• Die Anden-Region & Mindo ⛰️🦜

    Jul 14–31 in Ecuador ⋅ ☀️ 13 °C

    Nach der Landung in Guayaquil ging es für uns direkt weiter ins etwa drei Stunden entfernte Cuenca. Die Stadt liegt bereits im ecuadorianischen Hochland und gilt als Geburtsort des Panama-Huts. Zudem ist sie der ideale Ausgangspunkt für den Cajas-Nationalpark, der für seine wunderschöne Páramo-Landschaft bekannt ist.

    Dort verbrachten wir auch unseren ersten vollen Tag und wanderten die Ruta 1. Die Wanderung weckte in uns Erinnerungen an Patagonien – mit den vielen kleinen Seen, den Bergen und der wilden Flora. Obwohl die Tour mit rund drei Stunden eher kurz ist, macht sich die Höhe von knapp 4.000 Metern deutlich bemerkbar. Willkommen in den Anden! ⛰️Anschließend ging es für uns in einem viel zu vollen Taxi (sechs Personen) zurück nach Cuenca, wo wir den Abend entspannt ausklingen ließen.

    Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus für nur wenige Dollar weiter nach Riobamba. Generell sind die Busse in Ecuador super günstig und für uns das Fortbewegungsmittel der Wahl. Riobamba diente uns allerdings erneut nur als Sprungbrett zum nahegelegenen Chimborazo. Der Chimborazo ist der höchste Berg Ecuadors und gleichzeitig der höchste Vulkan des Landes. 🌋 Aufgrund der abgeflachten Form der Erde am Äquator ist sein Gipfel zudem der Punkt auf der Erdoberfläche, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt liegt.

    Gemeinsam mit unserem Guide Paul machten wir uns auf den Weg zum Chimborazo. Unterwegs hielten wir an einer tiefen Schlucht, machten ein paar Fotos und probierten ein traditionelles ecuadorianisches Heißgetränk. Anschließend ging es bis zum Parkplatz auf 4.600 Metern Höhe. Von dort kämpften wir uns langsam zum ersten Refugio auf 4.800 Metern und anschließend weiter zum zweiten Refugio auf 5.000 Metern. Hatten wir bei der Anfahrt noch strahlenden Sonnenschein, zogen unterwegs langsam Wolken auf und brachten kalten Wind sowie deutlich niedrigere Temperaturen mit sich. Nach einer kurzen Pause stiegen wir noch zur Laguna Condor Cocha auf etwa 5.150 Metern Höhe auf. Aufgrund der Trockenzeit führte sie allerdings kaum bzw. gar kein Wasser. Sowohl Antra als auch ich waren noch nie höher in unserem Leben gewesen – das erste Mal über 5.000 Meter! 🥳

    Am nächsten Tag ging es weiter nach Baños. Das kleine Bergstädtchen ist zwar etwas touristischer, bietet dafür aber viele schöne Cafés und Restaurants. Einen Tag später liehen wir uns zwei Fahrräder, um die Ruta de las Cascadas mit ihren sieben Wasserfällen zu erkunden. Der Besitzer des Fahrradverleihs erzählte uns, dass seine Frau und Tochter aktuell in Deutschland – genauer gesagt in Klingenberg – wohnen. Quasi unsere Nachbarschaft. 😀

    Mit den Fahrrädern fuhren wir rund 20 Kilometer entlang der Straße und hielten immer wieder an, um die Wasserfälle an den umliegenden Berghängen zu bestaunen. 🚴Das Highlight der Strecke ist der Wasserfall Pailón del Diablo. Nach einer kurzen Wanderung kehrten wir in einem kleinen Café ein und genossen den beeindruckenden Wasserfall, der als einer der schönsten Ecuadors gilt. Anschließend radelten wir noch einige Hundert Meter weiter und liefen auch die große Runde, um den Wasserfall zusätzlich von der gegenüberliegenden Seite zu sehen. Danach luden wir die Fahrräder in einen vorbeifahrenden Bus und fuhren zurück nach Baños.

    Von dort brachen wir am nächsten Morgen nach Latacunga auf, um in den darauffolgenden drei Tagen den Quilotoa Loop zu wandern. Dieser startet in Sigchos und führt über die Bergdörfer Isinliví und Chugchilán bis zum Kratersee Quilotoa. Die Gesamtstrecke beträgt zwar nur rund 40 Kilometer, allerdings haben es sowohl die Höhe als auch die Anstiege in sich. Man bewegt sich konstant zwischen 2.600 und knapp 4.000 Metern Höhe und legt insgesamt mehr als 2.500 Höhenmeter zurück. ⛰️

    Bei bestem Wetter konnten wir die drei Wandertage in vollen Zügen genießen und waren von der abwechslungsreichen Landschaft begeistert. Unterwegs und in den Unterkünften trafen wir einige andere Wanderer, mit denen wir uns schnell verstanden und immer wieder gemeinsam ein Stück des Weges liefen. Gleiches galt für die zahlreichen freilaufenden Hunde, die sich uns gelegentlich für einige Kilometer anschlossen. Als wir schließlich den Quilotoa-See erreichten, hatten wir – anders als vorhergesagt – traumhaftes Wetter und eine fantastische Sicht auf den türkisfarbenen Kratersee. Außerdem waren wir stolz darauf, die Wanderung erfolgreich geschafft zu haben. Denn anstrengend war sie definitiv!

