzt mir das nicht präventiv verschreiben wollte , war das nicht so einfach🙄
Also musste meine Dealerin K. aus O. mir aushelfen (Danke 🫶🏻).
Ansonsten: Kamen in den letzten Tagen noch wasserfeste Handschuhe (Tschüsch, ich sach euch, kalte Hände werde ich keine haben!), Periodenunterwäsche und ein kleines Schloss an. Ja, Handschuhe wurden auf der Packliste für den Inka Trail extra betont.
Das Packen heute war eine Herausforderung- aber selber Schuld wenn man in das einzige Land mit drei Klimazonen reisen muss. Angeblich können’s in den Anden nachts bis -10 Grad und im Amazonas bis zu 30 Grad werden😮💨
Momentane Temperaturen laut Googel: Lima: 24-19 Grad, Cusco: 20-3 Grad; Iquitos: 30-23 Grad
Hasta pronto 👋👋
🦙Read more
Mission Lima: Schlaf wird überbewertet
Jul 17–19 in Germany ⋅ ☁️ 27 °C
Buenas dias,
die Reise war im Großen und Ganzen ganz gut. Anstrengend eben. Und meine Sitznachbar:innen hätte ich mir vermutlich nicht freiwillig ausgesucht – aber man kann schließlich nicht alles haben.
Der Umstieg in Madrid war dagegen eher die Kategorie "Sprint statt Spaziergang". Wir hatten aus Frankfurt etwas Verspätung. Angeblich waren ungewöhnlich viele Flugzeuge gleichzeitig gestartet. Außerdem gab es noch einen Polizeieinsatz, weil sich jemand spontan gegen seinen Koffer entschieden hatte. Der stand dann herren- oder eben damenlos am Flughafen herum und sorgte für ordentlich Aufregung.
Als ich schließlich am Gate ankam, hatte das Boarding bereits begonnen. Das bedeutete erstmal: Alle liefen wild drauflos – nur um anschließend das internationale Boarding-Ballett aufzuführen: warten, zehn Zentimeter vortänzeln, warten, nochmal zehn Zentimeter... Ihr kennt das.
Und tatsächlich tänzle ich gerade schon wieder. Dieses Mal allerdings in Lima vor der Passkontrolle. Es ist 5:00 Uhr Ortszeit, in Deutschland ist es inzwischen Mittag.
Mein Hostel in Miraflores lässt mich hoffentlich schon ab 6:00 Uhr mein Gepäck abstellen. Einchecken darf ich allerdings erst ab 15:00 Uhr. Bis dahin heißt es: improvisieren.
Die ersten Missionen des Tages:
-Bargeld besorgen.
-Den Bus nach Miraflores finden.
-So tun, als wäre ich überhaupt nicht müde.
Zum Glück liegt mein Hostel direkt an der langen Strandpromenade. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dort erst einmal eine kleine Pause einlege und einfach aufs Meer schaue, ist also ziemlich hoch.
Lima wird mich für zweieinhalb Tage beherbergen, bevor es weiter nach Arequipa geht. Ich bin gespannt, was die Stadt zu bieten hat – außer hoffentlich gutem Essen und noch besserem Kaffee. Wobei… nach der Nacht würde vermutlich auch Tankstellenkaffee reichen.Read more
Auftakt Lima- Miraflores
July 18 in Peru ⋅ ☁️ 21 °C
In einem Wort: laufintensiv.
Und wo wir gerade vom Laufen sprechen: Die Theorie hinter den peruanischen Zebrastreifen kommt mir irgendwie spanisch vor. 😅
Zunächst dachte ich: Okay, die sind wohl hauptsächlich für etwas optische Abwechslung im Straßenverkehr. Denn gefühlt hält hier kein Mensch an. Dann wiederum gibt es Straßen, an denen plötzlich alle bremsen. Hä? Wie denn jetzt?
Ich werde das weiter beobachten. Vielleicht gibt es hier eine geheime Zebra-Theorie. Oder ich habe einfach noch nicht den richtigen Streifen erwischt.
Also, Lima: Mein Hostel liegt in Miraflores, wie gefühlt alle Hostels. Ein Viertel direkt am Meer mit vielen kleinen Sträßchen und – ja – auch Zebrastreifen.
Mal so viel vorweg: Meine Missionen konnte ich erfolgreich abschließen.
✅ Den Bus vom Flughafen nach Miraflores gefunden.
✅ Bargeld abgehoben.
✅ Gegen die Müdigkeit... na ja, zumindest bis 20 Uhr durchgehalten.
Dann bin ich allerdings ziemlich unspektakulär ins Bett gefallen und war dementsprechend um 3:00 Uhr wieder hellwach. Jetlag: 1 – Nadine: 0.
An meinem ersten Tag war ich ausschließlich in Miraflores unterwegs. Zunächst oben an der Strandpromenade und später auf einem kleinen, ziemlich untouristischen Markt.
Dort habe ich meinen ersten frischen Saft probiert – oder besser gesagt: einen Shake. Papaya mit Milch. Nee... keine gute Kombination. So gerne ich Papaya auch mag, zusammen war das eher eine Papaya-nein.
Außerdem habe ich zwei ziemlich verrückte Früchte gekauft: Granadilla und Guave. Ich habe gelesen, dass Obst in Peru unglaublich lecker sein soll. Also werde ich mich wohl einmal quer durchs Obstregal futtern. Wissenschaftlich, versteht sich.
Nachdem ich gegen 15 Uhr endlich im Hostel einchecken konnte, wollte ich unbedingt noch ans Meer. Das Wetter war super, und nachdem ich den ganzen Tag aufs Wasser geschaut hatte, wollte ich natürlich auch hinein.
Leider ist der Strand nicht besonders schön – überall Kiesel.
Na ja... eigentlich war es nicht mal Kies. An der Stelle, an der ich ins Wasser gegangen bin, lagen eher ausgewachsene Felsen. Die rutschten natürlich genau dann unter meinen Füßen weg, als die definitiv nicht kleinen Wellen beschlossen, mich herzlich willkommen zu heißen.
Sagen wir es so: Elegant sieht anders aus. Ich bin vermutlich noch nie so stilvoll aus dem Meer gekrabbelt. Und ich gebe zu – ein kleines bisschen Schiss hatte ich schon, da nicht wieder rauszukommen. Der Pazifik und ich mussten unsere Beziehung erst noch definieren.
Das war es fast auch schon.
Auf dem Rückweg kam ich an einem Hummusladen vorbei. Sehr lecker! Allerdings war ich auch hier vielleicht einen Tick zu mutig. Auf meinem Teller lag Salat, und ich bezweifle stark, dass der mit abgekochtem Wasser gewaschen wurde. Also blieb vorsichtshalber die Hälfte liegen. Man muss sein Glück ja nicht direkt am ersten Tag herausfordern.
Ach übrigens: Nach dem Essen bekam ich ein schwer ablehnbares Angebot.
"Are you looking for the good stuff?"
Ähm... welches gute Zeug? Ich habe doch gerade gegessen.
Meine spontane Antwort war natürlich:
"Who is not looking for good stuff?"
Ich dachte noch: Ha! Was für eine Fangfrage.
Bis er dann verschwörerisch flüsterte:
"Cocaine... Weed."
Äh... nein danke. Heute ausnahmsweise mal nicht.
Offenbar wirke ich wie jemand, der auf der Suche nach Kokain ist. Interessant. Zum Glück zog der Typ sofort weiter. Drogenberatung inklusive – aber ohne mich.
Danach ging es in die vermutlich einzige Gay Bar Perus: Open Deck. Dort gönnte ich mir meinen ersten Pisco Sour.
Mein lieber Scholli... der hatte es in sich.
Nach der Hälfte fragte ich mich kurz, ob ich den Heimweg noch aufrecht antreten würde. Aber ich habe es geschafft – wenn auch mit den ersten Blasen an den Füßen.
Um 20 Uhr gingen bei mir endgültig die Lichter aus. Leider waren sie um 3 Uhr schon wieder an.
Der Jetlag bleibt wohl noch ein paar Tage mein treuester Reisebegleiter.Read more
Historisches Lima
July 19 in Peru ⋅ ☁️ 20 °C
Historisches Lima
Um 6:30 Uhr bin ich dann doch aufgestanden – länger ging's einfach nicht mehr.
Ich teile mir mein Zimmer mit zwei Amerikanerinnen und einer Israelin. Alle sind super nett und die beiden Amerikanerinnen haben mir schon einige Tipps gegeben, da sie bereits seit mehreren Monaten unterwegs sind. Lustigerweise sind drei von uns vier Therapeutinnen.
