008 Reisebericht Canada vom 08.06.-16.06
June 16 in Canada ⋅ ☁️ 14 °C
008 Reisebericht Canada vom 08.06.-16.06.26
Die bisherige Reisestrecke beläuft sich auf 6.770 km. Unser nächster Teilabschnitt Elk Island National Park – Edmonton – Drumheller – Calgary umfasst nun zusätzlich 490 km.
Edmonton liegt nur einen kleinen Sprung vom Elk Park entfernt. Hier bleiben wir für drei Nächte. Erstmals verbringen wir eine Nacht auf einem Parkplatz von Walmart. Diese Supermarkt Kette ist nahezu das einzig große kommerzielle Unternehmen in Nordamerika, welches seine Parkplätze für Durchreisende zur Übernachtung zur Verfügung stellt – kostenfrei. Wir finden, das ist äußerst generös. Das müssen wir doch einmal ausprobieren. Tatsächlich sind wir in dieser Nacht das einzige WoMo, jedoch nutzen auch Handwerker in ihren Transportern und einige Reisende in ihren PkWs dieses Angebot. Für die anderen beiden Nächte haben wir uns die Erlaubnis einer kleineren Shopping Mall eingeholt und können hier nächtigen. Auf städtischen Parkplätzen ist – wie so oft – die Übernachtung untersagt.
Mitten durch die Stadt fließt der Saskatchewan. Rund um den Fluß sind wieder viele Grünanlagen, die etliche Freizeitmöglichkeiten bieten. Nördlich des Flusses liegt die Innenstadt, wo viele moderne Hochhäuser eine wunderbare Skyline bilden, die wir von der südlichen Seite des Flusses bewundern können. Hier liegt auch der ICE District, Kanadas größtes zusammenhängendes Sport- und Unterhaltungsviertel. Mittelpunkt des District ist – wie kann es anders sein - ein Eishockeystadion, genannt Rogers Place. Um dieses Stadium herum haben sich viele Gastro- und Sportbars angesiedelt. Mehrere Plätze nehmen die Fangemeinde auf, wenn mitten in der Stadt gefeiert wird. Und die Edmonton Boilers sind äußerst erfolgreich im Eishockey. Hier gibt es also entsprechend reichlich Gelegenheiten zu feiern. Der absolute Superstar ist übrigens ein echter Kölner, Leon Draisaitl. Der beste Spieler der gesamten Liga, er besitzt hier regelrecht Kultstatus. Ja ja, die Kölner …… Ebenfalls neben dem Rogers Place ist das Neon Sign Museum angesiedelt. Hier sind an den Außenwänden von alten Backsteinhäusern diverse alte Neonreklamen angebracht, die im Dunkeln ihre volle Pracht entfalten. Ein nettes Highlight. Abends besuchen wir noch ein Konzert, stilgerecht natürlich einen Country Night Club. Dieser liegt nicht in der besten Gegend; wir sind erst nicht ganz sicher, ob das der richtige Ort für uns ist. Drinnen erweist es sich sehr heimelig. Ein kleiner Club, mit einer Kapazität von ca. 100 Leute, heute aber zählen wir nur 30 Gäste. Die Atmosphäre ist also sehr heimelig; also ein Wohnzimmerkonzert. In den Pausen ist Pub Atmospäre, jeder redet mit jedem. Schnell sind wir mittendrin - als Deutsche auf Kanada Tour - sind wir hier eine kleine zusätzliche Attraktion. Die Künstler heißen übrigens: Pony Gold, Trevor Mann und The Western Thistles – falls ihr mal reinhören möchtet bei YouTube, Spotify, Deezer – oder wo auch immer. Es war ein sehr kurzweiliger Abend!!!!
