• #24 Transit

    July 1, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 30 °C

    #24 – Transit
    Ich schreibe aus Kanada diesen Beitrag und es fällt mir schwer. Auch wenn Kanada mir immer besser gefällt und in manchen Hinsichten leichter ist, wird mein Herz schwer, wenn ich an Italien zurückdenke. Gerade fühlt es sich an, wie bei einer Trennung: bloß nicht darüber sprechen oder darüber nachdenken, sonst kommt der ganze Schmerz wieder hoch. Und mein Herz stockt oder freut sich, wenn ich plötzlich über ein italienisches Café oder die Sprache stolpere (was hier sehr selten vorkommt).
    Auch deswegen schreibe ich in einen Transit-Bericht (statt dem Wochenbericht), damit Italien erstmal ruhen kann :-)

    1. Juli
    Ich hab wenig geschlafen, weil ich gestern erst gegen 1.30h zu Hause war und ich trotzdem gegen 7.30h wach werde (wieso passiert mir das nie, wenn ich zu Hause bin?!). Ich packe alles zusammen, verabschiede mich herzlich von Anna und schwinge mich dann mit Sack und Pack auf’s Mietsfahrrad – ein letztes Mal!

    Im Zug nach Rom sitzen sehr viele Amerikaner und ich höre viel Englisch. Ich versuche mich darauf einzustellen, denn das werde ich die nächsten 6 Wochen hauptsächlich hören und sprechen. Und sie gestikulieren deuuutlich weniger -anscheinend gestikulieren Italiener doch mehr, als mir klar war- und es fühlt sich an, als wäre ich schwerhörig: mir fehlt ein Teil der Kommunikation. Und irgendwie macht mich das aggressiv: warum zur Hölle bewegt sich da nix?! Kann sie/er nicht richtig kommunizieren?
    Als ich in Rom aussteige und Italienisch höre, freue ich mich mehr als ich gedacht hätte. Ich bin richtig erleichtert, es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Ich bin sehr gespannt, wie ich das in Kanada aushalten soll!

    Reisen macht mich immer nachdenklich. Ich glaube, ich hab weniger von der italienischen Kultur verstanden bzw. die Unterschiede unterschätzt. Andere Kulturen sind wirklich schwer zu verstehen. Dasselbe wurde mir klar, als ich in Holland gewohnt habe. Man denkt, dass sie so nah und auch in Europa sind und viele (grundsätzliche) Dinge sind auch sehr ähnlich. Aber die Nuancen -die v.a. für zwischenmenschliche Interaktionen wichtig sind- erscheinen mir anders. Sowohl in Holland, als auch in Italien.

    Italien war wie ein Ofen. Es war sehr warm, ich wurde braun gebacken, alles war sehr intensiv und reichhaltig - im Guten und im Schlechten. Mal schauen, ob ich danach leckerer bin :-D

    Rom gefällt mir erstaunlich gut. Ich bin heute sehr entspannt und dementsprechend ist meine Wahrnehmung sehr frei und aufnahmefähig.

    Danke an alle, die mich gehen lassen!

    2. Juli – Fluggedanken = Metagedanken
    Heute geht mein Flieger. Ich habe gut, nur etwas kurz geschlafen - dank meiner tollen "Mitschläfer" im Dorm (da kann man ja manchmal echt Pech haben), die sehr leise waren.

    Es fällt mir schwer, Italien hinter mir zu lassen.

    Auch heute bin ich erstaunlich entspannt. Obwohl ich fliegen gar nicht mag, steige ich heute in den Flieger und habe kein bisschen Angst. Im Flieger wird mir bewusst, wie sehr ich mich auf Kanada freue. Als wir abheben, weine ich, weil Italien jetzt hinter mir liegt.
    Die Sprache entspannt mich, aber jetzt ist Zeit für was anderes.

    Stewardessen sprechen auf Französisch, was ich theoretisch verstehen würde, aber mein Hirn ist viel zu verwirrt.

    Im Flieger schaue ich Barbie und ein Zitat rührt mich sehr "Wir Mütter stehen still, damit unsere Töchter sehen können, wie weit sie gekommen sind". Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll, aber vielleicht ist das eine Meinung/eine Verhaltensweise einer bestimmten Generation?

    Ich schaue einen amerikanischen Film und verliere die Lust auf Kanada bzw. die Kultur. Hoffentlich is sie deutlich anders als die amerikanische. Es wirkt so steif und kalt und depressiv/oberflächlich. Mir fehlt die Wärme.

    Montréal
    Alle kommen mir so gestresst und unter Druck vor - das war in Italien gänzlich anders.

    Es is alles so riiiiesig! Genau wie in amerikanischen Städten. Riesige Hochhäuser, unglaublich breite Straßen, viel zu große und sehr viele sehr teure Autos. Manche "alte" Häuser sehen aus wie in Italien, aber in 1,5-facher Größe.

    Viele sprechen Französisch und mein Gehirn is jetzt vollends durcheinander und versucht die ganze Zeit italienische Satzkonstruktionen zu bilden.
    Und btw: diese amerikanischen Touris gehen mir so auf den Sack. Eine meinte "why would I wanna learn such a disgusting language as French?!" - wtf!? Und: "amaaazing! Oh yeeah! That sounds SO nice, wow!" Kriegt euch mal wieder ein. Grrrrr!
    Schlafmangel? Kulturschock? Es wird interessant!

    Heute mache ich quasi nix: fliegen, einchecken, sortieren, essen, schlafen. Basta!

    Morgen stehen einige To dos an, also erstmal low key heute. Gute Nacht!
    Read more