Das Frühstück war okay – aber leider schmeckt der Kaffee schon wieder etwas seltsam. Da ich inzwischen häufiger Hafermilch bestellt habe, frage ich mich langsam, ob der Kaffee oder vielleicht doch die Hafermilch schuld ist. Morgen gibt's den Härtetest: schwarzer Kaffee. Eigentlich soll der peruanische Kaffee doch richtig gut sein. Irgendwo muss er sich also verstecken.
Danach machte ich mich mit dem Schnellbus auf den Weg zur Plaza de Armas. Der Schnellbus ist eine Mischung aus Bus und Metro: wenige Haltestellen, Bahnsteige wie bei einer U-Bahn und sogar eigene Fahrspuren, auf denen ausschließlich diese Busse unterwegs sind. Ziemlich clever gelöst.
An der Plaza de Armas angekommen hatte ich richtig Glück: Es war Nationalfeiertag und die ganze Innenstadt war im Ausnahmezustand. In den kleinen Straßen rund um den Platz spielten Blaskapellen, überall wurde getanzt und gefeiert. Kurz gesagt: ordentlich Rambazamba.
Eigentlich war ich wegen der Changing of the Guard um 11:30 Uhr gekommen. Vor dem Präsidentenpalast marschierten die Soldaten auf, begleitet von einer Militärkapelle, die erstaunlich viel Stimmung machte. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Wachwechsel fast Konzertcharakter haben kann.
Im Anschluss habe ich ein bisschen über die politische Lage Perus gelesen. Ganz schön heftig: Innerhalb von zehn Jahren bekommt Peru bereits den neunten Präsidenten. Das politische System steckt seit Jahren in einer Krise – mit Korruptionsvorwürfen, großem Misstrauen gegenüber der Politik und starken Spannungen innerhalb der Gesellschaft. Da merkt man wieder: Politik kann überall kompliziert sein.
Nach dem ganzen Rambazamba wurde es Zeit für etwas Ruhe.
Also besichtigte ich die Kathedrale von Lima und bekam sogar eine kleine Führung. Die Kirche wurde bereits im 16. Jahrhundert gegründet, musste nach mehreren schweren Erdbeben aber immer wieder aufgebaut werden. Besonders spannend fand ich, dass sich dort auch das Grab des Stadtgründers Francisco Pizarro befindet.
Im Inneren gibt es 13 prachtvolle Seitenkapellen, die alle unterschiedlich gestaltet sind. Außerdem wurden bei Restaurierungsarbeiten unterirdische Grabstätten entdeckt, in denen früher Geistliche und andere bedeutende Persönlichkeiten bestattet wurden. Insgesamt wirkt die Kathedrale wie eine Mischung aus Geschichte, Kunst und einem sehr gut versteckten Escape Room – nur dass man hier bitte nichts anfassen sollte.
Nach so viel Kultur war das Sightseeing aber eigentlich erledigt.
Wobei... die angeblich besten Churros der Stadt konnte man schon auch noch unter Kultur verbuchen. Also ging's zu Churros San Francisco.
Und jetzt kommt's: Wer denkt zu wissen, wie Churros aussehen, der irrt sich. Die hier sehen komplett anders aus. Am besten schaut ihr euch einfach das Foto an – ich war mindestens genauso überrascht wie meine Geschmacksknospen.
So nahm der Tag seinen Lauf. Da meine Füße inzwischen wieder ordentlich protestierten – Städtereisen bestehen gefühlt zu 80 Prozent aus Laufen und zu 20 Prozent aus "Wo müssen wir jetzt lang?" – spielte mir das Schicksal in die Karten.
Ich landete zufällig in einer Fußgängerzone mit einem Sportgeschäft. Also rein, neue Laufschuhe anprobiert und wieder raus. Leute... was für ein Unterschied! Ich wusste gar nicht, dass meine Füße und ich so kurz vor der Trennung standen.
Mit meinen neuen Hightech-Hufen machte ich mich anschließend noch auf den Weg zum Museo de Arte de Lima (MALI). Das Museum befindet sich in einem beeindruckenden historischen Gebäude und zeigt Kunst aus fast 3.000 Jahren peruanischer Geschichte – von präkolumbianischen Kulturen über die Kolonialzeit bis hin zur modernen Kunst.
Mit den neuen Schuhen konnte ich sie deutlich entspannter betrachten. Ob die Schuhe deshalb Kunstförderung von der Steuer absetzen können, muss ich allerdings noch prüfen.
Damit war Tag zwei dann auch fast geschafft.
Unterwegs kaufte ich noch Bananenchips, und im Hostel warteten außerdem meine Granadilla und die Guave auf ihren wissenschaftlichen Geschmackstest. Diesmal hielt ich immerhin bis 22 Uhr durch, bevor das Licht ausging.
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote:
Mein Hostel hat einen Hund.
Ich wusste bis dahin nicht, dass es tatsächlich Nackthunde gibt. Also wirklich... wie diese haarlosen Katzen – nur eben als Hund.
Nackidei. (Credits an Rebekka.)
Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn streicheln oder ihm lieber einen Pullover schenken sollte.
Adiós! 👋Read more
Lima auf entspannt
July 20 in Peru ⋅ ⛅ 25 °C
HA – ich hatte Recht!
Schwarzer Kaffee schmeckt hier super. Keine Ahnung, was die in Peru mit ihrer Hafermilch anstellen, aber die schmeckt irgendwie... seltsam. Das Rätsel bleibt also vorerst ungelöst.
Gestern fiel die Entscheidung, wo ich mich noch herumtreiben möchte, auf den Stadtteil Barranco.
Ein romantisches Künstlerviertel direkt am Meer, voller Street Art, kleiner Galerien und gleichzeitig das kleinste Viertel Limas – klang vielversprechend und war es auch. ☺️
Ich ließ mich einfach treiben, schaute in kleine Galerien hinein und genoss die entspannte Atmosphäre. Falls ich vor meinem Rückflug tatsächlich noch eine Nacht in Lima verbringen sollte, dann definitiv hier. Es ist einfach unglaublich hübsch.
Natürlich wollte ich auch über die berühmte Puente de los Suspiros laufen – die romantische Brücke, über die Paare gehen sollen, damit ihre Liebe für immer hält.
Tja... wegen Renovierungsarbeiten war sie gesperrt.
Wahrscheinlich wollte die Brücke einfach keinen zusätzlichen Beziehungsdruck aufbauen. 😅
Um 15:00 Uhr musste ich zurück im Hostel sein, denn um 15:30 Uhr sollte mich ein Taxi zum Busbahnhof bringen.
„Sollte.“
Es kam nämlich nicht.
Nachdem die Leute aus meinem Nackidei-Hunde-Hostel dort einmal freundlich nachgehakt hatten, erschien schließlich um 15:50 Uhr doch noch ein Fahrer.
Laut Google Maps würden wir ungefähr eine halbe Stunde bis zum Busbahnhof brauchen. Da man eigentlich eine Stunde vor Abfahrt da sein sollte und mein Bus um 17:00 Uhr fuhr, wurde die Sache... sagen wir mal... sportlich.
Am Ende stellte sich heraus, dass Zeitangaben hier eher als unverbindliche Empfehlung verstanden werden. Ich war nämlich trotzdem noch locker rechtzeitig da.
Das eigentliche Abenteuer begann allerdings erst beim Bezahlen.
Ich hatte nur einen 100-Soles-Schein dabei. Wechselgeld? Hatte der Fahrer nicht.
Dann wollte ich mit einem 50-Soles-Schein bezahlen.
Den wollte er nicht.
Warum?
Weil er einen kleinen Riss hatte.
Ich stand also irgendwo zwischen Busbahnhof, Zeitdruck und peruanischer Geldschein-Diskussion und fragte mich kurz, ob ich den Bus oder den Taxifahrer verpassen würde.
Irgendwann fanden wir doch noch genügend Wechselgeld und ich konnte meiner Wege ziehen.
Die 17-stündige Busfahrt war übrigens überraschend angenehm.
Ich habe die meiste Zeit geschlafen, denn die Sitze ließen sich fast komplett zu einer Liege ausklappen. Serien schauen und sogar lesen ging auch – ganz ohne Reiseübelkeit. Ich war ehrlich gesagt selbst ein bisschen überrascht.
So kam ich gegen 11:00 Uhr heil in Arequipa an.
Und mein Zimmer?
Wunderschön.
Hier bleibe ich allerdings nur eine Nacht, denn morgen geht es schon wieder weiter – natürlich über Nacht – nach Cusco. Langsam glaube ich, die Busunternehmen sammeln Bonuspunkte für Stammkunden.
