• Saaremaa

    May 5 in Estonia ⋅ ☀️ 10 °C

    Eigentlich hatte ich ja geplant, mir in jedem Land drei hübsche Fleckchen zu suchen und von dort aus kleine Radtouren zu machen. Aber irgendwie hat das nur dreimal ganz am Anfang funktioniert. Sicherlich lag das auch an der Verletzung und dem kalten Wind.
    Was aber gut ist, das ist das Fahrrad als Verkehrsmittel: Ohne Rad hätte ich nicht viel von Riga, Tartu oder Sigulda gesehen. Aber Touren? Bislang Fehlanzeige.
    Außerdem gibt es ja immer etwas zu tun. Gestern ordnete ich das Gepäck und heute die Essenskiste so um, dass alles einfacher würde. Später fahre ich noch auf einen Campingplatz, um Wäsche zu waschen. In Tallinn - das weiß ich jetzt schon - wird ein halber Tag dafür draufgehen, dass ich Hosen kaufe. Die erste Jeans ist schon zerschlissen.
    Aber was klage ich? Ich habe gerade das schönste Leben, das man sich vorstellen kann: Nachdem ich aufgewacht war, öffnete die Caddytüre, blickte in die Sonne und übers Meer, hörte nur die Vögel zwitschern und die Wellen rauschen und dachte mir: Ist das schön!
    Hier ist es zu dieser Jahreszeit fast menschenleer. Zwar gibt es überall Hinweise darauf, dass das im Sommer anders sein werde, aber jetzt haben ich manchmal den Eindruck, ich sei der einzige Tourist weit und breit. (Manchmal kommen deutsche Wohnmobilisten vorbei und nehmen Reißaus, wenn sie mich sehen)
    So, jetzt packe ich mal meine Frühstückssachen zusammen und suche den Campingplatz und Baum des Jahres 2015.
    Dieser steht mitten auf dem Spielfeld des Sportstadions in Orissaare. Es wurde in der Sowjetzeit gebaut. Der Baum (eine Eiche) stand schon vorher dort. Statt ihn zu fällen, entschied man sich aus praktischen oder lokalen Gründen, ihn einfach stehen zu lassen und um ihn herumzuspielen. Heute haben humorlose Pragmatiker aus dem Großfeld zwei Kleinfelder gemacht. Welch Schande! Dennoch ist er auch heute eine kleine Attraktionen. (Bei einen Bild das eine Tor links bitte wegdenken; das ist mobil)
    Was es hier auch noch gibt, sind einige Blockwindmühlen, die angeblich erst um 1900 aufgestellt wurden. Technologische Nachzügler ihrer Art.
    Warum man bei diesen Außen- und Wassertemperaturen schwimmen geht, und das meine ich wörtlich; also nicht nur schnell rein und gleich wieder raus, das weiß ich wirklich nicht. Aber ich beobachte gerade eine ältere Dame, die seit gut 10 Minuten vor sich hin schwimmt.
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