• Fahrt nach Zagora

    March 6 in Morocco ⋅ ☁️ 16 °C

    Heute Morgen wurde ich nach dem Frühstück um 11 Uhr von einem Taxi abgeholt, das mich auf eine lange Fahrt in den Süden nach Zagora bringt. Mein Fahrer war freundlich und aufmerksam, und immer wieder unterhielten wir uns auf Französisch, während Marrakesch langsam hinter uns zurückblieb.

    Zunächst führte die Straße über überraschend gut ausgebaute Autobahnen aus der Stadt hinaus. Doch schon bald änderte sich die Landschaft, und wir tauchten immer tiefer in das Atlasgebirge ein. Nach fünf Jahren Dürre hatte es in diesem Winter endlich wieder reichlich geregnet und geschneit. Die Hänge leuchteten in einem fast unerwarteten Grün, während an manchen Stellen noch Geröll auf der Straße lag – Spuren der Wassermassen, die aus den Bergen heruntergespült worden waren.

    Immer wieder säumten kleine Stände den Weg, an denen Mineralien und Halbedelsteine verkauft wurden. Das Atlasgebirge gilt als eine wahre Schatzkammer der Geologie: Amethyste, Achate und Geoden stammen von hier, ebenso wie Apatit aus der Region um Imilchil oder Vanadinit und Fluorit aus der Gegend von Midelt und Mibladen. Besonders eindrucksvoll sind die tiefvioletten Amethyste, die in Basaltgeoden wachsen und im Sonnenlicht beinahe zu leuchten scheinen.

    Mit jeder Kurve öffneten sich neue, eindrucksvolle Perspektiven. Wir fuhren durch enge Canyons, vorbei an schneebedeckten Gipfeln und über Bergpässe von mehr als 2000 Metern Höhe. Über uns spannte sich ein makellos blauer Himmel.

    Entlang der Strecke passierten wir immer wieder kleine Gendarmerie-Checkpoints – ein vertrauter Anblick auf den Straßen Marokkos. Dazwischen spielte sich das ruhige Leben der Berge ab: Schaf- und Ziegenherden zogen über die Hänge, Kühe standen auf kleinen Feldern, und Transporter fuhren vorbei, hoch beladen mit Stroh.

    Etwa zweieinhalb Stunden vor Zagora erreichten wir Ouarzazate. Für marokkanische Verhältnisse wirkt die Stadt fast überraschend modern, mit breiten Straßen und klaren Strukturen. Bekannt ist sie vor allem als das „Hollywood Afrikas“, denn hier befinden sich die Atlas Film Studios, eines der größten Filmstudios der Welt. Zahlreiche internationale Produktionen wurden hier realisiert – darunter Gladiator, Lawrence of Arabia, The Mummy oder auch Szenen aus Game of Thrones. Die umliegenden Wüstenlandschaften und historischen Kasbahs liefern dafür eine Kulisse, die kaum künstlich zu übertreffen ist.

    Hinter Ouarzazate öffnet sich die Landschaft erneut. Inmitten der trockenen Weite erscheinen immer wieder kleine grüne Oasen, umgeben von Palmen und alten Kasbahs. Moderne Häuser und kleine Hotels sind oft im traditionellen Lehmbau errichtet und fügen sich fast nahtlos in die Farben der Landschaft ein.

    Etwa eine Stunde vor Zagora verändert sich das Bild noch einmal deutlich. Die Landschaft wird zunehmend von Palmenhainen geprägt, die sich entlang der Täler ausbreiten. Die Häuser wirken hier fast alle wie kleine Kasbahs – aus Lehm gebaut, in warmen Erdtönen, als wären sie aus der Landschaft selbst herausgewachsen.

    Je weiter wir in den Süden kamen, desto mehr veränderte sich auch das Leben entlang der Straße. Die Menschen wirken hier oft dunkler von der Sonne und den Wurzeln der Sahara geprägt, und die muslimischen Frauen tragen auffallend schöne, farbenfrohe Gewänder. Zwischen den erdigen Farben der Landschaft leuchten ihre Stoffe in kräftigen Rot-, Blau- und Gelbtönen und bringen eine lebendige, fast fröhliche Note in diese weite, ruhige Gegend.

    Und dann, nach sieben Stunden Fahrt, kam ich endlich in Zagora an. Gemeinsam fanden wir den Weg zu dem Campingplatz, wo schon liebe Menschen und mein Freund Klaus auf mich warteten. Die Freude war groß, endlich angekommen zu sein. Am Ende dieses langen Reisetages saßen wir zusammen, aßen eine wunderbar duftende Tagine und verbrachten einen warmen, schönen Abend mit großartigen Menschen – ein perfekter Abschluss dieser Reise in den Süden.
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