Auf der Südseite besuchen wir das Muttart Conservatory, eines der Wahrzeichen der Stadt. Das umfasst vier Glaspyramiden, die als Gewächshäuser benutzt werden. In den Pyramiden werden jeweils unterschiedliche Ökosysteme mit ihren eigenen besonderen klimatischen Bedingungen gezeigt. Die Pyramiden sind architektonisch ein Blickfang – wir denken beide direkt an die Glaspyramide vor dem Louvre. Ebenfalls südlich des Flusses liegt Old Strathcona, das Kulturviertel der Stadt. In einem Strassenblock sind alleine 7 – in Worten sieben – Theater angesiedelt. Viele Restaurants und Bars säumen die Straße. Auch die LGBTQ Community ist hier präsent. An einer Kreuzung erinnert eine Tafel an eine lesbische Frau, die sich an dieser Stelle ab 2021 gegen homophobe Strassenprediger gewehrt hat, die hier ihre Hasspredigten abgehalten haben. Sie protestierte zunächst alleine und still, daraus wurde eine wöchentliche Massendemonstration mit mehreren hundert Menschen, die dann nicht mehr so still waren. Heute weht hier eine Fahne und eine Tafel erinnert an die tapfere Einzelkämpferin. Uns erinnert die Geschichte direkt an Greta Thunberg, die hier offensichtlich als Vorbild gedient hat. Auch sie hat die Welt ein wenig verändert hat. Leider regnet es bei unserem Rundgang, schade für uns und schlecht für die Photos.
Natürlich haben wir auch die West Edmonton Mall besucht. Mit über 800 Läden auf einer Fläche von 490.000 qm ist sie das größte Einkaufszentrum der westlichen Hemisphäre. Hier ist alles vertreten von günstigen Discountern bis exklusiven Stores von Louis Vuitton, Gucci und Yves Saint Laurent. In der Mall befindet sich des Weiteren ein Schwimmbad, ein Jahrmarkt mit Fahrgeschäften, eine Minigolfanlage – also viele Freizeitmöglichkeiten, die wir irgendwo, aber sicher nicht in einem Einkaufszentrum erwartet haben. Im Ergebnis finden wir die Mall zwar von ihrer Größe beeindruckend, jedoch auch bereits ein wenig in die Jahre gekommen.
Eine Geschichte haben wir noch: Wir sitzen am späten Nachmittag im MANí und bereiten uns für den Abend vor. Da steht bei uns Sven vor der Tür. Sven, Mitte 30, lebt seit 15 Jahren in Kanada, ist aber gebürtiger Kölner. Und da wir ja mit einem Kölner Kennzeichen durch die Welt reisen, musste er einfach „Guten Tag“ sagen. Das kölsche Jeföhl bleibt wohl ein Leben lang, egal wo du bist. Das war ein netter Austausch, leider hat ein Wiedersehen dann aber nicht mehr geklappt.
Wir fahren weiter Richtung Süden nach Drumheller. Unterwegs entdecken wir immer wieder kleine Bohrtürme, hier wird offensichtlich Erdöl gewonnen. Mitten auf der Wiese steht oft nur ein einziger kleiner Bohrturm, manchmal eine ganze Reihe davon. Wir recherchieren. Erdöl ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Kanada. In der Region um Edmonton (insbesondere um Leduc) dominieren klassische Erdölbohrungen, während die größten Ölmengen aus Ölsand gewonnen werden. Alberta gilt als das Herz der kanadischen Erdölindustrie (96% der Ölreserven Kanadas liegen in Alberta) und verfügt über die viertgrößten nachgewiesenen Ölreserven weltweit. Das haben wir vorher nicht gewußt. Die Strecke nach Drumheller verändert sich zunehmend in eine faszinierende, wüstenähnliche Mondlandschaft, die auch die kanadischen Badlands genannt werden. Charakteristisch sind die zahlreichen Canyons, farbige Gesteinsschichten sowie vereinzelt Erdpyramiden (sogenannte Hoodoos). Die Vegetation ist hier sehr sparsam, schon fast steppenartig. Eine solche Landschaft haben wir eigentlich erst in den USA, also wesentlich weiter südlich erwartet. Hier wurden übrigens zahlreiche Dinosaurier Fossilien gefunden. Die bekannteste Attraktion in Drumheller ist das Royal Tyrell Museum mit einer der bemerkenswertesten Sammlungen von restaurierten Dinosaurierskeletten. Drumheller ist tatsächlich ein wenig dinoverrückt – tatsächlichlich steht an jeder Ecke so ein Dino rum. Und eigentlich hatten wir das Museum auch auf der Liste, aber es sollte nicht sein.
