Puno – zwischen Schilfinseln und Eiszapfen
July 30 in Peru ⋅ ☀️ 13 °C
Nach diesen intensiven Tagen blieb ich noch eine Nacht in Cusco. Bei meiner letzten Nacht dort hatte ich meine neue Weste im Airbnb hängen lassen – und diese jetzt wieder abzuholen, entwickelte sich zu einem kleinen Abenteuer. Ich kürze mal ab: Nach einigen Telefonaten und Nachrichten hatte ich die Weste eigentlich schon aufgegeben. Doch plötzlich klappte es doch noch und ich konnte sie um 22:00 Uhr abends abholen.
Danach fiel ich nach der ersten Dusche seit vier Tagen völlig erschöpft ins Bett. Am nächsten Morgen ging es nach einem Frühstück auch schon wieder weiter: Sieben Stunden Busfahrt nach Puno am Titicacasee.
Diesmal wartete eine ganz besondere Unterkunft auf mich: ein Hausboot der Uros.
Die Uros sind eine indigene Gemeinschaft, die auf schwimmenden Inseln im Titicacasee lebt (ich dachte übrigens vorher fälschlicherweise, sie wären ein Stamm der Inkas). Durch das Leben auf dem Wasser konnten sie sich früher unter anderem vor Angreifern schützen.
Ich hatte bereits bei Airbnb gelesen, dass man vom Hafen mit einem Boot abgeholt wird, um zu den Hausbooten zu gelangen. Also trank ich dort noch gemütlich einen Kaffee – völlig ahnungslos, dass es für die nächsten Tage wahrscheinlich erst einmal der letzte richtige Kaffee sein sollte. Und vermutlich in einer kleinen Vorahnung kaufte ich mir auch noch ein paar Snacks.
Dann kam mein Boot. Für 8 Sol (etwa 1,50 €) bezahlt man den Eintritt in die Gemeinde und schon ging es los.
Nach ungefähr zehn Minuten erreichten wir das Hausboot. Es sah tatsächlich genauso aus wie auf den Fotos. Die Sonne schien und da ich mittags ankam, war es sogar angenehm warm.
Die Unterhaltung mit meinem Gastgeber war allerdings etwas schwierig. Mein Spanisch reichte nicht aus, um alles zu verstehen, aber ein paar wichtige Informationen kamen dann doch an: Abends würde ich warmes Wasser für Tee bekommen und außerdem Wärmflaschen zum Schlafen.
Die erste Überraschung wartete direkt beim Thema Badezimmer: eine Trockentoilette.
Die zweite Überraschung: Strom gab es – aber keine Steckdosen. Ohje. Ich musste dringend meine weitere Reise planen und brauchte dafür natürlich mein Handy und entsprechend Akku.
Kurze Zeit später bekam ich eine Powerbank, die für die gesamte Zeit reichen sollte. Problem gelöst.
Also konnte ich meinen ersten Abend genießen. Essenstechnisch hatte ich kaum Hunger, was nach den letzten Tagen auch kein großes Problem war. Gegen Abend verstand ich dann allerdings schnell den Sinn der Wärmflaschen. (Kleine Erklärung: Es waren tatsächlich Plastikflaschen, die mit Handtüchern umwickelt wurden.) Denn es wurde bitterlich kalt.
Ich schätze, in meiner ersten Nacht waren es um die 0 Grad.
Verdammt. Schon wieder kalt.
In den Zelten während der Wanderung war es ja auch nicht gerade kuschelig gewesen.
Nun gut: Die fünf Decken (kein Scherz!) und die Wärmflaschen halfen. Dass es natürlich keine Heizung gab, muss ich wahrscheinlich nicht extra erwähnen.
Der nächste Morgen kam und ich glaubte, mein Bootsfahrer hätte am Tag zuvor davon erzählt, dass ich seine Gemeinde besuchen könnte. Also nahm ich – nachdem ich meine weitere Reise geplant hatte – das Angebot an.
Natürlich war das Ganze auch ein Geschäft für sie. Und ich muss sagen: Genau das stört mich manchmal etwas an Peru. Aus fast allem wird versucht, ein Geschäft zu machen.
