• 009 Reisebericht Canada vom 16.-25.06.26

    June 28 in Canada ⋅ 🌧 10 °C

    009 Reisebericht Canada vom 16.-25.06.26

    Die bisherige Reisestrecke beläuft sich auf 7.260 km. Unser nächster Teilabschnitt Calgary – Longview – Canmore – Banff – Golden umfasst nun zusätzliche 550 km.

    Wir starten bei besten Wetter und bester Laune in die Rocky Mountains. Wir machen erneut einen Abstecher über das Turner Valley bis nach Longview, da wir von hier einen guten Zugang zu dem Kananaskis Country haben. Das Country ist ein riesiges zusammenhängendes System aus Provinzparks und Schutzgebieten. Aber es ist gleichwohl genauso sehenswert wie die berühmten Nationalparks in den Rockies. Wir fahren auf einer wunderbaren Panaromastrasse und haben die Berge immer vor uns im Blick. Es ähnelt ein wenig den Voralpen oder dem Allgäu. Wir sehen viel Natur und auch ein paar Wildtiere, Ziegen und das hier berühmte Bighorn Sheep. Den Tieren gefällt es auf dem Highway sehr gut, sie lecken immer die Teerrinne mitten auf der Strasse. Und lassen sich dabei auch nicht stören. Das muss schon ziemlich schmackhaft sein. Hier kann man sicherlich wunderschöne Wanderungen um die Seen vornehmen. Aber wir wollen weiter.

    Wir fahren durch bis Canmore. Hier steuern wir den Grassi Lake zwecks einer kleiner Wanderung an. Die Parkgebühren sind unverschämt, aber jetzt sind wir schon mal hier. Am See werden gerade Hochzeitsfotos für ein Paar geschossen. Ein schönes Paar, das Kleid der Braut hängt im See, das Wetter ist nasskalt, der Fotograf gibt sich alle Mühe. Unser Spaziergang führt uns durch ein gehobenes Wohngebiet am Hang, bei dem Wetter ist niemand auf der Strasse, es sind durchgehend tolle Häuser – eingebettet in der wunderbaren Natur der Rockies. Ausserhalb des Ortes Canmore übernachten wir auf einem Wanderparkplatz nebst zehn anderen WoMos. Am nächsten Tag erkunden wir das Städchen, ein netter kleiner Ort, der kurz vor dem Touristenboom steht. Trotz der hohen Immobilienpreise wird hier kräftig gebaut. Sehenswert ist die Kletterhalle im Ort, hier herrscht reger Betrieb. Aufgrund des nur mittelprächtigen Wetters versuchen wohl hier alle Sportenthusiasten ihr Glück. Wir betreiben hier genüsslich ein paar Sozialstudien – und verziehen uns wieder. Sonst schicken die uns noch auf die Kletterwand. Ansonsten ist der Ort gemütlich und überschaubar.

    Wir reisen weiter in den Nationalpark Banff. Nahe des Ortes Banff haben wir zunächst zwei Übernachtungen mit Vollpension (d.h. mit Dusche und Strom) im Campground Tunnel Mountain Village 2, danach drei Übernachtungen – sehr Basic – auf dem Campground Two Jack Main. Dort lernen wir eine deutsche Auswanderfamilie kennen, Laura und Michael und ihre beiden noch nicht schulpflichtigen Kinder wohnen jetzt in Calgary. Während unserer Tage in Banff unternehmen wir die folgenden Wanderungen:

    > Sundance Canyon Trail: die Wanderung verläuft entlang des Flusses um später in den Canyon zu steigen. Am Fluß treffen wir immer wieder auf Gruppen, die mit ihren Pferden entlang des Trails reiten. Im Canyon begegnen wir einem indigenen, sehr kommunikativen Kanadier, liefert uns gute Informationen und viele Ratschläge für die weitere Reise. Vielen Dank.

    >Lake Minnewanka: ist ein Hotspot rund um Banff. Entsprechend war es ziemlich voll – trotz des mittelprächtigen Wetters. Die Wanderung, die wir uns vorgenommen hatten, führt entlang des Sees. Aber – aufgrund einer Bärenwarnung - war sie nicht durchführbar. Unsere Meinung: keine Empfehlung.