Kurz vor Drumheller hatten wir leider einen ziemlich heftigen Steinschlag auf der Windschutzscheibe. Ein kleines Loch, ein Riss, der immer größer wurde. Die Geschichte hat uns doch beunruhigt. Und wir sind nicht Fachleute in Sachen Steinschlag und Windschutzscheibe. So haben wir beschlossen, direkt nach Calgary weiterzureisen. Hier gibt es Werkstätten, eine Niederlassung von VW, mehrere Pendants zu CarGlass und andere Möglichkeiten. An unseren ersten Tag in Calgary haben wir uns damit beschäftigt, eine Lösung für den Schaden zu finden. Das Problem, der Schaden im Fenster kann nicht repariert werden, da er dafür schon zu groß ist. Ein neues Fenster in diesem Format ist aber weder in Kanada noch in den USA erhältlich, weil europäisches Modell. Einheitlich haben uns alle Fachleute aber versichert, dass wir auch mit dem Schaden unsere Reise fortsetzen können. Ja, dann tun wir das wohl.
In Calgary bleiben wir fünf Nächte, das ist bisheriger Rekord auf unserer Reise. Wir haben einen schönen ruhigen Stellplatz direkt am Riley Park, die Innenstadt ist fußläufig erreichbar. Die Stadt hat in den letzten Jahren wirtschaftlich geboomt und sich zu einem Zentrum in Canada für die Engergie- und Technologiebranche entwickelt. Gleichwohl gilt Calgary immer noch als die Cowboy Hauptstadt, sie wird liebevoll cow town genannt. Die Hauptattraktion in der Stadt ist die berühmte Calgary Stampede. Das ist das größte Rodeo weltweit, es findet jährlich im Juli statt, dauert 10 Tage und zieht immer mind. 1Mio. Besucher in die Stadt. Wir wollen auf jeden Fall auch noch ein Rodeo besuchen, aber das erscheint uns eine Nummer zu groß und passt auch nicht ganz in unseren Terminkalender. Dafür hat jetzt die Fussball WM begonnen. Durch Zufall sind wir in einem Pub, als Canada sein erster Spiel absolviert. So richtiges Interesse beobachten wir bei den Gästen nicht, erst als Kanada in den Schlussminuten den Ausgleich schafft, wird es mal etwas lauter. Die Betonung liegt auf “etwas”. Fussball ist eben nicht Eishockey. Egal, wir freuen uns für Canada, und werden ihnen auch im weiteren Turnierverlauf den Daumen drücken. Dann wird es auch mit der Stimmung im Lande etwas besser werden. Für das Deutschland Spiel gegen Curacao haben wir uns einen internationalen Pub in Downtown ausgesucht, hier wurde uns ein Fußball begeistertes internationales Publikum versprochen. Fehlanzeige, der Pub hatte geschlossen. Stattdessen haben wir dann eine Sportsbar besucht, waren aber fast die einzigen Gäste. Stimmung – nicht vorhanden. Wir konnten jedenfalls das Spiel verfolgen, und haben uns über den Kantersieg gefreut. Hoffentlich geht das so weiter. Mit Sehenswürdigkeiten ist das in der Stadt ein wenig speziell. Der Calgary Tower oder das Heritage Park Historical Village haben uns nicht interessiert. Den Olympic Park haben wir besucht, jedoch war das Gelände weiträumig abgesperrt und wir wollten doch so gerne mit dem Bob die Bahn hinuntersausen …… In unserem Reisegepäck haben wir die Fitnessbänder wiedergefunden. Wir haben sie im Park genutzt und dabei den anderen beim Baseball zugeschaut. Das hat Spaß gemacht und gut getan. Das werde wir jetzt regelmäßig machen – hoffentlich. Wirklich sehenswert ist die Skyline von Calgary. Zahlreiche Wolkenkratzer, die eng aneinander stehen. Das ist wirklich ein bemerkenswerter Anblick, ob bei Sonnenschein oder Regen, bei Tag oder Nacht. Natürlich sind wir auch mehrfach durch Downtown gegangen. Alleine um die Architektur besser bewundern zu können. In der obersten Etage einer Mall in Downtown liegt auch Devonian Garden, ein botanischer Garten, der zum Verweilen einlädt. Praktisch, dass auf der Etage auch ein Food Court liegt. So läßt sich hier gut eine Lunchpause oder Kaffeepause einrichten. Das wird auch gut angenommen. Unmittelbar nebenan liegt die bekannte Stephen Avenue. Das ist eine kleine Fußgängerzone mit vielen Restaurants und Bars, vielleicht wie bei uns die Altstadt – nur eben nicht alt! Unser kultureller Höhepunkt war der Besuch eines Konzertes in dem Club “The Blues Can”. Gast war die Crawford Company, eine Coverband, die einen großartigen Mix von Blues, Motown, Funk, R&B und Rap dargeboten hat. Der Club fasst etwa knapp 300 Person, die Stimmung würden wir als energiegeladen bezeichnen. Schon beim zweiten Song standen die ersten von ihren Plätzen auf, um vor der Bühne zu tanzen. Wie ihr euch sicher schon gedacht habt, haben wir da kräftig mitgemacht. Das war….. Spitze! Ein weiterer schöner Treffpunkt mitten in der Stadt ist der Prince’s Island Park. Das ist eine idyllische Parkanlage auf einer Insel im Bow River auf der Höhe von Downtown. Es ist zurecht ein sehr beliebtes Erholungsgebiet, welches wir auf unseren Touren auch immer wieder gerne genossen haben. Als Sehenwürdigkeit wird auch gerne die Peace Bridge aufgeführt, und ja es ist eine nette Fussgängerbrücke. Insgesamt finden wir Calgary nicht wirklich reich an besonderen Sehenswürdigkeiten, gleichwohl gefällt uns die Stadt. Die Lebensqualität schätzen wir hier als hoch ein.
