• Guido Luterbach
  • Guido Luterbach

Luzern Rom auf dem Pilgerweg

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  • Siena

    4 Juni 2025, Italia ⋅ ☁️ 25 °C

    Wir müssen heute ohne Frühstück los, da das Ostello erst um 08.00 Uhr das Frühstück bereitstellen würde. Warten wollen wir wegen der zunehmenden Wärme nicht, und eine Einkaufsmöglichkeit am Vortag für ein Frühstück gab es leider auch nicht.
    In der skurrilen Tankstelle gleich neben dem Ostello konnten wir wenigstens am Abend vorher einen Schokoladenriegel kaufen – im Umkreis von 5 km war sonst keine Verpflegung zu finden.
    Wir setzen unsere Hoffnung auf Monteriggioni, vielleicht hat dort eine Bar oder ein Café geöffnet. Doch Fehlanzeige: Das einzige geöffnete Restaurant gehört zu einem Hotel und will uns nicht bedienen – "nur für Hotelgäste". Wir sind stinksauer, besonders weil wir wissen, dass bis Siena keine grössere Ortschaft mehr folgt.
    Zum Glück treffen wir etwa auf halber Strecke auf einen geschäftstüchtigen Italiener, der in seinem Garten Pilger auf Spendenbasis verköstigt. Sein Angebot ist erstaunlich vielfältig: Kaffee, Kuchen, Joghurt, Milch, Eier und einiges mehr. Besänftigt und gestärkt wandern wir weiter.
    Monteriggioni selbst thront auf einem Hügel, umgeben von einer weitgehend intakten, alten Ringmauer mit zahlreichen Türmen. Man freut sich auf die Innenstadt – wird aber etwas enttäuscht. Es gibt zwar einen grossen Platz und einige Häuser, doch Sehenswertes ist rar.
    Die heutige Route führt über sehr unterschiedliche Wege: durch schattige Wälder, über angenehme Feldwege, aber auch über staubige Kiesstrassen und kürzere Asphaltstrecken.
    Am frühen Morgen, gegen 06.15 Uhr, ist es noch recht kühl und windig. Doch bereits um 09.00 Uhr spürt man die Sonne, und man beginnt den Schatten zu suchen. Dank des leichten Windes lässt sich die Etappe heute aber relativ gut bewältigen.
    Bereits um 12.00 Uhr erreichen wir den Stadtrand von Siena und gönnen uns ein Sandwich und eine Cola zur Erfrischung.
    Leider müssen wir lange auf den Bezug unseres Appartements warten. Eine Stadtbesichtigung mit schwerem Rucksack ist kaum möglich, also setzen wir uns unter die heute leere, offene und angenehm schattige Markthalle und warten geduldig die Eincheckzeit ab.
    Immer wieder fragen wir uns, warum die Via Francigena so wenig gepflegt wird:
    Das Wegnetz ist teilweise in schlechtem Zustand, oft führen Abschnitte entlang stark befahrener Strassen – ohne begleitende Trampelpfade. Einkaufsmöglichkeiten für Verpflegung sind in manchen Regionen schlicht nicht vorhanden oder zu weit entfernt. Und Frühstückszeiten ab 08.00 Uhr sind in den warmen Jahreszeiten für Pilger einfach zu spät, denn wer früh losgeht, meidet die Mittagshitze.
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  • Siena

    5 Juni 2025, Italia ⋅ ⛅ 20 °C

    Ausschlafen ist heute wichtig und gut zur Erholung nach den vergangenen, anspruchsvollen Etappen. Nach einem selbstgemachten Frühstück geht’s los zur Stadtbesichtigung. Ziel ist insbesondere der Dom.
    Er ist überwältigend – die schiere Grösse, die Farben, der Pomp und die Architektur. Im Inneren des Doms gibt es auch eine Bibliothek zu besichtigen. Der Besuch des angegliederten Museums mit seiner Aussichtsplattform darf natürlich nicht fehlen. Man steigt über eine Wendeltreppe, die in einer Mauer verläuft, hinauf. Beim Hoch- wie auch beim Runtergehen wird einem beinahe schwindlig bei all den engen Kehren.
    Oben angekommen, blickt man über die ganze Stadt hinweg und weit ins Umland. In der Krypta erkennt man gut, dass der Dom in verschiedenen Epochen umgebaut bzw. erweitert wurde.
    Erschlagen von den Eindrücken gönnen wir uns im Appartement eine Siesta. Am Nachmittag schlendern wir der Nase nach durch die Stadt und lassen es uns anschliessend bei einem Apéro gut gehen. Es ist angenehm kühl in der Gasse.
    Das Nachtessen ist heute wieder einmal richtig gut italienisch – ein kleines Restaurant mit einheimischem Publikum. Die Käseplatte mit Salami und Schinken, Scaloppine al Limone, Patate arrosto, Insalata mista und ein Mezzo Litro Vino Rosso runden den Abend perfekt ab.
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  • Buonconvento