    > Sulphur Mountain Trail: gestartet bei den Hot Springs führt die Wanderung über 650 Höhenmeter hinauf auf den Mount Sulphur. Die Wanderung ist gut begehbar und windet sich langsam über Serpentinen aufwärts durch den Wald mit eingeschränkter Sicht auf das Umfeld. Ist für sportlich ambitionierte eine gute Wahl, spannender jedoch ist es oben auf dem Gipfel. Denn den erreichen nicht nur die sportlich Ambitionierte, sondern auch die Gondelfahrer. Dort oben treffen Welten aufeinander. Stirnband und Leggins trifft auf Gucci Tasche und Prada Brille. Ein Eldorado für die von uns so geliebten Sozialstudien. Wenn die jungen und junggebliebenen Ladies auf dem Gipfel bei knapp 10 °C sich ihrer Daunenjacken entledigen, um sich in Spagettiträgern ablichten zu lassen, wobei die genannten Taschen und Brillen immer mit auf das Bild müssen. Besser als Fernsehen!!!! Aber egal wie – der Gipfel des Sulphur Mountains ist eine Empfehlung.

    > Lake Louise: ein Kronjuwel in Kanada!!!! Und das stimmt. Schwierig ist die Anfahrt. Mit dem WoMo ist sie schlichtweg verboten. Wir sind mit einem Busshuttle von Banff aus angereist. Dieser war online nicht mehr buchbar, aber über das Visitorcenter haben wir noch zwei Tickets bekommen. Das Buchungssystem ist ein wenig wunderlich. Egal – wir haben uns einfach wie Schneekönige über unseren Coup gefreut. Das Wetter hat prima mitgespielt. Nach einem Heißgetränk in dem Nobelhotel “Fairmont Château” am See geht es los. Das Panorama unten am See ist bereits phänomenal, da stören auch nicht die vielen anderen Touristen, die sich daran ergötzen. Soooo schön, das ist schon fast kitschig. Wir wählen die Tour über den Mirror Lake zum Agnes Lake, an dem das wir das Teahouse Agnes besuchen wollen. Die Touren, die noch höher führen, sind wegen Lawinengefahr gesperrt. Wir merken schnell, wir sind nicht die einzigen, die diese Tour gewählt haben. Der Weg ist grandios, immer wieder gibt es Aussichtspunkte auf den See und die umliegenden Berge. Wir freuen uns auf einen Lunch im Teahouse. Bumms, das war dann nichts. Da stehen bereits mindestens 50 Menschen in der Schlange. Gut, dass wir wenigstens einen Apfel, Kekse und auch Wasser dabei haben. Wir gehen weiter hoch auf den Big Beehive. Unten hieß es noch, er ist nicht begehbar. Wieder sind wir nicht die Einzigen. Aber der Ausblick oben ist einfach sensationell. Also, was sollen wir sagen: Lake Louise – ein absolutes Muß!!!

    Noch ein Anekdote: Auf der Rückfahrt im Bus nach Banff (dauert 1 Stunde) merken wir plötzlich, dass wir voller Würmer sind. Auf dem Hut, auf den Hosen, unseren Rücksäcken – überall dieses Gewürm. Ekelig. Wo wir uns das wohl eingefangen haben. Zuhause kommt uns die Erkenntnis. Das nette, junge Paar vor uns im Bus, hat ihre Rücksäcke über uns abgelegt. Wir denken, die beiden sind passionierte Angler. Da hat sich wohl eine Dose mit Fischködern selbständig gemacht………

    Noch zwei Worte zum Ort Banff: er ist größer als Canmore und deutlich stärker frequentiert; nicht wirklich groß, aber die Einkaufsstraße war immer so voll wie die Schildergasse in Köln. Im Ort schaffen wir es jedoch sowohl die 2. Halbzeit des Spieles Schweiz:Bosnien Herzegowina als auch Deutschland:Elfenbeinküste in einer Sportsbar zu verfolgen. Beim Spiel der Schweiz waren vornehmlich Schweizer in der Bar, beim Spiel der Deutschen waren es vornehmlich Deutsche. Also hatten wir sozusagen zweimal Heimspielatmosphäre. Das war nett, zumal ja auch immer die Richtigen gewonnen haben.

    Wir reisen weiter in den Glacier Nationalpark. Der Park schützt einen Teil der Columbia Mountains, die geologisch und klimatisch strikt von den Rocky Mountains zu trennen sind. Wir wählen bewusst den Weg über den Bow Valley Parkway, der parallel zu dem Trans Canada Highway verläuft. Es ist eine Panoramastraße, die mitten durch diese wunderbare Natur führt. Und wir haben Glück: Unterwegs sehen wir einen kapitalen Hirschen am Wegesrand grasen. Danach durchqueren wir den Yoho Nationalpark, der auch mit einigen Attraktionen aufwartet. Wir stoppen am Highway an einem Viewpoint. Hier wird einem die Wunderwelt der Technik vor Augen geführt. Aufgrund der steilen Berge wurde seinerzeit die Trassenführung für die Eisenbahn schleifenförmig vorgenommen. Ein netter Nebeneffekt: so kommt derselbe Zug gleich dreimal auf ein einziges Foto. Denn die Züge sind bekanntlich extrem lang und quälen sich hier in sehr gemächlichem Tempo mühsam durch die Berge. Respekt, vor soviel Ingenieurkunst im Jahre 1909.