Übrigens befinde ich mich inzwischen auf 2.335 Metern Höhe.
Das Atmen fühlt sich anders an, meine Haut und Schleimhäute sind unglaublich trocken und selbst das Treppensteigen erinnert mich freundlich daran, dass Sauerstoff hier offenbar ein bisschen exklusiver ist.
Mal sehen, wie lange mein Körper braucht, bis er sich mit der Höhe angefreundet hat.
Hasta pronto! 👋🦙Read more
Arequipa – Bananenkiste auf 4.900 Metern
July 22 in Peru ⋅ ☀️ 22 °C
Bevor ich nun weiter von Cusco erzähle (ich bin mit meinem Reisetagebuch dezent hinterher 😅), erst einmal zurück nach Arequipa.
An meinem Ankunftstag entschied ich mich für das Monasterio de Santa Catalina. Erst später las ich, dass mein Reiseführer dafür tatsächlich einen ganzen Tag empfiehlt. Ich verstand ziemlich schnell, warum. Hinter jeder Ecke warteten neue kleine Gassen, Innenhöfe und wunderschöne Steinhäuschen – oder eher kleine Höhlen. Das Monasterio wurde 1579 gegründet und war über Jahrhunderte eine abgeschlossene kleine Stadt innerhalb Arequipas. Hier lebten Nonnen, Bedienstete und Angestellte völlig abgeschieden von der Außenwelt. Erst 1970 wurde ein großer Teil des Klosters für Besucher geöffnet – bis dahin lebten dort tatsächlich noch Nonnen. Die Atmosphäre war unglaublich ruhig und entspannt. So entspannt sogar, dass ich mich im kleinen Café mit einem Kaffee niederließ und völlig die Zeit vergaß.
Eigentlich stand an diesem Tag noch ein weiteres Highlight auf meiner Liste: die Kathedrale. Die schloss allerdings schon um 16:15 Uhr und mein Zeitplan war... sagen wir mal... optimistisch. Aber kein Problem, dachte ich. Morgen geht's ja um 3 Uhr morgens zum Colca Canyon, die Tour endet gegen 15 Uhr, danach schaffe ich die Kathedrale locker noch. Tja... schön wär's gewesen.
Also ging ich an meinem ersten Abend in Arequipa schon gegen 19 Uhr ins Bett. Nach der Nachtbusfahrt war ich sowieso völlig erledigt. Um 2:30 Uhr klingelte dann der Wecker und wenig später sammelte mich meine Reisegruppe ein – alles Peruaner und ein chilenisches Paar.
Mein größtes Problem an diesem Tag? Definitiv der Sitz im Bus. Ich hatte einen Platz recht weit hinten bekommen, über den Reifen, so dass es ohne Beine vermutlich gut gepasst hätte. Doof nur, dass ich Beine habe 😡.Drei Stunden holperten wir bis zum ersten Stopp: Frühstück.
Dort probierte ich zum ersten Mal Quinoa con Manzana – einen warmen, süßen, leicht dickflüssigen Frühstücksdrink mit Quinoa und Ananasgeschmack. Und vor allem wärmend. Denn plötzlich standen wir bei gerade einmal einem Grad. Von T-Shirt-Wetter auf Tiefkühltruhe in wenigen Stunden.
Der nächste Halt war ein kleines Dorf, in dem Frauen mit Lamas und Alpakas für Fotos posierten und an jeder Ecke Souvenirs verkauft wurden. Ja... auch ich habe mir etwas andrehen lassen. Allerdings Dinge, die ich tatsächlich gebrauchen konnte: einen Kaffee und Cocablätter zum Kauen. Schließlich sollte es noch deutlich höher hinausgehen – mit unserer kleinen rollenden Bananenkiste.
Kurios wurde es dann an den Verkaufsständen. Dort gab es unter anderem Schnaps mit eingelegter Schlange oder Hormigas Culonas – riesige geröstete Ameisen mit entsprechend großem Hinterteil. Ich habe höflich abgelehnt. Irgendwo muss man ja Grenzen ziehen.
Ein weiterer Aussichtspunkt, noch mehr Souvenirs und diesmal durfte jeder die extrem saure Frucht Sanky probieren, aus der unter anderem bestimmte Pisco Sours gemacht werden.
Und dannnn... kamen wir endlich an dem Ort an, wegen dem ich diese Tour überhaupt gebucht hatte: dem Colca Canyon.
Die Schlucht ist an manchen Stellen mehr als doppelt so tief wie der Grand Canyon. Das eigentliche Highlight sind aber die Andenkondore, die morgens auf den warmen Aufwinden fast lautlos über die Schlucht gleiten. Genau deshalb mussten wir auch mitten in der Nacht los. Und tatsächlich – wir hatten Glück und konnten einige dieser beeindruckenden Vögel beobachten.
Eigentlich hätte der Ausflug an dieser Stelle auch enden dürfen. Mir machten die über 4.000 Meter Höhe inzwischen ordentlich zu schaffen. Aber nein... jetzt kamen noch anderthalb Stunden Freizeit mit verschiedenen Aktivitäten.
Ich hätte ehrlich gesagt keine davon gebraucht. Aber anderthalb Stunden Däumchen drehen? Also meldete ich mich zum Kajakfahren an.
Großer Fehler.
Das Flüsschen hatte so wenig Wasser, dass wir ungefähr 500 Meter in die eine Richtung paddelten... um anschließend dieselben 500 Meter wieder zurückzupaddeln. Das war's. Natürlich gegen Aufpreis. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass sich diese Investition gelohnt hat.
Danach ging es weiter zu Lamas, Alpakas und wilden Vikunjas – den eleganten Verwandten der Alpakas – sowie zu mehreren Aussichtspunkten auf knapp 4.900 Metern Höhe. Die Landschaft war wirklich spektakulär. Trotzdem wollte ich irgendwann einfach nur noch zurück.
Aus der geplanten Rückkehr gegen 15 Uhr wurde schließlich 18 Uhr.
Ich war komplett erledigt. Und weil mein Tag offenbar noch nicht genug Überraschungen bereithielt, fiel genau in dem Moment, als ich vor meinem Hostel stand, im ganzen Viertel der Strom aus.
Zur Erinnerung: Um 22:30 Uhr sollte mein Nachtbus nach Cusco fahren.
Kein Strom bedeutete: kein WLAN, kein Uber bestellen und – fast noch schlimmer – keine warme Dusche.
Also machte ich das Einzige, was noch sinnvoll erschien: Ich legte mich hin und versuchte, einen kurzen Nap zu machen. Bei meinem Stresslevel natürlich völlig aussichtslos.
Nach fast zwei Stunden kam der Strom glücklicherweise zurück. Am Ende hat dann doch wieder alles geklappt: Uber bestellt, geduscht, Bus erwischt.
Und als ich schließlich völlig übermüdet und leicht genervt im Nachtbus lag, dauerte es ungefähr fünf Minuten, bis ich tief und fest schlief.
Nee... das war einfach ein bisschen viel in den letzten Tagen.
Ab Cusco mache ich es ruhiger. Versprochen. 🤞Read more
Cusco – Zwischen Bergen, Katzen und Inka-Genies
July 23 in Peru ⋅ ☀️ 17 °C
Morgens gegen 8 Uhr bin ich in Cusco angekommen. Die Busfahrt war diesmal leider noch kälter und die Fahrweise sogar noch wilder als beim letzten Mal. Aber ich habe inzwischen meine Routine gefunden: Podcast an, Decke bis unters Kinn und Augen zu. Funktioniert erstaunlich gut – zumindest solange man nicht darüber nachdenkt, wie der Bus gerade die Kurven nimmt.
Das Einchecken in Cusco war zunächst etwas abenteuerlich. An der angegebenen Adresse war niemand zu finden und der Ort erinnerte eher an einen kleinen Bauernhof – mit Innenhof, unzähligen Türen und Treppen, bei denen man nie wusste, ob man gerade im Hostel oder im Hühnerstall landet. Irgendwann tauchte dann doch jemand auf und ich konnte zumindest meinen Rucksack zwischenlagern.
Also ging es erst einmal in die Stadt.
Das Schöne an Cusco: Die Stadt ist von schneebedeckten Bergen umgeben. Irgendwie erinnert sie mich an einen kleinen Skiort. Nur dass hier statt Skischuhen Wanderschuhe durch die Gassen klackern und statt bunter Skijacken überall North Face zu sehen ist. Man erkennt sofort, wer in den nächsten Tagen freiwillig einen Berg hochlaufen wird.
