Roadtrip an der Ostküste 🇺🇾
16.–23. jouluk. 2025, Uruguay ⋅ 🌬 21 °C
Mit dem Bus in Montevideo angekommen, checkten wir direkt in einem super schönen Hostel ein und erkundeten Montevideo am Nachmittag zu Fuß. Wir liefen durch die Altstadt, zur Port Hall am Hafen und sahen uns den Plaza de Independencia an, der unweit unserer Unterkunft lag.
Am nächsten Tag fuhren wir mit Uber über die längste Rambla der Welt zum Flughafen. Dort holten wir uns bei Localiza unseren Mietwagen (Peugeot 208) ab, mit dem wir die nächsten sechs Tage die Ostküste des Landes erkunden sollten. Da mein erstes Auto ein Peugeot 207 war, freute ich mich, einen gefühlt alten Bekannten wiederzuhaben.
Von Montevideo fuhren wir zunächst in den kleinen Küstenort La Paloma und schauten uns den Ort sowie den tollen Sandstrand an. Von hier ging es am nächsten Tag weiter die Küste hinauf nach Cabo Polonio.
Cabo Polonio wird in Uruguay zunehmend beliebter und ist ein kleines Fischerdorf, das nur über 4x4-Trucks erreicht werden kann, da der Zugang über Sanddünen erfolgt. Das Dorf selbst verfügt über keinen Strom, und Autos sind verboten. Dort angekommen war unser erster Stopp die große Seelöwenkolonie, die hier ansässig ist. Unzählige Tiere sonnten sich auf den Felsen oder schwammen im Ozean und jagten Fische. Dass es leider nicht immer so friedlich zugeht, zeigten die Gesichter und Körper der Seelöwen: Viele trugen große Narben oder frische Wunden von Kämpfen untereinander. Zwei Exemplare waren dabei besonders stark verletzt. Nachdem wir die Tiere lange beobachtet hatten, erkundeten wir den Rest des Dorfes und lagen anschließend am tollen Sandstrand.
Gegen 14 Uhr ging es mit dem Truck zurück zum Auto und weiter in den Santa-Teresa-Nationalpark. Dieser Park ist bekannt für seine schönen Strände und Capybaras, die hier frei herumlaufen und die wir unbedingt sehen wollten. Als wir direkt am Eingang eine Capybara-Mutter mit ihrem Nachwuchs sahen, waren wir super happy. Später stellte sich allerdings heraus, dass die Tiere hier wirklich überall sind. 😅 Die Wasserschweine sind extrem entspannt und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Gelegentlich landet sogar ein Vogel auf ihrem Kopf, ohne dass sie sich daran stören.
Später ging es tiefer in den Park, wo wir uns zwei weitere Strände anschauten. Auch diese waren wunderschön – Uruguay bietet mit die schönsten Strände unserer gesamten Reise. Das ist sicher auch ein Grund, weshalb so viele Argentinier ihre Feiertage hier verbringen.
Die Nacht verbrachten wir in Punta del Diablo in der Nähe des Parks. Nach einem leckeren Frühstück fuhren wir zum Eingang des Monte-de-Ombrú-Parks und trafen uns dort mit Patricio und Marianne, die wir in Argentinien kennengelernt hatten und die inzwischen hier leben. Nach einem herzlichen Wiedersehen fuhren wir mit einem kleinen Fischerboot etwa 15 Minuten über den Fluss zum Ombrú-Wald. Diese Bäume kommen nur an zwei Orten in Uruguay vor und weisen Eigenschaften verschiedener Pflanzenarten auf, weshalb sie nicht eindeutig als Bäume klassifiziert werden können. So können Ombrús große Verletzungen selbst reparieren, mit anderen Ombrús vollständig fusionieren und leben in Symbiose mit den umliegenden Pflanzenarten. Auch ihre Struktur mit zahlreichen Höhlen ist äußerst faszinierend. Gemeinsam erkundeten wir den Wald und hörten unserem Guide sowie Patricio, der ebenfalls als Guide arbeitet, aufmerksam zu. Anschließend gingen wir gemeinsam Mittag essen und erfuhren viel Spannendes über Uruguay. Obwohl das Land als fortschrittlich und sehr sicher gilt, weist es eine der weltweit höchsten Suizidraten bei 18- bis 23-Jährigen auf. Erklärungen dafür sind unter anderem die hohen Lebenshaltungskosten, der geringe religiöse Glaube und eine schwache nationale Identifikation, da viele Bürger Nachfahren von Einwanderern sind. Am Nachmittag zeigte uns Patricio noch die wunderschöne Laguna Rocha, die auch für Flamingo-Sichtungen bekannt ist.
