• Guido Luterbach
  • Guido Luterbach

Luzern Rom auf dem Pilgerweg

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  • Sarzana

    25 Mei 2025, Italia ⋅ ☀️ 21 °C

    Heute Morgen können wir es etwas gemütlicher angehen. Die Etappe mit 17,5 km ist nicht lang, dafür eher anspruchsvoll aufgrund der Auf- und Abstiege, die es zu bewältigen gilt.
    Kaum aus der Stadt, geht es schnell und steil hoch zum ersten Bergkamm und dann leicht runter zum Bergdorf Bilboa, das aussieht, als wäre es an den Berg geklebt. Es geht weiterhin auf und ab, in den Kehren ein und aus entlang der Bergflanke zum anderen Bergdorf Vecchietto. Weiter entlang der Bergflanke, teilweise sehr steil hoch zum Monte Grosso. Die Wege sind mehrheitlich schmale Bergpfade im Wald. Auf diesem Weg haben wir die Toscana verlassen und sind in Ligurien angekommen.
    Auf dem Monte Grosso haben wir den Höchstpunkt erreicht, und es gilt nur noch abzusteigen – bis ins Bergdorf Ponzano Superiore, wo wir das erste Mal das Tyrrhenische Meer sehen können. Der Ausblick aufs Meer und die Küste entschädigt für die Anstrengungen. Wir wandern weiter auf steinigem Untergrund und später auf gekiesten Zufahrtsstrassen zu abgelegenen Anwesen. Als wir die Talsohle erreicht haben, führt der Restweg entlang eines Wasserkanals hinein nach Sarzana.
    Wir sind bereits kurz nach Mittag auf dem Zentralplatz der Altstadt beim Kaffee- und Cola-Trinken. Die Sonne scheint, und die Plätze füllen sich langsam mit Menschen, die das Wochenende geniessen. Nach dem Bezug unseres super schönen Appartements im Nahbereich des Zentrums und der Erfrischung haben wir viel Zeit für die Stadtbesichtigung. Sarzana hat eine sehr schöne Altstadt mit schmucken Gassen, vier Kirchen auf engstem Raum, diverse Denkmäler und eine grosse Festung.
    Der Frühstückseinkauf war trotz Sonntag möglich, die Nahrungsmittelläden sind trotzdem offen. Es ist faszinierend, wie das Leben hier trotz der relativ kleinen Stadt pulsiert.
    Heute wissen wir, wieso die Wege teilweise so matschig sind: Sonntagsbeschäftigung der Italiener ist es, im Wald mit Enduro-Töffs, Bikes und E-Bikes herumzufahren, was den Boden ordentlich aufwühlt. Wir hoffen, dass wir morgen trockenere und festere Wege antreffen. Dennoch bleibt die Natur hier unglaublich vielfältig und eindrücklich.
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  • Massa

    26 Mei 2025, Italia ⋅ ☁️ 21 °C

    Heute wird es wieder ein langer Weg mit 28 km nach Massa. Kaum aus der Stadt Sarzana geht der Weg hoch zum Castello und wieder runter in die Vororte von Sarzana. Bis über Avenza hinaus, etwa dreiviertel der heutigen Strecke gehen wir alles auf stark befahrenen Nebenstrassen, praktisch immer ohne Trottoir. Am frühen Morgen fahren die Italiener auf Schleichwegen gestresst zur Arbeit und nehmen kaum Rücksicht auf den schmalen Nebenstrassen. Es gibt gefährliche Situationen, vor allem wenn Gegenverkehr vorhanden ist, auch bei den vielen unübersichtlichen Kurven. Wir laufen nahezu immer im Gänsemarsch hintereinander. Wir freuen uns auf die Besichtigung des Amphitheaters bei Luni. Nada, alles geschlossen und verriegelt. Fotos machen können wir nur durch den Zaun. Sonst gibt es bis dahin nichts zu sehen, eher zu hören.
    Es kläffen die Hunde aus vielen umzäunten Häusern, teilweise völlig unvorbereitet, so dass man einen Satz zur Strasse hin macht. Das Erschreckpotential ist gross, denn die Hunde lauern wohl den wenigen Pilgern die da täglich vorbeikommen auf.
    In Avenza holen wir im Ostello den Pilgerstempel und reden mit einem Mann. Er spricht etwas Deutsch, da er vor 40 Jahren kurz in Deutschland gearbeitet hat. Er erzählt uns, dass er aus dieser Tätigkeit pro Tag noch eine Rente von 1 Euro bekommt.
    Nach Avenza geht es endlich hoch zum Hügel und zur höher gelegenen Erschliessungsstrasse der weit verstreuten Häuser. Man sieht von unten die grossen Wunden in den Bergen vom Granitabbau (Carrara). In der durchlaufenen Industriezone Ausgangs Avenza wird überall Granit verarbeitet.
    Auf der hochgelegenen Strasse sehen wir viele Wuhrabgänge, die ganze Teilabschnitte der Strassen mitgerissen haben. Eine Stelle war gesperrt, aber ohne Umleitungssignalisation resp. Ausweichmöglichkeit im Nahbereich. Also laufen wir trotzdem durch. Auf einem Strassenreststück von etwa 30 cm zwischen einer Rebmauer und dem Strassenabbruch balancieren wir durch die etwas gefährliche, etwa sieben Meter lange Stelle.
    Die Strasse windet sich entlang der Hügelflanken und im Auf und Ab der Bächläufe. Kurz vor Massa geht es runter in die Stadt. Sie macht auf den ersten Blick nicht viel her. Das werden wir morgen an unserem Ruhetag prüfen.
    Milosch, der Tscheche, den wir seit Fidenza jeden Tag gesehen und mit ihm kurze Gespräche geführt haben, wird morgen weiterziehen, da er am 15. Juni in Rom sein will. Das heisst, wir werden ihn nicht mehr sehen. Schade, wir haben ihn geschätzt. Also verabschieden wir uns bei einem Apéro von ihm.
    Nach Bezug unseres 100 m² Appartements suchen wir einen Schuhmacher, der die abgelaufenen Sohlen von meinen Schuhen bis morgen Abend neu aufsetzen kann. Wir haben ihn glücklicherweise gefunden. Dann geht es noch zum Barbier, wo ich die Haare wieder auf eine Länge von 3 mm stutzen lasse. Anschliessend noch ein Einkauf für das Frühstück unseres Ruhetages.
    Jetzt können wir die Füsse hochlegen und uns auf das Nachtessen freuen.
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  • Massa