Langsam meldete sich dann auch der Hunger. Ich fand im Internet eine Frühstücksempfehlung. Mit dieser Idee war ich allerdings offensichtlich nicht allein – gefühlt saß die Hälfte meiner Businsassen ebenfalls dort. Das Frühstück war aber fantastisch und der Kaffee natürlich auch. 😉
Von der Höhe merkte ich zunächst gar nicht so viel. Das Atmen war zwar etwas anstrengender, aber ansonsten ging es mir erstaunlich gut. Immerhin befinden wir uns hier auf rund 3.400 Metern.
Später schaute ich noch bei der Reiseagentur vorbei, bei der ich meinen Hiking-Trip gebucht hatte, und beglich meine letzten Schulden. Danach war ich allerdings auch reif für eine kleine Pause. Mein Zimmer war inzwischen bezugsfertig und am Abend lud das Hostel zum Pizzaabend ein.
Also wie versprochen: ein ruhigerer und – zum Glück – ziemlich unspektakulärer Tag.
Ein kulinarisches Highlight gab es allerdings doch noch: Queso Helado. Wörtlich bedeutet das zwar "Käseeis", tatsächlich ist aber gar kein Käse enthalten. Stattdessen wird es unter anderem aus Kondensmilch und Gewürzen hergestellt. Angeblich heißt es nur so, weil die Farbe an Käse erinnert. Geschmacklich würde ich sagen: cremiges Sahneeis mit einer ordentlichen Portion Zimt. Sehr lecker!
Mein zweiter Tag in Cusco begann leider weniger erfreulich. Ich fühlte mich ziemlich kränklich: verstopfte Nase, Kopfschmerzen und totale Müdigkeit. Danke an die Klimaanlage im Nachtbus...
Damit war klar, wie die nächsten beiden Tage aussehen würden: möglichst wenig Programm.
Eine Free Walking Tour am Vormittag hatte ich allerdings bereits gebucht und die wollte ich mir nicht entgehen lassen. Zum Glück, denn sie hat sich wirklich gelohnt.
Ich habe einiges über die beeindruckende Architektur der Inka gelernt. Sie entwickelten eine unglaublich ausgeklügelte Technik, riesige Steine so exakt aufeinanderzusetzen, dass sie selbst starken Erdbeben standhalten konnten – ganz ohne Mörtel. Man geht davon aus, dass Erdbeben früher deutlich häufiger waren und die Bauweise deshalb bewusst darauf ausgelegt wurde.
Außerdem soll Cusco in der Form eines Pumas angelegt worden sein. Die Inka verehrten drei Tiere, die jeweils für einen Bereich des Lebens standen: den Kondor für den Himmel, den Puma für die Erde und die Schlange für die Unterwelt. Diese Symbole findet man auch heute noch an vielen Bauwerken und in den Steinmetzarbeiten wieder (siehe Bilder).
Besonders spannend fand ich den Coricancha, den einst wichtigsten Tempel des Inkareiches, auch als "Goldener Tempel" bekannt. Nach der spanischen Eroberung wurden auf die massiven Inka-Mauern Gebäude im spanischen Stil gesetzt. Auf den Bildern kann man das gut erkennen: Die unteren, größeren Steine stammen von den Inka, darüber beginnt die spanische Bauweise.
Viele Steine sind außerdem trapezförmig. Die Inka orientierten sich dabei am menschlichen Körper: Wer breitbeinig steht, steht stabiler – also sollten auch Gebäude unten breiter sein. Ziemlich clever.
Während der Tour machten wir außerdem Halt in einem Kakao-Geschäft, wo wir verschiedene Kakaosorten probieren konnten, in einer kleinen Galerie und in einem Restaurant mit einem fantastischen Ausblick. Dort gab es sogar einen kleinen Pisco-Sour-Shot.
Natürlich bestand an jeder Station auch die Möglichkeit, etwas zu kaufen. Überraschenderweise faszinierte mich am meisten die geröstete Kakaobohne. Ohne Schale ist das vermutlich genau das, was ich zu Hause als Kakao-Nibs esse. Wieder etwas gelernt.
In das Café vom ersten Tag bin ich danach immer wieder zurückgekehrt. Es hatte mich einfach überzeugt.
Heute Morgen – an meinem dritten Tag – kannte man mich dort schon. Sogar die kleine graue Katze kam wieder vorbei, legte sich neben mich und plötzlich fühlte sich alles schon ein kleines bisschen vertraut an.
Ich glaube, genau das ist das Schöne daran, wenn man ein paar Tage länger an einem Ort bleibt. Irgendwann hört man auf, nur Tourist zu sein, und fühlt sich zumindest für einen kurzen Moment ein kleines bisschen angekommen.
Meiner kleinen Erkältung ging es heute Morgen zum Glück schon deutlich besser.
Leider macht sich dafür das Magenrumoren, das ich seit Arequipa mit mir herumschleppe, immer stärker bemerkbar. Hoffentlich bin ich morgen wieder fit.
Beim Briefing heute Abend habe ich erfahren, dass wir zwölf Personen sind und von zwei Guides begleitet werden. Gemeinsam sind wir noch einmal jeden einzelnen Wandertag durchgegangen.
Tag zwei wird wohl der härteste.
Drückt mir die Daumen. 🤞
Ich verabschiede mich dann erst einmal für die nächsten fünf Tage. Wenn alles nach Plan läuft, kommen wir am Mittwochabend gegen 20 Uhr (peruanischer Zeit) wieder in Cusco an.
Adiós! 🏔️Read more
Hoch hinaus Teil I
July 26 in Peru ⋅ ☀️ 16 °C
Puhh… die letzten vier Tage – unsere Wanderung zum Machu Picchu – waren der reinste Fiebertraum. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll.
Also erstmal: Wir haben es alle ohne größere Verletzungen geschafft.
Die Gruppe war toll. Wir haben gut zusammengehalten und es war schön, dass ein Teil der Gruppe etwas älter und ein Teil etwas jünger war.
Wir hatten zwei Guides: Javien und Emazon. Beide total nett und lustig. Bei Javien wusste man nie, was ernst gemeint war und was gerade ein Witz war – aber irgendwann hatten wir den Dreh raus.
Unsere „Speedy Gonzales“ aus der Schweiz – wie sie unsere Guides genannt haben – liefen meistens vorne weg. Ich war irgendwo in der Mitte und pendelte immer mal zwischen den Schnelleren und den Gemütlicheren.
Die zwei amerikanischen Familien aus Kalifornien mit ihrem Sohn ließen es meistens etwas ruhiger angehen. Aber jede:r konnte sein eigenes Tempo gehen und auch mal für sich sein. Das war wirklich angenehm.
Die Wege dagegen waren krass. Ich schätze, wir sind bestimmt 80 % der Strecke auf den alten Inkasteinen und Treppen gelaufen. Natürlich alles andere als gleichmäßig. Man musste konstant auf den Boden schauen, um nicht umzuknicken oder sich auf die Nase zu legen. Daher waren Wanderstöcke auf diesem Weg sogar Pflicht.
Tag 1
Wir wurden gegen 4:00 Uhr an unseren Hotels abgeholt und fuhren erstmal zwei Stunden mit dem Bus zum Startpunkt. Dort gab es das erste gemeinsame Frühstück, die Duffel-Bags wurden sortiert und eingesammelt und die letzten Fragen – „Brauche ich heute meine Regenjacke im Tagesrucksack?“ – konnten geklärt werden.
Um 8:00 Uhr standen wir schließlich am Eingang des Wanderwegs in Piskacucho. Hier wurden die Reisepässe kontrolliert, denn diesen Weg darf man nur mit vorheriger Anmeldung und Guide laufen.
Und schon ging es los.
Die erste kleine Brücke über einen Fluss kam direkt am Anfang und an diesem ersten Tag begegneten uns auch noch viele Menschen, die dort in den Bergen wohnen – gemeinsam mit ihren Eseln und Pferden.
Außerdem machten wir an diesem Tag gefühlt ständig Pause. Uns kam das fast schon zu viel vor, aber vermutlich lag es daran, dass auf dieser Strecke noch einige kleine Läden Getränke, Süßigkeiten und Toiletten anboten.
Wir liefen an diesem Tag insgesamt 14 Kilometer.
Nach etwa viereinhalb Stunden erreichten wir Hatunchaca und damit unsere Mittagspause.
Ich hatte vorher schon gelesen, dass das Essen großartig sein soll. Aber dass es so gut sein würde, hätte ich niemals erwartet.