Zu guter letzt haben wir südlich von Calgary das Turner Valley durchquert. Das ganze Tal war vor 100 Jahren ein riesiges Ölfeld, überall waren Bohrtürme aufgestellt. Das Tal war seinerzeit das wichtigste Ölfeld von Canada. Heute dominiert eine Weidelandschaft, auf der friedlich die Kühe grasen. Natürlich erinnern Museen und Geschichtstafeln an die Historie. Wir sind jedenfalls erstaunt, wie sehr sich hier offensichtlich in 80 Jahren die Landschaft verändert hat.
Wir reisen weiter, jetzt geht es in die Rocky Mountains. Bleibt gespannt!
Good to know:
> Edmonton: Edmonton (1,2 Mio. Einwohner) ist die Hauptstadt der Provinz Alberta und gehört – vornehmlich wegen günstigen Wohnraums, geringeren Steuersätzen und guten Arbeitsmöglichkeiten - zu den am schnellsten wachsenden Regionen in Kanada. Unsere Meinung: Die genannten Vorteile sowie zusätzlich die hohe Lebensqualität in der Stadt sind eine echte Einladung für alle potentiellen Einwanderer. Wir würden uns für Edmonton entscheiden.
> Calgary: Calgary (1,5 Mio. Einwohner) ist die größte Stadt in der Provinz Alberta. Die Rahmenbedingungen sind ähnlich wie in Edmonton und die Region gehört ebenfalls zu den am schnellsten wachsenden Regionen in Canada. Die Stadt gilt als eine der saubersten und lebenswertesten Städte weltweit. Sie gilt auch als sicher, multikulturell und verzeichnet die meisten Sonnenstunden in Canada.
> Cocktail Paper Plains: Hier mal ein Rezept für einen Cocktail. Black Fox triticale Whisky, Amaro Nonino (Kräuterlikör), Aperol, Lemon, Sea Buckthorn (Sanddorn) sind die Ingredienzien, nur das Mischungsverhältnis fehlt noch! Aber sehr fein!!
> Cannabis: In Kanada wird Cannabis kommerziell gehandelt. In jedem Stadtteil gibt es immer mindestens einen Cannabis Store. Aber ähnlich wie das normale Rauchen wird es nur selten offen auf der Straße konsumiert. Öffentlicher Konsum ist zwar unter Einschränkungen generell erlaubt, wird jedoch zunehmend gesellschaftlich “geächtet”. Die hohen Preise, die strengen Regulierungen und die gesellschaftliche Ächtung haben in Kanada zu einem rasanten Rückgang des Tabakkonsums geführt.Read more










TravelerVielen Dank für die umfangreichen Informationen! Wir drücken fest die Daumen, dass die Scheibe hält🍀🍀🍀
Traveler
Leon Draisaitl haben wir vor vielen Jahren mal in Calgary beim Eishockey-Spiel seiner Jugendmannschaft Prince Albert Raiders gesehen ... da hatte der Stadionsprecher noch Schwierigkeiten bei der Aussprache des Nachnamens. 😉 Sein Vater Peter war auch Eishockeyspieler, u.a. in Köln.🏒