• Trondheim - flanieren durch eine verlassene Stadt

    June 21 in Norway ⋅ ☁️ 14 °C

    Natürlich hatte ich es geahnt und genieße es auch: Es ist Sonntag, der 21. Juni, elf Uhr und in der Innenstadt sieht man eigentlich nur ausländische Besuchergruppen und Koffer ziehende Einzeltouristen. Die Norweger haben sich zurückgezogen ins Private, um dort Sankthans zu feiern oder die Feierlichkeiten vorzubereiten.

    Sankthans in Norwegen ist etwas anderes als Midtsommar in Schweden, also nicht der nationale Ausnahmezustand, sondern, solange man sich nicht dem schwedischen Trend annähert, ein eher familiärer Sommerabend, den man gern im Kreise der Freunde und Familie verbringt, bevorzugt auf der Familiehytta. Und das will vorbereitet sein. Daher ist diese Sonntag in Trondheim bestimmt noch etwas menschenleerer als sonst. Am Abend wird dann - etwas verfrüht - gefeiert.

    Das ist die beste Grundlage dafür, dass ich mich etwas treiben lasse und durch die Stadt flaniere.

    Am ersten Ort meiner Erkundung wurde mir der Zutritt verweigert. Im Nidarosdom wurde Gottesdienst gefeiert, der auch lautstark, aber durchaus harmonisch eingeläutet wurde. Ein guter Grund, mir die Umgebung anzusehen: Umgeben ist der Dom von einem sicherlich sehr altem Friedhof. Sehr skandinavisch: an sich eine große Rasenfläche, aus der nicht allzu große Grabsteine nicht immer gerade herausragen. Charmant finde ich, dass die alten immer tiefer in den Boden versinken. So wie der Grabstein verschwindet auch die Erinnerung. Und so ein Friedhof um einen Dom! Eher ungewöhnlich.

    Und dann noch der Munkegata, die Mönchsstraße, die geradezu idealtypisch Symbole der weltlichen und geistlichen Macht miteinander verbindet: auf der einen Seite der Dom, auf der anderen der Marktplatz mit der Statue von König Olav Tryggvason, dem Stadtgründer und Christianisier Skandinaviens. An ihr liegen auch das Rathaus und das Volkshaus der Provinz Trøndelag.
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