Jedes Mal bekamen wir zuerst eine Suppe und anschließend wurde der komplette Tisch mit Reis, Gemüse, Salaten, Guacamole und verschiedenen Fleischgerichten vollgestellt. Für mich gab es jedes Mal zusätzlich einen kleinen vegetarischen Teller.
Es war jedes Mal ein Kampf, nicht zu viel zu essen. Schließlich wussten wir alle, dass wir heute noch einiges vor uns hatten.
Und ausgerechnet am ersten Tag warteten nach dem Mittagessen noch die meisten Höhenmeter auf uns.
Zum Glück durften wir vorher noch ein paar Minuten Siesta auf der Wiese machen.
Dann ging es weiter.
Die letzten zwei Stunden hatten es nochmal in sich und am Ende sammelten wir knapp 1.000 Höhenmeter, bis wir am Camp in Ayapata ankamen.
Unser Camp war bereits komplett aufgebaut. Die Duffel-Bags lagen schon in den jeweiligen Zelten und wir konnten uns direkt einrichten.
Vielleicht zur Erklärung:
Wir waren 12 Wandernde, zwei Guides und unglaubliche 18 Träger.
Sie transportierten alles, was wir tagsüber nicht brauchten: unsere Duffel-Bags, sämtliche Zelte, die komplette Verpflegung, unsere mobile Toilette und wahrscheinlich noch tausend andere Dinge.
Jeder von ihnen schleppte rund 30 Kilogramm.
Und das nicht einfach nur – sie rannten teilweise an uns vorbei.
Während wir nach jeder Pause erstmal tief Luft holten, kamen sie mit ihren riesigen Lasten an uns vorbeigejoggt. Manche sogar in Sandalen.
Das war jedes Mal völlig absurd anzusehen.
Ich muss allerdings auch sagen, dass man ihnen die harte Arbeit angesehen hat.
Uns allen ging es nicht gut damit. Das Einzige, was wir tun konnten, war sofort wie ein aufgescheuchtes Reh zur Seite zu springen, sobald ein Träger auftauchte, damit wir sie wenigstens nicht auch noch ausbremsten.
Und ja… das Trinkgeld am Ende fühlte sich vermutlich auch ein bisschen wie der Versuch an, das schlechte Gewissen freizukaufen.
Am Abend gab es immer erst Tee, Kaffee oder Kakao mit ein paar Keksen und anschließend ein Briefing für den nächsten Tag.
Diesmal sah man es uns allen an:
Wir hatten Respekt.
Denn wir wussten, dass Tag zwei der schwerste werden würde.
Nach dem Abendessen – wobei wir vor lauter Anstrengung meistens kaum Hunger hatten – bekam jede:r noch eine Schüssel warmes Wasser mit Seife.
Sobald die Sonne gegen 18 Uhr verschwand, wurde es innerhalb weniger Minuten bitterkalt.
Also hatten wir alle nur noch ein Ziel:
Ab in den Schlafsack.
Übrigens war mein absoluter Gamechanger eine Trinkflasche, die heißes Wasser aushält. So hatte ich jeden Abend eine Wärmflasche im Schlafsack, die mir vermutlich einige Stunden zusätzlichen Schlaf geschenkt hat.
Tag 2
Anspannung lag in der Luft.
Aufstehen im Dunkeln. Ich vermute gegen vier Uhr.
Heute würden wir neun Stunden wandern.
Die ersten vier Stunden gingen ausschließlich bergauf – bis zum berühmten Dead Woman's Pass auf 4.215 Metern.
Irgendwann hörte ich auf darüber nachzudenken, wie weit es noch ist.
Ich schaute einfach nur noch auf den nächsten Stein vor meinen Füßen.
Mehr als den nächsten Schritt gab es in diesem Moment nicht.
Unterwegs trafen wir unser erstes wildes Lama.
Unglaublich, wie diese Viecher stinken.
Aber wie wir lernten, schlafen sie nachts auf ihrem eigenen Kot, weil dieser warm hält.
Kein Wunder also, dass die Inka nur dunkle Lamas opferten – ein stinkendes und schmutziges weißes Lama hätte die Götter vermutlich auch nicht sonderlich beeindruckt.
Oben angekommen, genossen wir erstmal unseren ersten großen Sieg.
Die Aussicht war natürlich atemberaubend.
Ich habe übrigens nicht das Gefühl, dass Fotos das auch nur ansatzweise einfangen können.
Spätestens dort oben ging es mir leider gar nicht mehr gut.
Meine laufende Nase machte mir in Verbindung mit der dünnen Luft zu schaffen und dazu kamen schmerzhafte Magenkrämpfe sowie Kopfschmerzen.
Mein Guide vermutete, dass die Höhe schuld sei und hängte mich kurzerhand an die Sauerstoffflasche.
So lag ich also auf 4.200 Metern Höhe.
Mitten auf einem Berg.
Vier Minuten lang an einer Sauerstoffflasche angeschlossen.
Sah bestimmt unglaublich souverän aus.
Leider half es nicht wirklich.
Klar – endlich mal wieder tief durchatmen zu können tat gut.
Die Kopfschmerzen blieben trotzdem.
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Hoch hinaus Teil II
July 28 in Peru ⋅ ⛅ 18 °C
Leider half es nicht wirklich.
Klar – endlich mal wieder tief durchatmen zu können tat gut.
Die Kopfschmerzen blieben trotzdem.
Nach ein paar gemeinsamen Fotos und einer kurzen Verschnaufpause ging es auch schon wieder weiter. Der nächste steile Abstieg – und kurz darauf direkt der nächste Anstieg – warteten bereits auf uns.
Tatsächlich fielen mir die Abstiege sogar schwerer als die Aufstiege. Meine Zehen knallten ständig vorne gegen die Wanderschuhe und die Gelenke der großen Zehen mussten bei jedem Schritt das gesamte Körpergewicht abfangen. Irgendwann tat einfach alles weh. Zum Glück konnten die Wanderstöcke wenigstens einen Teil der Belastung übernehmen.
Also ging es erst wieder hinunter auf rund 3.500 Meter nach Pacaymayu, wo unser heiß ersehntes Mittagessen auf uns wartete. Wir hatten mittlerweile nämlich einen ordentlichen Kohldampf.
Eine Siesta wie am Vortag gab es diesmal allerdings nicht.
Dafür wartete schon der zweite Pass.
Etwa anderthalb Stunden später standen wir erneut auf knapp 4.000 Metern.
Spätestens jetzt waren wir alle vollkommen im Eimer.
Ich hatte das Gefühl, mein Körper lief nur noch auf Autopilot. Gespürt habe ich kaum noch etwas.
Einfach einen Fuß vor den anderen.
Egal wie langsam.
Nur nicht stehen bleiben.
Nach diesem letzten Anstieg beschleunigten viele aus unserer Gruppe beim abschließenden Abstieg plötzlich noch einmal ordentlich.
Ich dagegen fragte mich die ganze Zeit, warum ihnen das so viel leichter fiel als mir.
Irgendwann erreichte auch ich das Camp.
Völlig erschöpft.
Körperlich komplett am Ende.
Den Tee und das Briefing für den nächsten Tag hielt ich noch irgendwie durch.
Das Abendessen ließ ich aus.
Hunger hatte ich sowieso keinen.
Ich wollte einfach nur noch in meinen Schlafsack.
Tag 3
Schon morgens merkte ich, dass mir die Nacht unglaublich gutgetan hatte. Abgesehen von einem ordentlichen Muskelkater fühlte ich mich tatsächlich wieder ziemlich fit.
Und wir wussten alle:
Die härtesten Tage lagen hinter uns.
Jetzt durfte sich langsam ein bisschen Entspannung breitmachen.
Von der Strecke her war dieser Tag für mich der schönste.
Wir befanden uns mittlerweile am Rand des Amazonasgebiets. Plötzlich war alles viel grüner. Überall Pflanzen, Vögel und moosbewachsene Bäume. Gleichzeitig knallte zwischendurch ordentlich die Sonne auf uns herunter, bevor wir wenige Minuten später wieder angenehm im Schatten liefen.
Immer wieder standen wir auf einem neuen Bergrücken und konnten die Wege sehen, die wir erst wenige Stunden zuvor gelaufen waren.
Es war kaum zu glauben, wie weit wir in so kurzer Zeit gekommen waren.
An diesem Tag erreichten wir schon gegen Mittag unser Camp.
Die zehn Kilometer wirkten nach den vergangenen Tagen fast schon lächerlich.
