Märchenhaftes Müllerthal
May 24 in Luxembourg ⋅ ☀️ 31 °C
Nach einer sehr erholsamen Nacht brach ich zu meiner Wanderung durch das Müllerthal auf.
Bei den ersten Schritten fühle ich mich schon wie in den Kulissen eines Fantasy-Epos - wie weit noch bis Lothlorien oder Rivendell? Ein tief eingeschnittenes Tal, in dem die kristallklare "schwarze Ernz" murmelt, dichte, moosbewachsene Wälder und allen voran gigantische, bizarre Formationen aus Sandstein, die wie versteinerte Riesen aus dem Waldboden ragen.
Nicht umsonst trägt die Region seit dem 19. Jahrhundert den Beinamen „Kleine Luxemburger Schweiz“.
Das architektonische Fundament dieser Region wurde vor rund 200 Millionen Jahren gelegt. Damals, im Zeitalter des Unteren Lias (Lias-Kreide), war das heutige Luxemburg von einem tropischen Meer bedeckt. Am Grund dieses Meeres lagerten sich gigantische Mengen von kalkhaltigem Sand ab, die im Laufe der Jahrmillionen zu mächtigen Schichten aus Luxemburger Sandstein zusammengepresst wurden.
Als sich das Land später hob und das Meer zurückwich, begann die eigentliche Arbeit der Natur:
Flüsse wie die Schwarze Ernz, die Lauterbornerbach oder die Aesbach gruben sich tief in das Plateau ein.
Da Sandstein starr ist, brach er unter den tektonischen Spannungen in riesige Blöcke. Wasser und Frost drangen in diese Risse ein, wuschen das weichere Material heraus und hinterließen die heute so spektakulären, engen Felsschluchten, tiefen Höhlen und freistehenden Felsnadeln.
Das Müllerthal besitzt ein ganz besonderes botanisches Phänomen: das sogenannte Schluchtenklima. In den engen, tiefen Felsspalten kommt selbst im Hochsommer kaum direktes Sonnenlicht an. Die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch, und die Temperaturen bleiben konstant kühl.
Das merke ich sofort! Trotz der angenehmen Temperaturen schwitze ich sofort.
Das Klima schafft die perfekten Bedingungen für eine Pflanzenwelt, die man sonst eher in feuchten Bergwäldern oder atlantischen Regionen findet.
Die Felswände sind oft von einem dicken, smaragdgrünen Teppich aus Moosen und Flechten überzogen. Auf den kargen Sandsteinrücken dominieren knorrige Kiefern und Heidekrautgewächse, während in den feuchten Tälern prächtige, schattenspendende Buchen- und Schluchtwälder (mit Eschen und Ahorn) gedeihen. Hier darf der Wald an vielen Stellen noch wild wachsen; Totholz bleibt liegen und bietet die Lebensgrundlage für unzählige Pilzarten.
Die Unberührtheit der Wälder und die unzähligen Höhlen machen das Müllerthal zu einem wertvollen Refugium für bedrohte Tierarten.
Die tiefen Felsspalten und alten Sandsteinhöhlen sind ein Paradies für Fledermäuse. Zahlreiche geschützte Arten, darunter das Große Mausohr und die Wasserfledermaus, nutzen die Spalten als Winterquartier oder Tagesversteck.
Die meiste Zeit verbringe ich am Schiessentümpel - Luxemburgs berühmtesten Wasserfall. Dementsprechend viele Menschen sind hier auch... Durch den Fluss watend und auf Felsen kletternd versuche ich, die besten Foto-Blickwinkel zu finden.
Weiter entlang der Schlucht laufe ich direkt an der senkrecht emposteigenden Felswand entlang.Read more




