    Im Visitorcenter erhalten wir die Information, dass viele Trails derzeit aufgrund von Lawinengefahr gesperrt sind. Auf unser enttäuschtes Nachfragen wird uns erläutert, dass grundsätzlich der Juni der beste Monat für eine Reise in die Parks sei. Nur dieses Jahr sei die Schneeschmelze eben leider ein wenig verspätet, daher gibt es noch einige Behinderungen. Der freundliche Mitarbeiter, der sich viel Zeit für uns genommen hat, ist übrigens auch ein Einwanderer; er kommt ursprünglich aus Zürich. Wie auch immer, wir haben drei Nächte in dem einfachen (kein Strom, keine Dusche), aber bezaubernden Illecillewaet Campground genächtigt. Auch hier sind die Wanderungen, die wir eigentlich angestrebt haben, die auf die Gipfel der Berge führen, wegen Lawinengefahr gesperrt. Zudem ist gerade um den Campground ein Grizzly sehr umtriebig. Die aushängenden Tagesprotokolle dokumentieren, dass der streunende Grizzly mehrfach täglich von Wanderern gesichtet wurde. Drei Kanadier präsentieren uns ein Video, welches sie am Vortag von dem Bären aufgenommen haben. Ihr Kommentar: alles easy, keine Gefahr. Wir sind nicht so sicher und beschaffen uns das Bärenspray (ein “Pfefferspray” für Bären), das wird hier als das Schutzmittel schlechthin vermarktet. Zusätzlich gibt es immer wieder gut gemeinte Ratschläge: laut unterhalten, nicht weglaufen, Glöckchen an den Rucksack etc. etc.
    Unsere Wanderungen sind:

    > Great Glacier: die Wanderung geht stetig bergauf, oberhalb der Baumgrenze befindet sich eine Art Plateau mit einem wunderbaren Blick auf die umliegenden Berge und Gletscher. Überwältigend und aller Mühen wert. Dieser Trail ist ein ganz klare Empfehlung.

    > Marion Lake: Wir machen diese Wanderung zwei Tage vor dem Geburtstag unserer lieben Freundin Marion. Das muss doch ein gutes Omen haben. Die Wanderung führt steil bergauf durch einen Wald. Die Sicht ist eingeschränkt. Je höher wir kommen, umso mehr Eis bedeckt den Weg. Der See selber ist schwarz und wirkt bedrückend. Schön ist jedoch der Viewpoint 300 Meter hinter dem See, der einen wunderbaren Blick auf die Berge eröffnet. Unser Fazit: Dieser Trail ist nicht wirklich das Nonplusultra.

    Unseren Campground haben wir übrigens mit Firepit gebucht, wir dürfen also auch einmal zündeln. Das machen wir – und wider Erwarten klappt es sogar. Es klappt so gut, dass sich die Nachbarn wegen des Qualms beschweren. Okay, es ist nicht unser Ding. Uns macht das tatsächlich auch keine große Freude. Was die anderen nur daran so toll finden?!?! Am nächsten Tag werden wir dann übrigens kräftig eingenebelt; ist dann wohl die Quittung.

    Der Glacier Nationalpark ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Wir haben leider ein wenig Pech mit der akuten Lawinengefahr gehabt, jedoch die Bilder der Berge und Gletscher sind wirklich superb. Wir glauben nicht, dass das auf unserer weiteren Reise noch übertroffen werden kann.

    Von den Columbia Mountains fahren wir wieder zurück in die Rocky Mountains – also bleibt gespannt!!!!


    Good to know:
    Trennung oder Vereinigung: in Kanada gibt es Diskussionen über beide Wege. In Alberta wird am 19.10.26 abgestimmt, ob sich die Provinz von Kanada abtrennt und sich für unabhängig erklärt. In Calgary haben wir Linda kennengelernt, eine 79 jährige Lady, die sich vehement für die Unabhängigkeit einsetzt. An den westlichen Provinzen Quebec und Ontario hat Linda kein gutes Haar gelassen.
    In gesamt Kanada gibt es eine Debatte, sich mit der EU zu verbünden. Die Weltlage hat sich in den letzten fünf Jahren massiv verändert, und viele Bündnisse müssen überarbeitet oder neu geschmiedet werden. Der Premier von Kanada hat Kanada in einer bemerkenswerten Rede bereits als das europäischste Land außerhalb der EU bezeichnet! Unser Voting dazu: eine sehr gute Idee!!
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