Zum ersten Mal hatten wir tatsächlich etwas Zeit, einfach nur herumzusitzen und nichts zu tun.
Dieses Camp hatte sogar kalte Duschen.
Allerdings waren sie so beliebt, dass kaum jemand Lust hatte, die wertvolle Freizeit mit Anstehen zu verbringen.
Also blieb es bei einer etwas rustikaleren Körperpflege.
Ganz in der Nähe des Camps besuchten wir noch die Inkastätte Wiñay Wayna.
Unser Guide erzählte wieder unglaublich viele spannende Dinge.
Zum Beispiel, dass Peru über 4.000 Kartoffelsorten und mehr als 50 Maissorten besitzt.
Oder warum die peruanische Küche heute zu den besten der Welt zählt.
Durch die unterschiedlichsten Höhenlagen wachsen hier seit Jahrhunderten die verschiedensten Lebensmittel, plus Fisch von der Küste, Gemüse aus unterschiedlichsten Klimazonen und Fleisch aus den Bergen.
Eigentlich logisch, dass daraus irgendwann eine außergewöhnliche Küche entstanden ist.
Mein persönliches Highlight an diesem Tag waren allerdings eindeutig die Lamas im Camp.
Ein hellbraunes tauften wir kurzerhand Honey, ein dunkleres bekam den Namen Sugar.
Ich hätte mich ehrlich gefreut, wenn sie uns noch ein Stück begleitet hätten.
Aber nein.
Das Gras im Camp schien einfach zu gut zu sein.
Mehr als fressen hatten die beiden nämlich wirklich nicht im Sinn.
Am nächsten Morgen sollte unser letzter Wandertag beginnen.
Und endlich würden wir Machu Picchu erreichen.
Tag 4
Easy Day.
Zumindest theoretisch.
Denn trotzdem klingelte der Wecker bereits um 3 Uhr morgens.
Diesmal gab es Frühstück to go und um halb vier mussten wir bereits startklar sein.
Nur wenige Meter vom Camp entfernt befand sich nämlich ein Tor, vor dem sämtliche Wandergruppen warteten.
Und natürlich wollte jede Gruppe die erste sein.
Punkt 4:30 Uhr wurde das Tor geöffnet.
Und plötzlich ging alles ganz schnell.
Diesmal hatten wir ein ordentliches Tempo drauf.
Wir wussten schließlich alle:
Ein paar Kilometer und ein paar Treppen? Nach den vergangenen Tagen war das mittlerweile fast schon ein Spaziergang.
Keine halbe Ewigkeit später standen wir plötzlich oben.
Vor uns – noch leicht von Wolken umhüllt – lag Machu Picchu.
Und für einen kurzen Moment wurde es erstaunlich still.
Ich dachte immer, der berühmte Postkartenblick wäre einfach nur... ein schönes Foto.
Aber wenn man nach vier Tagen Wandern plötzlich dort oben steht und diese riesige Inkastadt zwischen den Bergen auftaucht, versteht man erst, warum Menschen aus der ganzen Welt hierherkommen.
Es war einer dieser Momente, den kein Foto wirklich festhalten kann.
Natürlich folgte direkt danach das obligatorische Fotoshooting.
Am Abend zuvor hatten wir alle unsere neon-grünen Gruppen-Shirts bekommen.
Damit die Gruppenfotos auch schön einheitlich aussehen.
Meine Güte...
Wir fanden diese Farbe wirklich alle potthässlich. 🤭
Aber einem geschenkten Lama schaut man schließlich auch nicht ins Maul.
Wir bahnten uns also unseren Weg von oben nach unten durch Machu Picchu.
Alle anderen Touristinnen und Touristen, die mit Zug und Bus angereist waren, liefen den Weg genau andersherum.
Ein kleines bisschen stolz war man da natürlich schon.
Schließlich hatten wir uns diesen Moment in den letzten vier Tagen tatsächlich Schritt für Schritt erarbeitet.
Wobei sich die Zugreisenden vermutlich gefragt haben, wie wir mit unserem steifen Gang überhaupt hier hochgekommen sind.
Zu diesem Zeitpunkt stiegen wir Treppen hoch wie Menschen, die spontan um 40 Jahre gealtert waren.
Als wir schließlich mitten in Machu Picchu ankamen, erzählte unser Guide noch einige spannende Fakten.
Nachdem die Inka die Stadt verlassen hatten, wurde sie nach und nach vom Dschungel zurückerobert.
Erst 1911 machte der amerikanische Forscher Hiram Bingham Machu Picchu weltweit bekannt.
Die Einheimischen wussten allerdings natürlich schon lange, dass die Stadt existierte.
Eigentlich hat er Machu Picchu also nicht entdeckt – sondern lediglich dem Rest der Welt vorgestellt.
Außerdem erfuhren wir, warum die Anlage bis heute so erstaunlich gut erhalten ist.
Die Inka bauten ein ausgeklügeltes Entwässerungssystem mit Terrassen und unterirdischen Drainagen.
Ohne diese Technik wäre ein großer Teil der Stadt vermutlich schon vor Jahrhunderten den Berghang hinuntergerutscht.
Nachdem wir alles bestaunt, fotografiert und bewundert hatten, brachte uns der Bus endlich zu einem richtigen Restaurant.
Mit Stühlen.
Und Tischen.
Luxus.
Der Abschied fiel mir schwer.
Vier Tage zuvor waren wir noch zwölf Fremde gewesen.
Jetzt saßen wir zum letzten Mal gemeinsam beim Essen.
Natürlich tauschten wir Telefonnummern aus und luden uns gegenseitig in die verschiedensten Länder dieser Welt ein.
Ob wir das jemals schaffen umzusetzen?
Wer weiß.
Ich würde es mir wünschen.
Alles in allem waren diese vier Tage eine unglaubliche Erfahrung.
Körperlich.
Aber mindestens genauso emotional.
Es ist verrückt, wozu unser Körper fähig ist.
Immer wieder denkt man: Jetzt geht wirklich nichts mehr.
Und dann geht plötzlich doch noch ein Schritt.
Und noch einer.
Ich würde diese Wanderung jederzeit wieder machen.
Nicht, weil sie leicht war – ganz im Gegenteil.
Sondern weil sie mir gezeigt hat, dass meistens viel mehr in uns steckt, als wir selbst glauben.Read more
Puno – zwischen Schilfinseln und Eiszapfen
July 30 in Peru ⋅ ☀️ 13 °C
Nach diesen intensiven Tagen blieb ich noch eine Nacht in Cusco. Bei meiner letzten Nacht dort hatte ich meine neue Weste im Airbnb hängen lassen – und diese jetzt wieder abzuholen, entwickelte sich zu einem kleinen Abenteuer. Ich kürze mal ab: Nach einigen Telefonaten und Nachrichten hatte ich die Weste eigentlich schon aufgegeben. Doch plötzlich klappte es doch noch und ich konnte sie um 22:00 Uhr abends abholen.
Danach fiel ich nach der ersten Dusche seit vier Tagen völlig erschöpft ins Bett. Am nächsten Morgen ging es nach einem Frühstück auch schon wieder weiter: Sieben Stunden Busfahrt nach Puno am Titicacasee.
Diesmal wartete eine ganz besondere Unterkunft auf mich: ein Hausboot der Uros.
Die Uros sind eine indigene Gemeinschaft, die auf schwimmenden Inseln im Titicacasee lebt (ich dachte übrigens vorher fälschlicherweise, sie wären ein Stamm der Inkas). Durch das Leben auf dem Wasser konnten sie sich früher unter anderem vor Angreifern schützen.
Ich hatte bereits bei Airbnb gelesen, dass man vom Hafen mit einem Boot abgeholt wird, um zu den Hausbooten zu gelangen. Also trank ich dort noch gemütlich einen Kaffee – völlig ahnungslos, dass es für die nächsten Tage wahrscheinlich erst einmal der letzte richtige Kaffee sein sollte. Und vermutlich in einer kleinen Vorahnung kaufte ich mir auch noch ein paar Snacks.
Dann kam mein Boot. Für 8 Sol (etwa 1,50 €) bezahlt man den Eintritt in die Gemeinde und schon ging es los.
Nach ungefähr zehn Minuten erreichten wir das Hausboot. Es sah tatsächlich genauso aus wie auf den Fotos. Die Sonne schien und da ich mittags ankam, war es sogar angenehm warm.
Die Unterhaltung mit meinem Gastgeber war allerdings etwas schwierig. Mein Spanisch reichte nicht aus, um alles zu verstehen, aber ein paar wichtige Informationen kamen dann doch an: Abends würde ich warmes Wasser für Tee bekommen und außerdem Wärmflaschen zum Schlafen.
