Vestmannaeyar
13. juli 2025, Island ⋅ ☁️ 12 °C
Heute ging es für mich mit der Fähre auf die Westmännerinseln. Vestmannaeyjar ist ein Archipel von Vulkaninseln vor der Südküste, wobei Heimaey die einzige bewohnte Insel ist. Zwei historische Ereignisse haben diese Insel geprägt:
Im Jahre 1627 erreichte eine Flotte Korsaren aus Algier die Inseln und nutzte sie vorübergehend als Stützpunkt. Die Häuser der einheimischen Bewohner sowie die Kirche wurden in Brand gesetzt und viele Einwohner getötet. Die auf Heimaey und an anderen Orten der Südküste gefangen genommenen Isländer – insgesamt rund 300 Menschen – wurden danach auf den Sklavenmärkten der Barbareskenstaaten feilgeboten und verkauft. Nur ein geringer Teil der Versklavten konnte – nachdem die dänische Regierung oder andere für sie Lösegeld aufgebracht hatten oder sie selbst sich freigekauft hatten – nach Jahren in die Heimat zurückkehren. Nach Heimaey kehrten 27 Menschen zurück. Da Algier zu der Zeit zum türkischen Großreich gehörten, sprach und spricht man in dem Zusammenhang in Island immer noch vom Türkenüberfall (isl. Tyrkjaránið, wörtlich eigentlich Raub durch die Türken).
Das zweite Ereignis war der verheerende Vulkanausbruch von 1973. Ein Projekt zur Ausgrabung vergrabener Häuser wurde „Pompeji des Nordens“ genannt und ist noch immer im Gange. Ein Museum soll über den Vulkanausbruch informieren
Heute ist Heimaey eine blühende Fischergemeinde und ein beliebtes Touristenziel.
Am 14. November 1963 entdeckten Fischer etwa 20km südwestlich von Heimaey die aus dem Meer aufsteigende Rauchsäule eines Vulkanausbruchs. Im Laufe der nächsten dreieinhalb Jahre entstand die Insel Surtsey, benannt nach dem Feuerriesen Surtur. Sie erreichte eine Höhe von 188m und eine Fläche von rund 2,5 qkm. Wissenschaftlern bietet Surtsey die einmalige Gelegenheit, die Besiedelung einer Insel zu beobachten. Nur Wissenschaftler dürfen die Insel betreten. So soll verhindert werden, daß durch Besucher Sporen und Samen eingeschleppt werden. Bis heute wurden auf Surtsey rund 50 höhere Pflanzenarten registriert, alleine im Jahr 1996 wurden 5 neu eingewanderte Pflanzenarten entdeckt. Auch acht Seevogelarten brüten inzwischen regelmäßig auf Surtsey. Der Kampf zwischen Feuer und Wasser war mit dem Ende des Surtseyausbruchs im Jahr 1967 noch nicht beendet - das Meer nagt seitdem ständig an der erkalteten Lava und hat inzwischen 15% der ursprünglichen Inselfläche abgetragen. Andere Inseln, die ebenfalls in den sechziger Jahren neu entstanden, wurden bereits nach kurzer Zeit wieder vollständig abgetragen. Syrtlingur trotzte dem Meer z.B. nur 6 Monate, die "Weihnachtsinsel" Jólaey immerhin vom Dezember 1965 bis September 1966.
Nach 40 Minuten Fährfahrt kam ich im Hafen an und begann meinen Stadtrundgang über das Lavafeld. Es war ein seltsames Gefühl, dort zu spazieren, wo früher Menschen lebten und wo noch immer - nun aber 10m unter meinen Füßen - Häuser und ein Schwimmbad begraben sind.
Gedenksteine und alte Straßenschilder erinnern an das ehemalige Stadtviertel hier. Ich sah auch Überbleibsel der Wasserversorgung der Insel, und einen großen Wassertank, der zur Hälfte von Lava zerstört wurde.Læs mere