    27 Mei 2025, Italia ⋅ ⛅ 21 °C

    Ausgeschlafen frühstücken wir und lassen uns Zeit zum Rausgehen. Wir wollen das grosse Pier in Marina di Massa besichtigen und natürlich auch das Meer sehen. Der Weg zieht sich hin – es sind über 4 km von unserer Unterkunft bis zum Meer. Der Weg führt wieder alles über Strassen mit dichtem Verkehr. Wir müssen immer wieder erstaunt feststellen, dass der Fussgänger und Velofahrer keinen richtigen Platz auf der Strasse haben.
    Zum Thema Trottoir ausserhalb des Zentrums:
    Wenn es ein Trottoir hat, ist es so schmal, dass man fast nicht kreuzen und schon gar nicht nebeneinander gehen kann. Die Autofahrer nutzen die Trottoirs gerne zum Parkieren, die Lieferanten stellen ihre Busse und Laster zum Ausladen der Ware auf den Gehbereich. Teilweise ist der Trottoirbereich so verwachsen, dass dir die stacheligen Brombeerranken an den Kleidern hängen bleiben oder Baumäste dir ins Gesicht peitschen, man über ausgesetzte Abfallbeutel fällt und durch Einfahrten alle paar Meter Fehltritte macht, da das Trottoir um 10–20 cm abgesenkt wurde. Schlaglöcher sind nicht verfüllt oder du triffst auf eine Hundekacke. Hinzu kommt, dass du so eng an umzäunten Häusern vorbeigehen musst und nie weisst, ob ein Hund unverhofft am Zaun hochspringt, ein Baum oder eine Laterne mittig im Trottoir steht. Also: Augen immer offenhalten und nicht abschweifen lassen. Wie das wohl eine Person mit Rollstuhl, Rollator oder Gehhilfe bewältigt?
    Es gibt heute mal etwas anderes zum Mittagessen als Sandwiche – nämlich selbstgemachte Mozzarella Caprese.
    Anschliessend besichtigen wir die Innenstadt von Massa. Es gibt zwei schöne Plätze, sonst sind aber kaum Sehenswürdigkeiten vorhanden. Was auffällt, ist die Architektur: Diverse Gebäude sind teilweise so hässlich, dass sie schon fast wieder schön sind – Gebäude, die wie im Rohbau wirken oder sind, oder bereits marode? Es ist nicht immer klar sichtbar.
    Wichtig war, dass ich meine teilweise neu besohlten Wanderschuhe wieder erhalten habe. So können wir morgen getrost weiterziehen.
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  • Camaiore

