• Nichtstun

    August 30 in India ⋅ ☁️ 28 °C

    Nichtstun ist anstrengend.
    Die Tage gehen trotzdem erstaunlich schnell vorbei.
    Na ja – bis auf die drei Fastentage. Die ziehen sich dann doch ein kleines bisschen länger. Morgens gibt es Reiswasser, mittags Reiswasser und abends, als kulinarisches Highlight, ein Reissüppchen. Aber was macht man nicht alles für die Gesundheit! Und ehrlich gesagt: Ich bereue keinen einzigen Tag. Auch diese drei Tage gehen irgendwann vorbei – und danach schmeckt das Essen gleich doppelt so gut.
    Gott sei Dank wird es uns an den übrigen Tagen direkt an den Tisch gebracht. So sind wir wenigstens nicht der Versuchung ausgesetzt, am Buffet völlig hemmungslos zuzuschlagen. Eine durchaus wichtige Vorsichtsmaßnahme!
    Von 10 bis 12 Uhr finden die Anwendungen statt. Vorher geht es noch kurz zu den Ärzten, um den aktuellen Befindlichkeitsstatus durchzugeben. Schließlich soll auch während der Behandlung alles genau beobachtet und gegebenenfalls angepasst werden.
    Bei meinen Anwendungen begleiten mich zwei Frauen durch die gesamte Ayurveda-Zeit – und zwar immer dieselben. Das schafft schnell eine gewisse Vertrautheit. Sie kennen jeden Handgriff und wissen genau, was als Nächstes kommt.
    Für jeden von uns gibt es einen genauen Behandlungsplan, der bereits bei der Erstuntersuchung festgelegt wurde. Nichts geschieht zufällig, alles hat seinen Platz und seine Zeit.
    Viyajakumari, die Ältere der beiden, beginnt jedes Mal mit demselben Ritual. Ich habe inzwischen das Gefühl, dass allein diese ersten Handgriffe schon ausreichen, um meinen Körper darauf einzustimmen: Jetzt beginnt die Entspannung.
    Danach folgt eine intensive Kopfmassage. Anschließend wird mir ein Tuch um den Kopf gebunden und ich werde auf die Behandlungsliege gebeten.
    Und dann passiert etwas Eigenartiges: Kaum liege ich dort, beginnt eigentlich schon der Dämmerschlaf. Eine tiefe, fast schwebende Entspannung breitet sich aus. Man bekommt kaum noch mit, was um einen herum geschieht.
    Dann beginnen die eigentlichen Anwendungen. Zu zweit, eine auf jeder Seite, arbeiten die beiden gleichzeitig und erstaunlich synchron. Mal ist es eine Pulvermassage, dann kommen Pulverstempel zum Einsatz, anschließend warme Reisstempel oder eine ausgiebige Ölmassage.
    Man muss nichts tun. Nichts denken. Nichts organisieren.
    Nur daliegen, loslassen und sich behandeln lassen.
    Und genau das ist vielleicht das Schwierigste an der ganzen Ayurveda-Kur: wirklich nichts zu tun.
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