    Nach einer weiteren Übernachtung in Latacunga, wo wir auch unser großes Gepäck zurückgelassen hatten, besuchten wir noch den wohl bekanntesten Vulkan Ecuadors: den Cotopaxi. Auch hier hatten wir wieder großes Wetterglück. Statt Regen erwarteten uns Sonnenschein und gute Sicht auf den Vulkan. Nach einigen Fotos parkten wir erneut auf 4.600 Metern Höhe und liefen langsam hinauf zum Refugio auf 4.800 Metern. In der gemütlichen Hütte gönnten wir uns eine heiße Schokolade und Empanadas. An einer Wand entdeckten wir sogar eine kleine lettische Flagge – die erste, die wir während unserer Reise gesehen hatten. Anschließend wollten wir noch ein zweites Mal die 5.000-Meter-Marke knacken und kämpften uns bis genau auf diese Höhe hinauf. Dort oben war es so kalt, dass sich überall Eis und Eiszapfen gebildet hatten. 🥶 Deshalb machten wir nur kurz ein paar Fotos und stiegen anschließend wieder zum Auto ab.

    Morgen verlassen wir die Andenregion und fahren weiter nach Mindo, einem kleinen Ort mitten im Nebelwald. Insgesamt hat uns unsere Zeit im Hochland unglaublich gut gefallen. Die Landschaften sind beeindruckend, die Menschen ausgesprochen freundlich, das Essen günstig und – mit Ausnahme von Baños – begegneten wir nur wenigen anderen Touristen. Ecuador entwickelt sich für uns immer mehr zu einem der schönsten Länder unserer Reise – und das hätten wir im Vorfeld definitiv nicht erwartet.

    In Mindo buchten wir für den nächsten Morgen eine „Birdwatching Tour“, um vor allem die auffälligen Andenfelshähne zu sehen. Kurz nach 5 Uhr ging es für uns – ohne Frühstück – zu einem Balzplatz (Leck) der Vögel. Von einem kleinen Ausguck aus konnten wir etwa zehn der knallroten Vögel bei ihren Tänzen beobachten, während im Hintergrund langsam die Sonne aufging. Unser Tagesziel war also bereits erreicht! 😀

    Nach knapp zwei Stunden ging es mit unserem Guide weiter und wir machten uns bei einer Wanderung durch den Nebelwald auf die Suche nach Tukanen. Während wir anfangs noch kein Glück hatten, entdeckten wir später ein Vogelnest in einer abgestorbenen Palme. Aus dem Eingangsloch schaute ein kleiner Baby-Tukan heraus, der laut nach seiner Mama rief. Wenig später kam diese dann auch angeflogen. 🦜 Ein wirklich cooles Erlebnis!

    Anschließend fuhren wir mit dem Pickup zu einem kleinen Häuschen auf einem Hügel. Von dort hatten wir eine tolle Aussicht auf die umliegenden Bäume und konnten viele verschiedene Kolibri-Arten entdecken. Nach einer Weile kamen dann auch die Tukane vorbei, deren Federkleider nahezu jede erdenkliche Farbkombination zeigten. Am Ende sahen wir tatsächlich alle fünf Tukanarten, die hier vorkommen. 🤩 Mit unserer Ausbeute waren wir daher mehr als zufrieden. Die Tour selbst war allerdings viel zu teuer für das, was sie bot. Letztendlich wartete man nur an drei verschiedenen Spots und zahlte dafür über 100 Dollar.

    Am nächsten Tag fuhren wir zur kleinen Seilbahn „Tarabita Mindo“ und überquerten damit die Schlucht. Auf der anderen Seite wanderten wir zwei verschiedene Routen und schauten uns einige Wasserfälle an. Auch hier konnten wir wieder zwei Tukane sowie viele Papageien beobachten und waren dabei fast die ganze Zeit alleine unterwegs.

    Den letzten Tag in Mindo ließen wir gemütlich ausklingen. Nach einem späten Frühstück telefonierten wir mit Familie und Freunden und planten unsere Weiterreise nach Peru. In Mindo fanden wir übrigens auch das kleine Restaurant „Persian House“, in dem wir vermutlich die besten Falafel unseres Lebens gegessen haben! 🧆

    Damit war unsere Zeit in Ecuador auch schon wieder vorbei. Das Land hat uns wirklich begeistert und ist für uns eine 100%ige Empfehlung!
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