Am Tag als der Regen kam
September 2 in Japan ⋅ ☁️ 18 °C
Kaum aufgewacht, schon nass gemacht - es regnet am Akan-See!
Eigentlich hätten wir heute morgen eine Runde um den See drehen wollen, aber dann wären unsere Schuhe eventuell nass und heute um 13 Uhr treffen wir uns ja zum "Immersive Forest Walk" mit einem Nachkommen der Ureinwohner Japans, den Ainu.
Also gammeln wir auf unserem Zimmer rum und ich zeige euch, wer diesen Höllenlärm an Grillenzirpen verursacht: die japanische Zikade und anschließend ein unheimlich aussehender, aber total friedlicher Geselle, der Gattung Heuschrecke, die Gewöhnliche Schrecke.
Um 13 Uhr holte uns Kengo Tamaguchi ab, unser indigener Guide.
Er ging mit uns durch den angrenzenden Akan-Wald und erklärte uns Bäume, Pflanzen und Tiere. Der leichte Regen störte uns nicht, aber es waren halt keine Tiere zu sehen, außer einer Spinne, die aber, anscheinend fotoscheu, sich schnell in höhere Gefilde hochseilte.
Kengo meinte, sonst könne man hier sogar Hirsche sehen, die es sich hier genüsslich schmecken ließen. Überall waren ihre Fraßspuren zu sehen.
Es wächst hier, wie überall auf Hokkaido, Zwergbambus, dessen frische Triebe auch zur Lieblingsspeise der Sika-Hirsche gehört. Wir kamen an heißen Quellen vorbei, die teils eine hohe Schwefelkonzentration hatten, teils nur noch blubbernde Schlammlöcher oder dampfende Teiche waren. Der See hat klares Wasser und eine Besonderheit, das Kugelmoos (Marimo), das überall präsent ist. Es ist aber tatsächlich eine Algenart der Grünalgen, um die ein ziemlicher Hype entstanden ist.
Häufig sieht man den hochgiftigen Eisenhut lila blühen obwohl es schon auf den Herbst zugeht. Einige Bäume haben schon verfärbte Blätter.
Akan hat eine größere Ainu-Population und ein eigenes kleines "Dorf". Vor ca 150 Jahren wanderten die Japaner in Hokkaido ein. Und in den Jahre nach 1944 wurden die Ainu von den Kurilen-Inseln, wie z.B. Kunashiri, von den russischen Machthabern vertrieben, die die Inseln bis heute besetzt halten.
Nach der Waldtour gingen wir am See entlang zum Hotel "Akan Yuko No Sato Tsuruga" in dem die geschnitzten Kunstwerke seines Vaters ausgestellt sind. Eine ganz besondere Figur, die sein Vater für den CEO des Hotels geschnitzt hatte, als dessen Frau bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, hat auch mich berührt.
Weiter führte uns unser Guide ins Ainudorf, in dem er einen kleinen Laden hat.
Dort stattete er uns mit traditioneller Kleidung aus und zeigte uns die letzten Werke seines Vaters, den er sehr verehrt.
Bei einem Brieföffner wurde ich schwach, weil er so schön geschnitzt ist, den musste ich haben.
Nach längerem Verabschieden und unzähligen Verbeugungen gingen wir zu Fuß durch Dörfchen und zurück zu unserem Hotel. Inzwischen goss es in Strömen, so dass zur Regenjacke der Schirm herhalten musste.Read more






