Nach der Verabschiedung fuhren wir zurück nach La Paloma und von dort weiter Richtung Montevideo. Auf dem Weg besuchten wir ein Museum für moderne Kunst, das sich über einen großzügigen Park erstreckt und zahlreiche Skulpturen eines lokalen Künstlers zeigt. Das Museum – wie viele Sehenswürdigkeiten und Parks in Uruguay – ist kostenlos und in hervorragendem Zustand. Am Abend suchten wir uns eine Unterkunft in Piriápolis. Der Ort liegt unweit von Patricios und Mariannes Zuhause, sodass wir uns am nächsten Morgen erneut trafen – diesmal am Fuße des Cerro Pan de Azúcar. Mit Patricio wanderten wir bei rund 30 Grad zum Gipfelkreuz, während Marianne unten im Park blieb, um für ein Examen zu lernen. Anschließend besuchten wir noch eine Aufzuchtstation für verletzte Tiere, in der auch ein Puma untergebracht war. Damit sahen wir endlich unseren ersten Puma, der hoffentlich bald wieder ausgewildert werden kann. Nach leckeren Empanadas verabschiedeten wir uns erneut und sind sehr dankbar für die gemeinsame Zeit.
Am nächsten Tag gaben wir unser Auto am Flughafen in Montevideo zurück und fuhren mit einem absolut verrückten Busfahrer in die Stadt. Dort besuchten wir das Estadio Centenario, in dem 1930 das erste Spiel einer Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde. Uruguay gewann damals das Finale mit 4:2 gegen Argentinien. Anschließend besuchten wir das „Anden 1972“-Museum, das der unglaublichen Geschichte eines uruguayischen Rugby-Teams gewidmet ist.
Im Jahr 1972 befanden sich 45 Personen (40 Passagiere und 5 Crewmitglieder) auf dem Flug nach Chile zu einem Sportevent. Durch schlechtes Wetter und eine Fehleinschätzung des Piloten stürzte das Flugzeug auf etwa 3.600 Metern Höhe in den Anden ab, nachdem der Rumpf eine Bergspitze gerammt hatte. Insgesamt 29 Menschen starben beim Absturz oder kurz danach. Die Überlebenden waren 72 Tage extremsten Bedingungen ausgesetzt, mit Temperaturen von bis zu −30 °C. Um diese Kälte erfahrbar zu machen, ist im Museum eine Kältekammer installiert, die uns für knapp eine Minute bei −20 °C einschloss.
Am Ende überlebten 16 Personen. Um zu überleben, griffen sie unter anderem auf das Fleisch der Verstorbenen zurück und entwickelten strenge Regeln und Strukturen – später als „Society of the Snow“ bezeichnet. Die Geschichte geht einem sehr nahe; das Museum zeigt Interviews der Überlebenden sowie zahlreiche Fundstücke, die später aus dem Eis geborgen wurden. Die Ereignisse wurden auch von Netflix verfilmt.
Nach einem Steak (vorerst mein letztes – Neujahrsvorsatz: kein Fleisch mehr) fuhren wir zurück zur Unterkunft und am nächsten Tag weiter zum Flughafen mit dem Ziel Salvador, Brasilien.
Uruguay hat uns beiden außerordentlich gut gefallen. Wir sind dankbar, dass unsere lange Reise uns auch in Regionen führt, die man nicht sofort als klassisches Reiseziel im Kopf hat. Die wunderschönen Strände, die Vielfalt des Landes und vor allem das Wiedersehen mit Freunden bleiben uns in sehr schöner ErinnerungLue lisää



























Janina Lampe
Sooo putzig
Matkaaja
Dankeschön 🙏 und frohe Weihnachten euch allen 🎁🎊🎊🎅
Matkaaja
Liebe Grüße von dehoam. Frohe Weihnachten!