Also war mir schon klar, dass ich vermutlich irgendwo landen würde, wo am Ende etwas verkauft wird.
Und genau so war es auch.
Zuerst bekam ich aber noch sehr anschaulich erklärt, wie diese Inseln überhaupt gebaut werden. Die Uros verwenden dafür Totora-Schilf, das sie in vielen Schichten übereinanderlegen und regelmäßig erneuern, weil es langsam verrottet. Die dicken Schilfschichten werden zusammengehalten und schwimmen auf einer natürlichen Schicht aus Wurzeln und Pflanzenmaterial. So entstehen ganze Inseln mit Häusern, Booten und Wegen darauf.
Schaut euch die Fotos an – ich glaube, anders kann man sich das wirklich kaum vorstellen.
Danach durfte ich noch die gefangenen Fische anschauen und wurde gefragt, ob ich die typische Kleidung der Uro-Frauen anziehen möchte. Das lehnte ich dankend ab.
Und dann kam natürlich der unvermeidliche Teil: der Verkaufstisch mit Dingen, die sie selbst hergestellt haben.
Schon verrückt, dass man in fast jedem Teil Perus die gleichen Souvenirs findet. 🙄😅
Nachdem ich eher aus Freundlichkeit drei viel zu teure Kleinigkeiten gekauft hatte, ging es mit dem Boot weiter.
Ich wurde gefragt, ob ich etwas essen möchte. Ich bejahte – schließlich hatten sie mir vorher schon ein Restaurant für Touristen gezeigt.
Also ging es dorthin und ich betete inständig, dass es etwas Vegetarisches gibt und am besten keinen rohen Salat (ihr wisst ja: Bauchi-Fauchi).
Und tatsächlich: Es gab frittierten Käse.
Ich war gespannt.
Der Käse kam als dünne, gebratene Scheibe (geschmacklich tatsächlich ähnlich wie Halloumi) mit Reis, zwei winzigen Kartoffeln und Salat.
Prima.
Auf dem Rückweg bekam ich noch die Schule, den Kindergarten und den Sportplatz gezeigt.
Schon verrückt – alles befindet sich auf diesen schwimmenden Inseln.
Am Abend konnte ich noch ein bisschen die Sonne auf meiner Terrasse genießen, bevor es wieder kalt wurde.
Diese Nacht sollte allerdings noch kälter werden.
Ich weiß leider nicht genau, wie kalt es war, aber die Wasserleitungen waren eingefroren, sodass erst gegen 09:00/10:00 Uhr wieder Wasser lief.
Prinzipiell kein großes Problem – wenn ich nicht hätte packen und gegen 10:00 Uhr schon wieder weitergemusst hätte.
Ich gebe zu: Die Kälte hat mich richtig genervt.
Meine Füße konnte ich irgendwann trotz doppelter Socken kaum noch spüren. Alle zehn Minuten bin ich ins Bett gesprungen, um sie wieder aufzuwärmen. Irgendwann fühlten sie sich einfach nur noch abgestorben an.
Gegen 10:00 Uhr setzte mich das Boot wieder am Hafen ab. Kurze Zeit später holte mich dort ein Airport-Shuttle ab und mein erster Inlandsflug nach Iquitos sollte starten.
Leider gibt es innerhalb Perus für lange Strecken hauptsächlich die Möglichkeit zu fliegen. Züge sind nur sehr begrenzt vorhanden und Busse sind zwar weit verbreitet, aber die Entfernungen sind enorm.
Ein Bus vom fast südlichsten Punkt Perus bis in den Norden? Puh. Ich glaube, da wäre ich mehrere Tage unterwegs gewesen.
Und noch ein Argument, das den Flug nach Iquitos fast unumgänglich macht: Iquitos liegt mitten im Regenwald und ist die größte Stadt der Welt, die nicht an ein Straßennetz angebunden ist. Bedeutet: Man kommt nur mit dem Boot oder dem Flugzeug dorthin.
Also: Auf in den Dschungel und endlich in die Wärme. 🐒🌿Read more





















Traveler
Sehr interessant 👍
Traveler
😉
Traveler
👍😘
Traveler
Sehr schönes Bild, 👍