• 007 Reisebericht Canada 03. – 08.06.26

    June 11 in Canada ⋅ ☁️ 14 °C

    007 Reisebericht Canada 03. – 08.06.26

    Die bisherige Reisestrecke beläuft sich mittlerweile auf 5.490 km. Unser nächster Teilabschnitt Winnipeg – Yorkton – Saskatoon – Innisfree - Elk Island National Park umfasst nun zusätzliche 1.280 km.

    Auf den Weg nach Yorkton passieren wir wieder einmal eine Zeitzone. In der Provinz Saskatchewan haben wir einen Zeitunterschied von 8 Stunden im Vergleich zu Overath. Yorkton hat für uns nur eine Übernachtungsfunktion. Es ist eine Kleinstadt am Trans Canada Highway ohne nennenswerte Attraktionen.

    Wieder eine nette Begegnung in der Touristeninformation. Wir dürfen dort übernachten, wissen jetzt alles über die Stadt und haben uns im Gästebuch verewigt. Außer uns übernachten noch 3 weitere Womos, ein paar lernen wir kennen. Erst wird englisch geredet, dann deutsch, und letztendlich schwitzerdütsch. Hannes hatte seine Freude. Die beiden Schweizer sind 1997 nach Toronto ausgewandert, wollen demnächst aber wieder zurück in die Heimat – nach Rapperswil am Zürichsee.

    Die Landschaft in Saskatchewan ist vollständig von der Landwirtschaft geprägt. Getreideanbau, soweit das Auge reicht. Immer wieder fahren wir an Getreidesilos vorbei. Kleinere für die LKWs, größere für die Eisenbahn Waggons. Wir sehen Frachtzüge mit vier Zugmaschinen und mindestens 100 Waggons. Bei Hundert haben wir aufgehört zu zählen. Das ist schon wirklich sehr imposant.

    Aber es gibt auch andere kleine Anekdoten auf der Fahrt, wie das Angebot eines Gebrauchtwagenhändlers am Highway oder ist’s doch eher ein Autofriedhof? Wieder irgendwo im nirgendwo. Unmengen an Oldtimern, die hier am Stück oder in Einzelteilen angepriesen werden. Einige davon könnten vielleicht auch für die Demolition Derbys genutzt werden…..
    Echte Oldtimer Liebhaber vermuten wir hier weniger, aber wer weiß…..

    Saskatoon ist eine deutlich interessantere Stadt (250.000 Ew). Sie erstreckt sich wunderschön entlang eines Flußes. Aufgrund ihrer vielen Brücken wird die Stadt auch „Stadt der Brücken“ oder „Paris der Prärie“ genannt. Am Fluß, an dem wir auch zentrumsnah einen tollen Stellplatz finden, verläuft der Meewasin Valley Trail. Ein Trail für Radfahrer und Wanderer, der viele Parks entlang des Flusses verbindet. Das frei zugängliche Sportangebot in den Parks in Zentrumsnähe ist immens (Skateranlage, Basketballplätze, Fitnessareal). Zumindest das Fitnessareal haben wir auch fleißig genutzt. In den letzten Wochen konnten unsere Gelenke und Muskeln im Oberkörper nicht wirklich eingesetzt werden. Der Ausgleich war uns daher sehr willkommen.
    In der Stadt haben wir das Museum Remai Modern besucht, welches die umfangreichste Sammlung an Linolschnitten von Picasso beherbergt. Der Eintritt ist kostenfrei, es wird lediglich um eine „Donation“ gebeten. Leider wurde ausgerechnet der Raum der Picasso Werke neugestaltet. Er war also nicht zugänglich. So haben wir uns die weiteren Ausstellungen angeschaut, die sich thematisch schwerpunktmäßig mit der indigenen Vergangenheit und Gegenwart in der Kunst beschäftigen. Das ist in der kanadischen Kunstwelt derzeit ein omnipräsentes Thema, denn ähnliche Ausstellungen wurden auch in den anderen Großstädten (Quebec, Montreal, Ottawa, Winnipeg) angeboten. Nur haben wir diese bisher immer gemieden ….. Jetzt sind wir quasi reingestolpert – und es waren auch einige ansprechende Arbeiten dabei.
    Nett war die Begegnung mit Heike, eine gebürtige Düsseldorferin, die vor 30 Jahren nach Kanada ausgewandert ist, und jetzt im Museum mitarbeitet. Heike und Jürgen hatten direkt eine gemeinsame Ebene – beides Düsseldorfer. Außerhalb der Stadt haben wir – auf der Suche nach Bisons – den Wanuskewin Heritage Park besucht. Der Ort wird als heilige Kulturstätte angepriesen, er ist eine wichtige Ausgrabungsstätte in Kanada und steht auf der Vorschlagsliste für das UNESCO Weltkulturerbe. Da die Bisons 500 Meter entfernt waren, und keine Anstalten machten näher zu kommen, haben wir den zugänglichen Trail abgelaufen und uns anschließend die Ausstellung näher angeschaut. Die Jugendlichen, die hier mit mehreren Schulbussen angereist waren, hatten den meisten Spass auf dem Spielplatz. Und das haben wir verstanden. Vielleicht waren wir von den fehlenden Bisons so enttäuscht, dass wir den Zugang zu dieser Kultstätte dann nicht gefunden haben. Wie auch immer, wir hatten insgesamt zwei schöne Tage in Saskatoon, die wir so eigentlich nicht erwartet haben.

