Hoch hinaus Teil I
July 26 in Peru ⋅ ☀️ 16 °C
Puhh… die letzten vier Tage – unsere Wanderung zum Machu Picchu – waren der reinste Fiebertraum. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll.
Also erstmal: Wir haben es alle ohne größere Verletzungen geschafft.
Die Gruppe war toll. Wir haben gut zusammengehalten und es war schön, dass ein Teil der Gruppe etwas älter und ein Teil etwas jünger war.
Wir hatten zwei Guides: Javien und Emazon. Beide total nett und lustig. Bei Javien wusste man nie, was ernst gemeint war und was gerade ein Witz war – aber irgendwann hatten wir den Dreh raus.
Unsere „Speedy Gonzales“ aus der Schweiz – wie sie unsere Guides genannt haben – liefen meistens vorne weg. Ich war irgendwo in der Mitte und pendelte immer mal zwischen den Schnelleren und den Gemütlicheren.
Die zwei amerikanischen Familien aus Kalifornien mit ihrem Sohn ließen es meistens etwas ruhiger angehen. Aber jede:r konnte sein eigenes Tempo gehen und auch mal für sich sein. Das war wirklich angenehm.
Die Wege dagegen waren krass. Ich schätze, wir sind bestimmt 80 % der Strecke auf den alten Inkasteinen und Treppen gelaufen. Natürlich alles andere als gleichmäßig. Man musste konstant auf den Boden schauen, um nicht umzuknicken oder sich auf die Nase zu legen. Daher waren Wanderstöcke auf diesem Weg sogar Pflicht.
Tag 1
Wir wurden gegen 4:00 Uhr an unseren Hotels abgeholt und fuhren erstmal zwei Stunden mit dem Bus zum Startpunkt. Dort gab es das erste gemeinsame Frühstück, die Duffel-Bags wurden sortiert und eingesammelt und die letzten Fragen – „Brauche ich heute meine Regenjacke im Tagesrucksack?“ – konnten geklärt werden.
Um 8:00 Uhr standen wir schließlich am Eingang des Wanderwegs in Piskacucho. Hier wurden die Reisepässe kontrolliert, denn diesen Weg darf man nur mit vorheriger Anmeldung und Guide laufen.
Und schon ging es los.
Die erste kleine Brücke über einen Fluss kam direkt am Anfang und an diesem ersten Tag begegneten uns auch noch viele Menschen, die dort in den Bergen wohnen – gemeinsam mit ihren Eseln und Pferden.
Außerdem machten wir an diesem Tag gefühlt ständig Pause. Uns kam das fast schon zu viel vor, aber vermutlich lag es daran, dass auf dieser Strecke noch einige kleine Läden Getränke, Süßigkeiten und Toiletten anboten.
Wir liefen an diesem Tag insgesamt 14 Kilometer.
Nach etwa viereinhalb Stunden erreichten wir Hatunchaca und damit unsere Mittagspause.
Ich hatte vorher schon gelesen, dass das Essen großartig sein soll. Aber dass es so gut sein würde, hätte ich niemals erwartet.
Jedes Mal bekamen wir zuerst eine Suppe und anschließend wurde der komplette Tisch mit Reis, Gemüse, Salaten, Guacamole und verschiedenen Fleischgerichten vollgestellt. Für mich gab es jedes Mal zusätzlich einen kleinen vegetarischen Teller.
Es war jedes Mal ein Kampf, nicht zu viel zu essen. Schließlich wussten wir alle, dass wir heute noch einiges vor uns hatten.
Und ausgerechnet am ersten Tag warteten nach dem Mittagessen noch die meisten Höhenmeter auf uns.
Zum Glück durften wir vorher noch ein paar Minuten Siesta auf der Wiese machen.
Dann ging es weiter.
Die letzten zwei Stunden hatten es nochmal in sich und am Ende sammelten wir knapp 1.000 Höhenmeter, bis wir am Camp in Ayapata ankamen.
Unser Camp war bereits komplett aufgebaut. Die Duffel-Bags lagen schon in den jeweiligen Zelten und wir konnten uns direkt einrichten.