    6 Juni 2025, Italia ⋅ ☀️ 28 °C

    Uns erwartet eine lange Etappe, da wir in Ponte d’Arbia keine akzeptable Unterkunft gefunden haben. Es ist auch nur ein kleines „Nest“. Aus diesem Grund haben wir entschieden, bis Buonconvento weiterzugehen, was eine Wegstrecke von 31 km bedeutet.
    Um 6.00 Uhr haben wir Siena bei bedecktem Himmel, aber bereits schwüler Wärme verlassen. Zu Beginn laufen wir über asphaltierte Nebenstrassen mit wenig Verkehr und später vor allem über Kiesstrassen. Teilweise gibt es Verkehr, da die Höfe und Kleinstsiedlungen nur über Kiesstrassen erschlossen sind. Jedes Auto zieht meist eine lange Staubwolke hinter sich her. Leider drosseln nicht alle Autofahrer das Tempo, was die Staubwolke deutlich verringern würde. Wenn man Glück hat, steht man auf der Windseite und kriegt nicht so viel ab.
    Die Wegführung verläuft viel auf den Hügelkämmen im stetigen Auf und Ab. Ab 09.00 Uhr klart der Himmel auf und es wird richtig warm. Schattenbereiche gibt es heute praktisch keine, ausser wenn Wolken sich erbarmen und uns für wenige Meter Schatten spenden. Zeitweise gibt es zu unserem Glück doch noch etwas Wind.

    Dörfer haben wir, mit Ausnahme von Isola d’Arbia und Ponte d’Arbia, keine durchlaufen, dafür zwei Industriezonen. Für einen Halt im ersten Dorf ist es noch zu früh, daher gibt es auf 26 km nichts Kühles zu trinken, lediglich einen kurzen Sandwichhalt mit warmem Wasser aus unseren Trinkflaschen.
    Vor Isola d’Arbia sieht man diverse Brückenpfeiler mit Grasbewuchs auf den Kronen und Unterführungsbauwerke in einer Linie stehen. Die Brückenplatte wurde jedoch nicht gebaut. Neben der Wegstrecke liegen noch, völlig verwachsen, fertig gebundene Bewehrungskörbe für Brückenpfeiler. Weiter stehen ein Silo- und ein Skelettrohbau mit den Erschliessungstreppen im Gelände. War das eine Fehlplanung oder ging das Geld aus?
    Mit Ausnahme einer Kirche, die auf einem Privatgrundstück eingezäunt war, haben wir bis zum Zielort keine weiteren Kirchen gesehen, was uns erstaunt.
    In Buonconvento angekommen, haben wir unser erstes „Gelati“ auf dieser Reise genossen und anschliessend das Appartement bezogen. Das übliche Prozedere wie Rucksäcke auspacken, Duschen, Kleiderwaschen, Füsse hochlegen, Bericht schreiben, Unterkunft für den nächsten Tag suchen und buchen, Dorferkundigung und Einkaufen lief ab. Wir sind schon ein gut eingespieltes Team.
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  • Bagno Vignoni

    7 Juni 2025, Italia ⋅ ☀️ 30 °C

    Gegenüber gestern hat sich bezüglich Aufsteh- und Startzeit, Wetter, Schatten und Wegen nicht viel geändert. Da wir gestern die Strecke um 6 km verlängert haben, haben wir die heutige Strecke ebenfalls wieder um 6 km verlängert. Dies vereinfacht die morgige Etappe, die effektiv 33 km mit ca. 500 m Steigung betragen würde, sodass wir sie nun auf 28 km verkürzen können. Die Steigung zum Etappenziel Radicofani bleibt jedoch.
    Am frühen Morgen ist es richtig neblig und schwülwarm. Auf den Trampelpfaden entlang der Strassen bekommen wir bald von den feuchten, in die Wege hängenden Gräsern nasse Schuhe, Beine und Hosen. Auf dem Weg zum Dorf Tonnerieri wandern wir an diversen Weingütern vorbei. Die Zufahrtsstrassen sind meistens mit Zypressen gesäumt.
    In Tonnerieri, auf halber Strecke, trinken wir vor der ersten Passüberquerung einen Espresso. Nachdem wir den Pass überschritten haben, geht es wieder hoch zum Dorf San Quirico d’Orcia. Dort essen wir vor dem Dorfpark unsere Sandwiches und trinken im nahegelegenen Restaurant eine Cola (unser 5-Jahresbedarf an Cola ist bald gedeckt).
    Noch sind wir nicht am Höchstpunkt: Über eine staubige Kiesstrasse mit einigem Verkehr geht es über 4 km nochmals hoch zum kleinen Burgdorf Vignoni, um nachfolgend wieder alles abzusteigen ins Dorf Bagno Vignoni.
    Was auffällt: Hier sind nur die wichtigen Verkehrsachsen asphaltiert. Sobald man aus dem Dorf raus ist, werden die Dorfverbindungsstrassen zu Kiesstrassen. Jedes Auto in dieser Gegend ist am Heck mit Staub gepudert.
    Heute nächtigen wir wieder einmal im Hotel, das fast doppelt so teuer ist wie die meist gebuchten Appartements, die mehr Komfort und Platz bieten. Naja, wenn es nichts anderes gibt, nimmt man das, was man haben kann.
    Die Dorfbesichtigung ist kurz: Neben der Therme gibt es ein sehr kleines Zentrum um die Hotels. Dazu kann man noch ein altes Bassin aus der Zeit der Römer besichtigen. Bei einem Apéro an einem schattigen Platz und mit guter Musik lassen wir den Nachmittag ausklingen.
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  • Radicofani

