• #11 - Der Alltag... er hat mich!

    May 13, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 23 °C

    >> Everyday Life Nuggets <<
    - die meisten Italiener sind eher schlank – und das, obwohl Italiener gerne Süßes essen (scheint mir zumindest so :-) ) In Florenz fällt mir das richtig auf, weil dort mehr übergewichtige Menschen, die sehr nach Touristen aussehen, rumlaufen.
    - Frauen sind recht elegant und stilvoll gekleidet. Tiefe Ausschnitte oder kurze/enge Kleider sieht man selten. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hab ich das nicht erwartet.
    - es gibt viele Geschäfte dezidiert für Männer!
    - Kleidung gibt es in Prato und Florenz hauptsächlich in Boutiquen zu kaufen; man sieht einzelne Ketten, aber wenige. Leider sind die Boutiquen relativ teuer: das Günstigste was ich bisher gesehen hab, waren 80€ für eine Bluse
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    13. Mai
    Mittlerweile hat mich der Alltag – und ich habe schlechte Laune.

    Ohne jeden Tag was Neues zu sehen und diese Dopamin- und Adrenalinflut ist es ein anderes Reisen. Krisen kommen anders auf, zumindest für mich. Das Reise-Ich vermischt sich mit dem Alltags-Ich, was irgendwie seltsam is.

    Trotz dem Alltag fühle ich mich enorm roh und nackt/schutzlos. Das ist nicht unbedingt schlecht. Ich bin etwas offener als zu Hause, denn um mich hier, in der neuen Umgebung, orientieren zu können, muss ich sehr wachsam und aufmerksam sein. Das macht mich auch verletzlicher, sehr gefüllt mit Eindrücken, sehr inspiriert und trotzdem leicht (vermutlich, weil ich hier etwas weniger Verpflichtungen habe).

    Ich denke heute viel nach. Vielleicht weil ich nicht so gut drauf bin, dann hat man eher die Motivation nachzudenken.

    Mir kommt ein Gedanke über Italiener: Sind sie gut im Anfangen, aber nicht im Instandhalten? Sie haben damals ein großes Imperium aufgebaut, was nicht mehr existiert (wobei Imperien ja immer kommen und gehen- zum Glück). Aber es geht weiter bei Pompeji (Deutsche halten es mittlerweile instand), ihren Straßen die überall löchrig sind, Kaffee der eigentlich gut ist aber nicht genossen wird (Lorenzo hat mir dazu einen guten Artikel gezeigt, die Sichtweise kommt also nicht ursprünglich von mir) --> Espressi werden wie ein Shot heruntergeschüttet und nach expliziter Kaffeekultur sieht es für mich nicht so sehr aus. Bei uns gibt es deutlich mehr Personen, die sich mit Rösten von Bohnen, verschiedenen Brüharten, etc. intensiv beschäftigen. Hier ist Kaffee so im Alltag verankert, dass er nichts Besonderes mehr darstellt, habe ich das Gefühl.

    14. Mai
    Langsam kommt die Lust zurück, Italienisch zu lernen; das war mir in den letzten Tagen zu viel: arbeiten, gesund werden, Neuorientierung in der Kultur/im Ort, Land erkunden. Ich habe heute endlich wieder mehr Energie, obwohl die Erkältung immer noch nicht ganz durch ist (obwohl es hier herrlich warm ist).

    Ich habe darüber nachgedacht, dass ich es verstehen kann, wenn Einwanderer es irgendwann aufgeben sich zu integrieren und auch die Sprache nicht lernen. Je nachdem, wen man kennenlernt, in welchem Umfeld man ist, wieviel Kapazitäten und Talent man hat: neue Kulturen und Sprachen sind enorm verunsichernd und es kostet viel Aufmerksamkeit und Kraft, die Unterschiede zu bemerken und sich einzufügen (ohne sich als Person zu ändern oder zu verlieren).

    Ich fühle mich weiterhin psychisch sehr nackt und nah an der Wahrheit, am Universium, an mir. Wünsche oder Gedanken (…deren Wahrwerdung nicht immer erwünscht ist) werden häufig direkt wahr oder versorgt:

    1) Auf dem Heimweg von der Arbeit, fahre ich -mit dem Rad- an einem Reparaturladen vorbei. Ich denke darüber nach, dass ich da ja vorbeischauen könnte, falls mal was mit meinem Fahrrad wäre. ZACK! Keine 100m weiter fällt mir auf einmal die Kette runter. …was soll das denn!?

