Tour de Provence
June 23 in France ⋅ ⛅ 35 °C
Um den Touristenmassen ein Schnippchen zu schlagen und mich nicht am Ausdauersport des Parkplatzsuchens beteiligen zu müssen, beschließe ich die umliegenden Dörfchen mit dem E-Bike abzugrasen. 50 Kilometer und 600 Höhenmeter sollten locker zu machen sein. Bei gemütlichen 38 Grad Außentemperatur.
Die erste Etappe ins rund 5 Kilometer entfernte Lacoste vorbei an Weinreben und Lavendelfeldern lässt sich locker meistern. Na gut, es ist erst halb zehn Uhr vormittags, die Mittagshitze lässt noch auf sich warten.
Den vom Reiseführer versprochenen Wochenmarkt finde ich leider nicht, die Dame in der Touristeninfo sagt im breitesten provenzalischen Dialekt nur ein Wort: "Demang".
Na gut, dann eben weiter ins rund 15 Kilometer entfernte Gordes. Der Luberonfahrradweg führt entlang einer ehemaligen Eisenbahnlinie vorbei an umfunktionierten Bahnhöfen durch ein Flusstal, das praktisch ausgetrocknet ist. Da es sich bei Gordes ebenfalls um ein Bergdorf handelt, muss ich diesen entspannten ebenen Radwanderweg leider bald wieder verlassen und den ersten wirklich anstrengenden Aufstieg in Angriff nehmen.
Gordes gehört zu den "plus belles villes de France", so steht es jedenfalls auf einem Schild am Ortseingang, und liegt malerisch auf der Kuppe eines größeren Hügels mit Blick auf den Luberon.
Heute ist Markttag (hier wirklich) und dementsprechend voll sind die vielen Parkplätze auf dem Weg in Richtung Altstadt. Hier zahlt sich mein schweißtreibender Entschluß tatsächlich aus!
Ich wandere über den Wochenmarkt, auf dem sich zwischen allernei Nippes wie Tüchern in diversen Größen und mit Mustern in allen Farben, bunt bemalten Schälchen, übergroßen Zikadenfiguren aus Ton, Gold- und Silberschmuck und Malerei zweifelhafter Qualität auch tatsächlich noch einige Lebensmittelstände finden lassen. An dem Stand mit dem Lavendelhonig komme ich eben so wenig vorbei wie an der obligatorischen Wursttheke, wo sich eine getrocknete Salami im Knoblauchmantel mir geradezu aufdrängt. Die Tapenades mit Sardellen und die eingelegten Oliven muss ich wegen unzureichender Transportmöglichkeit leider zurücklassen. Über dem gesamten Markt liegt eine Wolke von getrocknetem Lavendel welches sich mit dem Aroma von Gebratenem mischt, je näher ich dem Ende der Straße komme. Einer grün gesprenkelten Soucisse au herbes im Naturdarm kann ich nicht widerstehen.
Auf der nächsten Etappe erwischt mich die Mittagshitze mit voller Breitseite. Durch saunaartig aufgeheizte Luftmassen schiebe ich mich über eine nicht enden wollende Straße entlang von abertausenden Weinreben langsam meinem nächsten Zwischenziel entgegen.
Natürlich liegt Roussillon ebenfalls auf einem Hügel. Ich breche nach dem Aufstieg auf der Terasse des örtlichen Eiscafés zusammen. Zwei Kugeln Eis für sechs Euro? Na klar, nur her damit. Zeit für eine Mittagspause im Schatten.
Nachdem ich mich mit Hilfe diverser kalter Getränke aus dem örtlichen Super U einigermaßen wiederhergestellt habe, mache ich mich auf zur letzten Attraktion des Tages.
In Roussillon wurde bis in die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts in großem Stil Ockerpigment abgebaut. Wegen der Fortschritte in der chemischen Farbherstellung, kam die Produktion zum Erliegen. Durch die Errosion sind in den ehemaligen Steinbrüchen bizzare Felsformationen in rostbraun bis, nunja, ockergelb entstanden. Diese Farben ergeben einen tollen Kontrast zu dem schmutzigen dunklen Grün des Pinienwaldes und lassen mich vor lauter Staunen die Hitze fast vergessen. Durch die ehemaligen Steinbrüche kann man auf zwei ausgebauten Rundwanderwegen spazieren, einer soll 35, einer 55 Minuten dauern. Ich schaffe den längeren in rund 25 Minuten und muss schmunzeln, als ich die beiden amerikanischen Touristinnen, die sich für den kurzen Weg entschieden haben, das zweite Mal überhole.
Auf dem Rückweg nach Bonnieux überquere ich eine Brücke mit dem klingenden Namen Pont Julien, die im Jahre 10 unserer Zeitrechnung gebaut wurde und über die bis 2007 noch Autos fuhren. Bei dem Namen sicherlich nicht weiter verwunderlich aber dennoch enorm beeindruckend.
Zurück am Campingplatz lasse ich mich in den temperaturmäßig der Umgebung ähnlichen Naturpool fallen und erhole mich langsam von den Strapazen dieser südländischen Heißluftfriteuse.
Der von Zikadengesängen begleitete Abend endet wie gestern beim Sonnenuntergang über den Dächern von Bonnieux, diesmal nur mit einem kühlen Bier, dafür nicht weniger stimmungsvoll.
Bonne(ieux) nuit.Read more


























Traveler
Vraiment merveilleux!💜💜💜
Traveler
Tres beau!
TravelerWunderschöne stimmungsvolle Fotos!
Traveler🤗❤️