    8 Juni 2025, Italia ⋅ ☀️ 27 °C

    Wie üblich in den letzten Tagen stehen wir um 5.00 Uhr auf. Bereits dreiviertel Stunden später sind wir auf dem Weg, ausgerüstet mit einem Lunchpaket vom Hotel. Heute gibt es weder Dunst noch Wolken am Himmel, und bereits früh taucht die Sonne auf und gibt uns die Wärme zu spüren. Wir wissen, dass es hart wird, denn am Schluss kämpfen wir mit den Steigungen und der Hitze in der prallen Sonne. Ein Dorf auf der Etappe gibt es auch nicht.
    Schattige Abschnitte sind praktisch inexistent. Die Wanderung beginnt mit einer nicht angekündigten Brückensperrung (passiert auf der via Francigena immer mal wieder, die Italiener wandern wohl nicht). Also kehren wir um und suchen den Weg über die Hauptstrasse. Dann laufen wir auf Feldwegen und Kiesstrassen hoch über die Hügel. Bis zur Hälfte der Strecke geht es noch recht gut. Aber dann wird es so richtig heiss. Bei den Kiesstrassen brennt es auch noch von unten wegen der Abstrahlung. Auf den Trampelpfaden wird man durch das brusthohe Gras extrem gebremst, da es sich in den Schuhen verfängt. Zudem muss man die Gräser immer wieder wegschieben, damit man nicht zum Käferfänger wird.
    Eine Zeitlang geht es entlang des Torrente Formone, was uns etwas schattige Abschnitte durch den Buschbewuchs beschert. In einem sandigen Wasserbecken machen wir Halt und kühlen unsere heissen Füsse. Wir wissen, dass wir den 500 m Anstieg noch vor uns haben. Endlose Wege im offenen Gelände, auf bewachsenen Kiesstrassen, auf Trampelpfaden entlang der Passstrasse oder auf der Strasse selbst führen hoch Richtung Radicofani.
    Unser schales Wasser aus den Trinkflaschen geht langsam zu Ende. Nach 500 m Wegstrecke hat man wieder einen trockenen Mund. Man sieht von Weitem immer Hecken, Baumgruppen oder waldartigen Bewuchs und freut sich auf den kommenden Schatten. Weit gefehlt – der Weg führt immer daran vorbei.
    Endlich, oben in Radicofani angekommen, holen wir den Pilgerstempel im „Rathaus“ (zwei Personen arbeiteten am Sonntag!) und steuern dann das erste Restaurant an, stürzen eine kühle Cola herunter und sind glücklich, angekommen zu sein. Bereits um 13.30 Uhr beziehen wir das Appartement. Die Waschmaschine wird gefüllt, danach duschen wir, werfen die Kaffeemaschine an und die Welt ist wieder in Ordnung.
    Wir haben Glück bezüglich Einkaufsmöglichkeiten für Frühstück und Wanderverpflegung – ein Laden hat offen. Anschliessend gönnen wir uns auf dem Dorfplatz unter den Bäumen vor der Kirche einen Apéro und schauen dem Treiben der Anwohner zu, die sich hier zum Schwatz treffen.
    Das kleine mittelalterliche Dorf Radicofani ist sehr gepflegt und verfügt über eine Hauptgasse, verwinkelte Nebengassen und kleine Plätze.
    Die heutige Landschaft haben wir als sehr trocken empfunden. Es gibt viele brachliegende Felder, die Hügel erscheinen kahl und teilweise ungenutzt. Auf dem Weg sahen wir auch einige verlassene Höfe. Auch im Dorf steht an einigen Türen „vendesi“. Landflucht oder Nachwuchsmangel?
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