    28 Mei 2025, Italia ⋅ ☁️ 23 °C

    Ausgeruht machen wir uns auf den Weg nach Camaiore. Die erste kurze Steigung geht in Richtung Castello Massa hinauf, um dann bald wieder hinabzugehen und etwa 3 km auf der stark befahrenen Hauptstrasse im Berufsverkehr weiterzugehen. Der 200 m Höhenanstieg von Prato über den Hügel zieht sich in diversen Kehren wie eine Passstrasse nach oben, um dann vor dem Abstieg plötzlich vor einer komplett gesperrten Strasse zu stehen. Der Bauarbeiter meint, die Strasse sei gesperrt. Nicht mit uns – eine Umkehr ist für uns undenkbar. Also zwängen wir uns durch die Absperrungen und gehen über das gesperrte Strassenstück.
    Unten im Tal angekommen, im Dorf Ripa, genehmigen wir uns einen Espresso in der Dorfbeiz. Ab hier geht der Weg über Quartierstrassen mit schwer umzäunten Einfamilienhäusern weiter. Im Städtchen Pietrasanta staunen wir nicht schlecht. Bereits am Ortseingang sind diverse Kunstobjekte zu sehen. Und erst im Städtchen selbst und in den Kirchen stehen mehrere grosse Skulpturen. Fernando Botero hat hier auch gewirkt. Pietrasanta ist sehr gepflegt und scheint bei Touristen beliebt zu sein. Auf dem Hauptplatz reihen sich Restaurants aneinander, in den Gassen finden sich viele Edelboutiquen.
    Wir laufen aber weiter – vor uns liegen noch 9 km und ein kleiner Pass. Heute setzen uns die Sonne und der Asphalt etwas zu. Es gibt nur wenige Meter Trampelpfade und wenig Schatten auf der Etappe. Wir sind froh, nach 29 km in Camaiore anzukommen. Umgehend beziehen wir unser Hotelzimmer, werden die Rucksäcke los und geniessen die wohltuende Dusche.
    Anschliessend besichtigen wir das Städtchen. Es gibt eine Hauptgasse mit einem Kirchenplatz. Auf dem Hauptplatz am Anfang der Gasse nehmen wir einen Apéro und amüsieren uns am Dorfleben. Es ist wie in einem Film. Die Akteure wechseln laufend. Es ist ein Kommen und Gehen. Die einen verweilen – wie zwei Frauen mit ihren Hunden, eine Jugendschar, die sich wichtig nimmt, ein streitendes Ehepaar, eine schwarze Jungfamilie, die nicht so recht ins Bild passen will und deren Sohn auf einem viel zu kleinen Rad herumkurvt, eine Schar Knaben mit ihren Velos, die imponieren wollen, ein Mann, der immer wieder nach seinem Kind schreit. Andere wiederum radeln mit ihren Velos oder laufen eilig über den Platz.
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  • Lucca

    29 Mei 2025, Italia ⋅ ⛅ 27 °C

    Es gibt heute Morgen wieder mal ein gutes Morgenbuffet im Hotel. Es lohnt sich, bis 7.00 Uhr zu warten. Bald sind wir aus dem Städtchen draussen, und der Weg führt über einen Waldweg zum Pass Montemagno, von da zum Bergdorf Gualdo und wieder hinunter ins Dorf Valpromaro. Im Ostello werden wir von zwei gastfreundlichen Herren bewirtet. Es gibt extra für uns gebrauten Espresso und Mineralwasser. Wir werden ins Pilgerbuch eingetragen. Nach einem kurzen Palavere zieht es uns bald weiter – Lucca ist unser Ziel, und wir wollen für die Stadtbesichtigung noch genügend Zeit haben.
    Durch Wälder geht es weiter hinab bis zur Strasse, um dann 5 km auf einer heissen und kaum beschatteten Strecke bis San Macario in Piano zu gehen. Nach einem kurzen Besuch der Kirche ist es dann nur noch 1,5 km bis Ponte San Pietro. Über die Brücke des Fiume Serchio geht es auf eine breite, ellenlange Kiesstrasse entlang des Flusses – fast bis nach Lucca. Dann nochmals Asphalt bis in die Innenstadt. Das alles mit wenig Schatten und viel Sonne, was uns etwas auslaugt.
    Nach einem kühlen Getränk haben wir unser Appartement schnell gefunden. Nach dem Füllen der Waschmaschine und der Ankunftserfrischung stehen wir auch schon wieder in den Gassen der Altstadt. Es ist eine sehr touristische Stadt. Auf den Hauptgassen ist es etwas unangenehm mit den vielen Leuten, also ziehen wir lieber durch die Nebengassen.
    Es gibt Kirchen über Kirchen. Imposant sind die Kirche San Michele und die Kathedrale San Martino. Mit dem Pilgerpass kommt man überall gratis rein. Man merkt an den Bauwerken, dass früher wohl viel Geld vorhanden war – heute wohl auch noch, mit all den Touristen.
    Die Stadtmauer kennen wir noch von einem früheren Besuch, daher war diese für uns nicht von grossem Interesse – auch wegen der knappen Zeit. Das Füssehochlegen durfte heute auch nicht fehlen, denn wir waren sehr lange in den Schuhen.
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