    Ich halte an, stelle das Rad verkehrt herum, um die Kette wieder zu arretieren. Direkt hält ein Auto mit einem Pärchen drin an und fragt mich, was mit meinem Fahrrad ist. Ich verstehe leider nicht viel und kann es auch nicht beschreiben – aber die Situation ist eindeutig und der Mann steigt aus, um mir zu helfen. Ich hätte es höchstwahrscheinlich auch selbst hinbekommen, aber bin trotzdem sehr dankbar, dass er mir hilft! Nach 1 Min ist die Kette wieder drauf und wir verabschieden uns. Ich liebe sowas!

    2) Ich habe in den letzten Tagen deutlich zu wenig gegessen, weil mir noch etwas die Orientierung hier fehlt: Welche Lebensmittel gibt es hier zu kaufen und wie kann ich sie sinnvoll für mich kombinieren? Ja, es ist extrem ähnlich zu unserer Auswahl, aber nicht dieselbe. Zum Beispiel gibt es in Bäckereien wenig Vegetarisches, geschweige denn Veganes zu kaufen. Heute beschließe ich, endlich wieder genügend zu essen – vermutlich hatte damit auch meine schlechte Laune und Dünnhäutigkeit zu tun.

    ZACK! Glücklicherweise hatte Marta mich gestern gefragt, ob wir zusammen zu Abend essen wollen und ich habe zugestimmt. Was gibt es Sättigenderes, als ein Essen einer italienischen Nonna? In der Tat gibt es ein richtiges Menü -extra vegetarisch für mich!- und ich bin danach endlich wieder satt:

    1) Aufgeschnittenes Baguette mit einem Frischkäseaufstrich (so ähnlich wie Bruschetta)
    2) Reis mit Zucchini und Parmesan (klingt simpel, ist aber unfassbar lecker!)
    3) Frittata (Omelette mit Kartoffelschnitzen)
    4) Tiramisu alla Marta – seeeeehr lecker!
    - und natürlich Wein dazu

    3) Auch heute habe ich wieder einen Frust mit meinen Italienischkenntnissen: Ich habe das Gefühl, dass ich absolut auf der Stelle tappe und nur minimale Fortschritte mache. Das hab ich mir anders vorgestellt – auch wenn das höchstwahrscheinlich unrealistisch war.

    Als ich mit Marta zu Abend esse (Lorenzo ist auf Geschäftsreise in den USA), unterhalten wir uns. ZACK! Es geht tatsächlich etwas besser als letztes Mal! Es dauert noch extrem lange, bis ich einfache Sätze zustande bringe, aber sie wartet geduldig und hilft mir. Wir lachen viel und genießen den Abend. Am Ende sagt sie sogar: Dein Italienisch hat sich sehr verbessert, wirklich!!

    Mit gefülltem Magen und Herzen gehe ich ins Bett – und schlafe fantastisch!

    15. Mai
    Auch heute hat mich der Alltag und es passiert wenig Erzählenswertes.

    Lorenzo kommt zurück und ich freu mich, dass ich mal wieder ein komplexeres Gespräch führen kann. Wir bestellen Pizza und essen sie zusammen mit Marta.

    Er erklärt mir auf Italienisch, dass ein Start-Up aus Darmstadt mit einem Satelliten

    (1) bestimmte Daten aus dem Lichtspektrum verwenden, um mit Algorithmen erkennen zu können, um was es sich handelt (eine grüne Pflanze oder eine grüne Sitzbank oder ein grünes Gebäude?).

    Und (2) erkennen kann, wieviel Wasser sich knapp unter der Oberfläche befindet, um z.B. beim Gärtnern zu unterstützen.Ich bin ultra stolz, dass ich alles -bis auf 2x nachfragen- verstanden hab!Viel dazu sagen kann ich aber leider noch nicht.

    Lorenzo und ich sitzen 2-3 Stunden nach dem Essen noch in der Küche, unterhalten uns über physikalische und logische Phänomene und kommen ins Philosophieren (dann aber auf Englisch...). Ich schätze das sehr und habe den Austausch genossen. Nachts träume ich sogar von einem der logischen Grundsätze und versuche, einen neuen Sinn daraus zu ziehen.

    "{People} who don't listen will eventually be surrounded by people who have nothing to say" - Andy Stanley
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