Die erste Überraschung wartete direkt beim Thema Badezimmer: eine Trockentoilette.
Die zweite Überraschung: Strom gab es – aber keine Steckdosen. Ohje. Ich musste dringend meine weitere Reise planen und brauchte dafür natürlich mein Handy und entsprechend Akku.
Kurze Zeit später bekam ich eine Powerbank, die für die gesamte Zeit reichen sollte. Problem gelöst.
Also konnte ich meinen ersten Abend genießen. Essenstechnisch hatte ich kaum Hunger, was nach den letzten Tagen auch kein großes Problem war. Gegen Abend verstand ich dann allerdings schnell den Sinn der Wärmflaschen. (Kleine Erklärung: Es waren tatsächlich Plastikflaschen, die mit Handtüchern umwickelt wurden.) Denn es wurde bitterlich kalt.
Ich schätze, in meiner ersten Nacht waren es um die 0 Grad.
Verdammt. Schon wieder kalt.
In den Zelten während der Wanderung war es ja auch nicht gerade kuschelig gewesen.
Nun gut: Die fünf Decken (kein Scherz!) und die Wärmflaschen halfen. Dass es natürlich keine Heizung gab, muss ich wahrscheinlich nicht extra erwähnen.
Der nächste Morgen kam und ich glaubte, mein Bootsfahrer hätte am Tag zuvor davon erzählt, dass ich seine Gemeinde besuchen könnte. Also nahm ich – nachdem ich meine weitere Reise geplant hatte – das Angebot an.
Natürlich war das Ganze auch ein Geschäft für sie. Und ich muss sagen: Genau das stört mich manchmal etwas an Peru. Aus fast allem wird versucht, ein Geschäft zu machen.
Also war mir schon klar, dass ich vermutlich irgendwo landen würde, wo am Ende etwas verkauft wird.
Und genau so war es auch.
Zuerst bekam ich aber noch sehr anschaulich erklärt, wie diese Inseln überhaupt gebaut werden. Die Uros verwenden dafür Totora-Schilf, das sie in vielen Schichten übereinanderlegen und regelmäßig erneuern, weil es langsam verrottet. Die dicken Schilfschichten werden zusammengehalten und schwimmen auf einer natürlichen Schicht aus Wurzeln und Pflanzenmaterial. So entstehen ganze Inseln mit Häusern, Booten und Wegen darauf.
Schaut euch die Fotos an – ich glaube, anders kann man sich das wirklich kaum vorstellen.
Danach durfte ich noch die gefangenen Fische anschauen und wurde gefragt, ob ich die typische Kleidung der Uro-Frauen anziehen möchte. Das lehnte ich dankend ab.
Und dann kam natürlich der unvermeidliche Teil: der Verkaufstisch mit Dingen, die sie selbst hergestellt haben.
Schon verrückt, dass man in fast jedem Teil Perus die gleichen Souvenirs findet. 🙄😅
Nachdem ich eher aus Freundlichkeit drei viel zu teure Kleinigkeiten gekauft hatte, ging es mit dem Boot weiter.
Ich wurde gefragt, ob ich etwas essen möchte. Ich bejahte – schließlich hatten sie mir vorher schon ein Restaurant für Touristen gezeigt.
Also ging es dorthin und ich betete inständig, dass es etwas Vegetarisches gibt und am besten keinen rohen Salat (ihr wisst ja: Bauchi-Fauchi).
Und tatsächlich: Es gab frittierten Käse.
Ich war gespannt.
Der Käse kam als dünne, gebratene Scheibe (geschmacklich tatsächlich ähnlich wie Halloumi) mit Reis, zwei winzigen Kartoffeln und Salat.
Prima.
Auf dem Rückweg bekam ich noch die Schule, den Kindergarten und den Sportplatz gezeigt.
Schon verrückt – alles befindet sich auf diesen schwimmenden Inseln.
Am Abend konnte ich noch ein bisschen die Sonne auf meiner Terrasse genießen, bevor es wieder kalt wurde.
Diese Nacht sollte allerdings noch kälter werden.
Ich weiß leider nicht genau, wie kalt es war, aber die Wasserleitungen waren eingefroren, sodass erst gegen 09:00/10:00 Uhr wieder Wasser lief.
Prinzipiell kein großes Problem – wenn ich nicht hätte packen und gegen 10:00 Uhr schon wieder weitergemusst hätte.
Ich gebe zu: Die Kälte hat mich richtig genervt.
Meine Füße konnte ich irgendwann trotz doppelter Socken kaum noch spüren. Alle zehn Minuten bin ich ins Bett gesprungen, um sie wieder aufzuwärmen. Irgendwann fühlten sie sich einfach nur noch abgestorben an.
Gegen 10:00 Uhr setzte mich das Boot wieder am Hafen ab. Kurze Zeit später holte mich dort ein Airport-Shuttle ab und mein erster Inlandsflug nach Iquitos sollte starten.
Leider gibt es innerhalb Perus für lange Strecken hauptsächlich die Möglichkeit zu fliegen. Züge sind nur sehr begrenzt vorhanden und Busse sind zwar weit verbreitet, aber die Entfernungen sind enorm.
Ein Bus vom fast südlichsten Punkt Perus bis in den Norden? Puh. Ich glaube, da wäre ich mehrere Tage unterwegs gewesen.
Und noch ein Argument, das den Flug nach Iquitos fast unumgänglich macht: Iquitos liegt mitten im Regenwald und ist die größte Stadt der Welt, die nicht an ein Straßennetz angebunden ist. Bedeutet: Man kommt nur mit dem Boot oder dem Flugzeug dorthin.
Also: Auf in den Dschungel und endlich in die Wärme. 🐒🌿Read more
Ab ins Warme/ Iquitos 🌴 🦥
August 2 in Peru ⋅ ☁️ 30 °C
Da ich während meiner Perureise unbedingt noch einmal im Regenwald gewesen sein wollte, stand nun die wirklich schwere Entscheidung an: Wo?
Es gibt mehrere Orte in Peru, an denen man den Regenwald besuchen kann. Da Peru eines der wenigen Länder ist, das drei große Klimazonen besitzt – Küste, Anden und Amazonasgebiet (ich hab mal ein kleines Bild rausgesucht, das verdeutlicht es ganz gut) – hätte ich den Regenwald/Amazonas auch weiter im Süden besuchen können, wo ich ja sowieso schon war. Dabei stellte sich dann aber die Frage nach der Rückreise: Wo halte ich auf dem Weg zurück? Einiges hatte ich inzwischen auch schon gesehen. Naja, und irgendwie wollte ich einfach noch mal in den Norden.
Also gut – Iquitos, die Stadt, zu der ich fliegen muss.
Nach einiger Sucherei fand ich einen bezahlbaren Flug – besser gesagt: Flüge. Denn eigentlich gehen fast alle Inlandsflüge in Peru über Lima, sodass man umsteigen muss. Zum Glück hat alles gepasst, meine Taschen gingen nicht verloren und abgestürzt sind wir auch nicht. 😮💨
In der Nähe von Iquitos fand ich – ebenfalls nach langer Sucherei – eine Lodge am Amazonas, die man buchen kann und von der aus verschiedene Dschungelausflüge angeboten werden. Da meine Zeit ja doch sehr begrenzt war, entschied ich mich für eine Nacht und zwei Tage.
Nach meinem Flug sollte ich also noch eine Nacht in einem Hostel in Iquitos bleiben, um dann am nächsten Morgen dort abgeholt und mit Bus und anschließend Boot zur Lodge gebracht zu werden.
Hat auch alles gut geklappt.
Ich wurde gegen 10:00 Uhr abgeholt, die Fahrt dauerte etwa zwei Stunden und plötzlich war ich mitten im Dschungel. Eine deutsche Familie wurde ebenfalls mit mir abgeholt. Vor Ort lernte ich meine Zimmernachbarin Catha für die kommenden Stunden kennen. Sie kommt aus Chile und hat tatsächlich in Deutschland Deutsch studiert, da sie im Tourismusbereich arbeitet.
Catha war schon zwei Tage da und hatte insgesamt vier Tage gebucht. Dann fehlte nur noch unser Guide. Wir bekamen einen, der ausschließlich für uns zuständig war.
Der Plan für die folgenden Tage: Nach dem Mittagessen die erste Bootsexkursion, um nach Vögeln und anderen Tieren Ausschau zu halten. Nach dem Abendessen eine Exkursion zu Fuß bei Nacht und am nächsten Morgen noch eine Bootstour zu den Amazonas-Delfinen.