    Unsere nächste Tagesetappe führt uns bis Innisfree. Willkommen in der Provinz Alberta. Innisfree ist ein unscheinbarer Ort irgendwo im Nirgendwo. Unterwegs haben wir noch eine Begegnung der besonderen Art. Während der Fahrt werden wir auf dem Highway von einem Motorradfahrer überholt, der merkwürdige Zeichen gibt. Er zeigt immer auf die Rückseite seines Motorrades. Wir verstehen nur Bahnhof. Aber er ist hartnäckig, wir sind nur irritiert. Ist was bei uns defekt? Brennt der Auspuff? Also – stoppen wir am Straßenrand und schauen nach. Nichts, alles bestens. Wir wollen weiterfahren, da klopft es an der Tür. Wieder dieser Kerl!!!! Dann klärt sich die Geschichte. Was haben wir für ein Auto? Und wo kommen wir her? Seine Zeichen galten dem Nummernschild. TATA!!!!!
    Wir finden einen Stellplatz auf einem großen Parkplatz mit Blick auf einen See. Alles ganz für uns alleine. Besser als jeder Campground! Das Wetter wechselt gerade von Sonnenschein und viel zu warm hin zu dunklen Wolken und Gewitter. Unser Panaramablick auf den See verändert sich also ständig.

    Unser Ziel am nächsten Tag ist der Elk Island National Park. Wir wählen einen Platz auf einem Campground, den wir auch ohne Reservierung bekommen. Die Campgrounds von ParkCanada haben eine spezielle Preispolitik. Grundsätzlich zahlt man eine Gebühr für den Nationalpark und eine Gebühr für den Campground. Jedoch entfällt in der Hochsaison die Gebühr für den Nationalpark. Entsprechend reisen die meisten Touristen und Einheimische vorzugsweise in der Hauptsaison an.
    Aktuell bis 19.06. ist noch Vorsaison, d.h. es ist teurer, aber noch nicht so voll! Wir haben uns diesen Park ausgesucht, weil wir auf Begegnungen mit Bisons und Elks hoffen. Wir haben auch unser Englisch verbessert. Übersetze einmal Elch! Nein, elk ist falsch. Es heisst moose. Elk ist die Übersetzung für Wapiti-Hirsche. Wieder was gelernt. Am ersten Tag haben wir wenig Glück; wir entdecken nur zwei Bisons versteckt hinter einem Grashügel. Wir machen noch eine längere Wanderung, sind aber aufgrund der ziemlich penetranten Mücken und der schlammigen Wege nicht wirklich entzückt. Entdeckt haben wir lediglich die Hinterlassenschaften der Wapitis und Bisons.
    Abends spazieren wir noch am See, hier verbringen viele Leute einen schönen Tag und den Abend und genießen das wirklich tolle Panorama. Wir auch!
    Am nächsten Tag sind wir bereits unterwegs Richtung Parkausgang. Und plötzlich sind sie da. Eine kleine Gruppe Bisons überquert die Straße und verteilt sich um unseren MANí, wir sind mittendrin. Bobby wusste nicht, wo er zuerst hinschauen soll – und wir auch nicht. Das war ein absolutes Highlight. Bisons haben übrigens ein Sommer- und ein Winterfell. Aktuell konnte man bei einigen Tieren noch die Reste des Winterfelles erkennen. Es macht aber auch Sinn bei den Temperaturunterschieden von 30° C im Sommer und - 30° C im Winter.
    Wir treffen hinterher auf weitere Tiere, jetzt fällt uns der Abschied vom Park schon fast schwer. Das waren tolle Bisonbeobachtungen. Ach ja, Wapiti-Hirsche haben wir leider nicht gesehen.

    Nach so viel Natur zieht uns jetzt wieder in eine Stadt – bleibt gespannt.


    Good to know:

    > Saskatchewan: Die Provinz ist fast doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nur 1,3 Mio. Ew. und 30% der Bewohner haben deutsche Wurzeln. Die Landschaft wird geprägt durch endlose Getreidefelder („Brotkorb Kanadas“) und über 100.000 Seen. Der größte Fluß und Namensgeber der Provinz ist der Saskatchewan River (Cree Sprache: „schnell fließender Fluss“).

    > Alberta: In der Provinz, die ebenfalls fast doppelt so groß wie Deutschland ist, leben 5,1 Mio. Ew. Anders als Saskatchewan ist die Landschaft sehr vielfältig. Im Westen die Rocky Mountains, im Osten Getreidefelder und Prärieland, im Süden die kargen Badlands, im Norden die Taiga. Die Provinz gilt aufgrund von Ölvorkommen, landwirtschaftlicher Exporte aber auch aufgrund des Tourismus als eine der wohlhabenderen Provinzen Kanadas.

    > Getreideanbau: In Kanada werden – anders als in Deutschland - nach der Getreideernte die verbliebenen Stoppeln und das restliche Stroh nicht untergepflügt, bevor die neue Saat verteilt wird. Als Korrosionsschutz vor Wind und Wasser wird das Stroh auf den Feldern belassen.
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