Vielleicht zur Erklärung:
Wir waren 12 Wandernde, zwei Guides und unglaubliche 18 Träger.
Sie transportierten alles, was wir tagsüber nicht brauchten: unsere Duffel-Bags, sämtliche Zelte, die komplette Verpflegung, unsere mobile Toilette und wahrscheinlich noch tausend andere Dinge.
Jeder von ihnen schleppte rund 30 Kilogramm.
Und das nicht einfach nur – sie rannten teilweise an uns vorbei.
Während wir nach jeder Pause erstmal tief Luft holten, kamen sie mit ihren riesigen Lasten an uns vorbeigejoggt. Manche sogar in Sandalen.
Das war jedes Mal völlig absurd anzusehen.
Ich muss allerdings auch sagen, dass man ihnen die harte Arbeit angesehen hat.
Uns allen ging es nicht gut damit. Das Einzige, was wir tun konnten, war sofort wie ein aufgescheuchtes Reh zur Seite zu springen, sobald ein Träger auftauchte, damit wir sie wenigstens nicht auch noch ausbremsten.
Und ja… das Trinkgeld am Ende fühlte sich vermutlich auch ein bisschen wie der Versuch an, das schlechte Gewissen freizukaufen.
Am Abend gab es immer erst Tee, Kaffee oder Kakao mit ein paar Keksen und anschließend ein Briefing für den nächsten Tag.
Diesmal sah man es uns allen an:
Wir hatten Respekt.
Denn wir wussten, dass Tag zwei der schwerste werden würde.
Nach dem Abendessen – wobei wir vor lauter Anstrengung meistens kaum Hunger hatten – bekam jede:r noch eine Schüssel warmes Wasser mit Seife.
Sobald die Sonne gegen 18 Uhr verschwand, wurde es innerhalb weniger Minuten bitterkalt.
Also hatten wir alle nur noch ein Ziel:
Ab in den Schlafsack.
Übrigens war mein absoluter Gamechanger eine Trinkflasche, die heißes Wasser aushält. So hatte ich jeden Abend eine Wärmflasche im Schlafsack, die mir vermutlich einige Stunden zusätzlichen Schlaf geschenkt hat.
Tag 2
Anspannung lag in der Luft.
Aufstehen im Dunkeln. Ich vermute gegen vier Uhr.
Heute würden wir neun Stunden wandern.
Die ersten vier Stunden gingen ausschließlich bergauf – bis zum berühmten Dead Woman's Pass auf 4.215 Metern.
Irgendwann hörte ich auf darüber nachzudenken, wie weit es noch ist.
Ich schaute einfach nur noch auf den nächsten Stein vor meinen Füßen.
Mehr als den nächsten Schritt gab es in diesem Moment nicht.
Unterwegs trafen wir unser erstes wildes Lama.
Unglaublich, wie diese Viecher stinken.
Aber wie wir lernten, schlafen sie nachts auf ihrem eigenen Kot, weil dieser warm hält.
Kein Wunder also, dass die Inka nur dunkle Lamas opferten – ein stinkendes und schmutziges weißes Lama hätte die Götter vermutlich auch nicht sonderlich beeindruckt.
Oben angekommen, genossen wir erstmal unseren ersten großen Sieg.
Die Aussicht war natürlich atemberaubend.
Ich habe übrigens nicht das Gefühl, dass Fotos das auch nur ansatzweise einfangen können.
Spätestens dort oben ging es mir leider gar nicht mehr gut.
Meine laufende Nase machte mir in Verbindung mit der dünnen Luft zu schaffen und dazu kamen schmerzhafte Magenkrämpfe sowie Kopfschmerzen.
Mein Guide vermutete, dass die Höhe schuld sei und hängte mich kurzerhand an die Sauerstoffflasche.
So lag ich also auf 4.200 Metern Höhe.
Mitten auf einem Berg.
Vier Minuten lang an einer Sauerstoffflasche angeschlossen.
Sah bestimmt unglaublich souverän aus.
Leider half es nicht wirklich.
Klar – endlich mal wieder tief durchatmen zu können tat gut.
Die Kopfschmerzen blieben trotzdem.
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Traveler
Yeah!!!
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💕
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Pferde-Esel Kombi!