So weit, so gut.
Ich hatte im Vorfeld extra nach Unternehmen geschaut, die keine seltsamen Ausflüge zu indigenen Gruppen anbieten oder Tiere besuchen, die einem um den Hals gelegt werden etc. Das erschien mir doch etwas problematisch. Umso froher war ich, als ich feststellte: Es gibt Alternativen!
Zurück zur Lodge: Nach der Ankunft gab es erstmal Mittagessen und gerne hätte ich mich danach kurz in mein Zimmer verkrümelt, um mich frisch zu machen.
Keine Chance. Mein Zimmer war noch nicht ready.
Ich musste warten – oder besser: wir. Catha erzählte mir bei der Gelegenheit, dass sie jetzt schon zum dritten Mal das Zimmer und sogar die Unterkunft wechselte. Die letzte Nacht hatte sie in einem anderen Camp, zehn Minuten mit dem Boot entfernt, gewohnt.
Das fand ich weniger angenehm, muss ich gestehen. Vor allem wollte ich nicht alle meine Sachen mit auf die Bootstour nehmen. Also stand ich da im Aufenthaltsraum – zum Glück hatte ich noch eine leere Stofftasche dabei – und packte meine Sachen um.
Das Ganze natürlich nicht ohne Stress, denn der Guide und Catha warteten schon auf mich.
Meine Taschen wurden hinter der Bar im Aufenthaltsraum verstaut.
Was hatte ich für eine Wahl? 😅
Der Ausflug war dafür sehr toll. Wir sahen drei Faultiere, leider alle sehr weit oben in den Bäumen, sodass ich eigentlich eine bessere Kamera gebraucht hätte.
Ansonsten sahen wir noch unzählige bunte oder große Vögel und allein die Bootsfahrt durch den Amazonas und die Seitenflüsse war beeindruckend.
Nach dem Ausflug war unser Zimmer dann tatsächlich ready.
Die Dusche war jetzt auch mehr als überfällig.
Nach einer kurzen Pause gab es auch schon wieder Abendessen und danach ging’s los zur Nachtwanderung.
Diesmal wurde ich ausdrücklich darauf hingewiesen, mich einzusprühen und lange Kleidung zu tragen – den Moskitos zum Trotz. Ein paar Stiche habe ich dennoch kassiert. Aber im Vergleich zu Catha – hui! Da hätte ich mir, glaube ich, langsam Sorgen gemacht. 😅
Ich hatte tatsächlich etwas Angst, nachts im Dschungel herumzulaufen. Ich glaube, hauptsächlich wegen dieser ganzen Insekten.
Aber dann gab es auch Palmen oder Bäume mit krassen Dornen. Sprich: Sollte man stolpern (was mir tatsächlich an einer Wurzel passierte), am besten nicht irgendwo aus Reflex festhalten. Aber auch nicht in den Matsch fallen.
Einfach nicht stolpern.
Ach ja, wir hatten auch Gummistiefel an. Genau deshalb: Es war extrem matschig.
Also, was haben wir alles sehen können?
Zwei Riesenfrösche oder Kröten. Sobald die sich entdeckt fühlen, stellen sie sich tot und bewegen sich nicht mehr. Praktisch für uns, um sie in Ruhe zu bestaunen.
Dann gab’s eine Ratte. Die sah aus, als hätte sie sich in so einem Stachelbaum selbst aufgespießt und käme deshalb nicht weiter. Außerdem Spinnen, Tausendfüßler, ein Opossum, einen Skorpion – oh, und eine Boa sowie eine Tarantel.
Das einzige Tier, vor dem unser Guide tatsächlich Angst hatte, war der Skorpion.
Ich glaube, alle anderen waren für ihn eher lustige Abendunterhaltung. 😅
Ich war irgendwie froh, als wir zwei Stunden später wieder aufs Zimmer konnten – auch wegen der Moskitos, die mich mit ihrem Gesumme wirklich wahnsinnig machten. Aber gleichzeitig war ich auch ein bisschen traurig, dass es das schon gewesen sein sollte.
Am nächsten Tag erwartete mich allerdings noch ein besonderes Highlight: Wir konnten – diesmal ging es früh und ohne Frühstück los – im Amazonas schwimmen gehen. Und zwar mit Delfinen.
Naja.
Eben da, wo auch die Delfine sind.
Wirklich „mit uns schwimmen“ würde ich das nicht nennen. Zum Glück nicht!
Huiuiui, das hat mich schon etwas Überwindung gekostet, in dieser braunen Suppe zu schwimmen. Und das, obwohl wir vorher vom Boot aus reichlich pinke und graue Delfine gesehen hatten.
Aber angenehm war das Wasser bei der schwülen Hitze allemal.
Leider vergingen diese zwei Tage im Regenwald viel zu schnell.
Zum Abschluss besuchte uns noch Barbara.
Das ist ein Curassow, ein großer Amazonasvogel. Die Lodge wurde nach ihr benannt, da sie wohl dort geboren wurde und seitdem immer irgendwo auf dem Gelände herumhängt.
Das Problem diesmal war nur: Ich musste langsam auschecken – und dieses Tier versperrte mir den Weg.
Ich erinnerte mich daran, dass ich ein ähnliches Problem mal in Indien mit Affen hatte. Damals hatte Wasser spritzen verdammt gut geholfen.
Diesmal leider nicht.
Könnte aber auch an meinen schlechten Wasserwurffähigkeiten gelegen haben. 😂
Bald kam uns jemand vom Personal zur Hilfe und verscheuchte den Vogel kurzerhand.
Ja gut. Hätten wir bestimmt auch so hinbekommen.
Also ging es wieder zurück nach Iquitos.
Dort blieb ich noch eine Nacht. Ein seltsamer Käfer-Sturm zog beim Abendessen auf – was wirklich recht eklig war. Gut, dass ich schon fertig gegessen hatte.
Aber diese ekligen Wesen waren dann leider auch in meinem Zimmer zu finden.
Da ich während meiner Reise panische Angst vor Bettwanzen oder Ähnlichem hatte, rief ich sofort jemanden vom Hostel. Der erklärte mir, dass diese Tierchen leider immer mal wieder in Scharen auftauchen würden – ich solle einfach die Fenster schließen.
HA – gute Idee. Hätte ich gewusst/gesehen, dass sie überhaupt auf waren. 🥴
Leider ist in diesen Tagen auch noch etwas passiert, was mich ziemlich ärgert.
Ich muss an einer Stelle meine AirPods vergessen, verloren oder gar geklaut bekommen haben.
Alles ist möglich.
Es war oft stressig mit dem Gepäck, ich war häufig müde und könnte sie im Bus oder Flieger vergessen haben. Aber auch unsere Lodge war nicht abgeschlossen und am zweiten Tag war plötzlich mein Kissen weg, weil es vermutlich an anderer Stelle gebraucht wurde.
Also könnte sie auch jemand mitgenommen haben.
Ich sehe sogar über Apples „Wo ist?“, wo sich die Kopfhörer befinden.
In Iquitos.
Also hat sie offenbar irgendjemand gefunden. Aber ich wollte nun wirklich nicht vor einer fremden Tür anklopfen – und außerdem hatte ich dafür auch keine Zeit.
Aber traurig macht es mich doch. 😒
So, der nächste Flug geht nach Chimbote.
Mit großen Zweifeln, denn mir wurde noch kurz vor dem Abflug von mehreren Peruanern gesagt:
„Was willst du denn dort?“
Schöne Strände könnte ich schließlich auch woanders finden.
Ich überlegte tatsächlich kurz, alle Pläne zu ändern. Aber es gab keine guten Umsteigealternativen.
Also: Augen zu und durch.
Fliegen bis Lima und dann sieben Stunden mit dem Nachtbus nach Chimbote. 🚌Read more
























































































































































































































































Traveler
Mit Siedmund und dem Alpaka kann nichts mehr schief gehen!
Traveler
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TravelerAirtag hatten wir auch