Rinjani - Etappe 2 Gipfelanstieg
May 12, 2024 in Indonesia ⋅ ☁️ 19 °C
Tatsächlich hatten wir in der Nacht nur wenig Schlaf gefunden. Einen Moment war es windstill gewesen, ansonsten wackelte unser Zelt hin und her. 1:30Uhr klingelte unser Wecker und um 2Uhr gab es Frühstück. Es war nur ein kleiner Snack, aber ich bekam keinen bissen herunter. Der Gipfelanstieg stand bevor, aber es war etwas anderes, über das wir uns zuerst Gedanken machten. Caro ihr Auge hatte gestern bereits mit Tränen angefangen und war am Morgen etwas verquollen, wahrscheinlich eine Bindehautentzündung aber genau kann das wohl nur ein Arzt sagen. Also überlegten wir, googelten nach Antworten und kamen zum Schluss, dass wir die Wanderung zum Gipfel wagen wollten.
Im Rucksack befanden sich nur Dinge, welche wir brauchen würden und damit war er deutlich leichter. Mit unseren Stirnlampen ging es durch das Camp, wo sich gerade andere Gruppen ebenfalls präparierten. Ein paar Lichter waren bereits am Berg sichtbar. Der Weg zum Gipfel teilte sich in drei Abschnitte. Der erste ging mit 330 Höhenmetern etwas steiler hinauf zum Grat, bei zwischenzeitlich 40% Steigung. Erst ein kurzes Stück durch den Wald, verwandelte sich der Weg schnell in eine Gerölllandschaft, die den Aufstieg zusätzlich erschwerte. Zum Glück war das Gelände im Dunkeln nicht komplett ersichtlich, was sonst sicherlich demotivierend gewesen wäre. Bereits bei dem Anstieg waren meine Kräfte nicht ganz vorhanden und ich war froh, als wir den einfacheren zweiten Teil der Strecke erreichten. Über den Grat ging es 480 Höhenmeter nach oben. Erst ein Kiesweg, verwandelte er sich immer mehr in eine lose Gerölllandschaft. Zwei Schritte hoch, einen zurück, das Spiel wiederholte sich kontinuierlich. Im Dunkeln konnte man nur erahnen, welche Landschaft uns umgab. Links waren die Lichter kleiner Dörfer ersichtlich und rechts ging es steil nach unten in den Krater mit dem Kratersee. Ich hatte immer mehr zu tun und konnte die Geschwindigkeit von Caro und Al nicht mehr mitgehen. Immer wieder stütze ich mich auf mein Knie, während ich wieder ein paar Centimeter nach unten rutschte. Hinzukam, dass der kalte Wind unsere Körper sehr schnell auskühlte, sobald wir eine Pause machten. Wir hatten bereits mehrere Schichten und Handschuhe an, was meinen Körper nicht half und er zitternd versuchte zu Kräften zu kommen. Währenddessen zog sich eine Lichterkette vom Camp, fast bis zum Gipfel. Wir machten hinter einen windgeschützten Felsvorsprung eine längere Pause. Ich war nahe davor den Gipfel, Gipfel sein zu lassen. Was waren die Optionen, auskühlen und zum Sonnenaufgang abzusteigen, oder den härtesten Part, den dritten Teil des Weges anzugehen und sein Glück zu versuchen. Ich überließ Caro die Entscheidung, wobei ich durchklingen ließ, dass ich echt fertig war. Die Entscheidung viel für den Gipfel, denn noch zwei Stunden frieren, war keine schöne Aussicht. Während Caro sukzessive mit ihren zwei Wanderstöcken nach oben kam, hatte ich immer mehr zu kämpfen. Der letzte Anstieg war sehr steil, mit einer kontinuierlichen Steigung um die 44% und das über 290 Höhenmeter. Der Weg bestand nur aus Geröll, was sehr ermüdend war. Auch der Versuch, die Fußabdrücke der vorausgehenden Wanderer zu nutzen war nur teilweise von Erfolg gekrönt. Am Horizont stellte sich langsam die rötliche Farbe ein und wir hatten noch ein paar Meter bis zum Gipfel. Insgesamt war es wirklich nicht mehr weit, erschien aber in weiter Ferne. Also nochmal Zähne zusammenbeißen. Ich zählte meine Schritte und setzte die bestimmten Höhenmetern gleich, um mich abzulenken, was teilweise gut klappte. Dann war es soweit, wir hatten es geschafft. Oben angekommen, stellte ich schnell noch die Gopro für den Zeitraffer auf und setzte mich total fertig aber glücklich neben Caro. Al unser Guide packte zu unserer Überraschung einen Schlafsack aus, den wir wärmend über unsere Schultern legten und wartenten nun auf die wärmende Sonne. Wir waren auf dem vier Meter niedrigen Teil des Gipfels, der andere war schon sehr gut gefüllt gewesen. Langsam wich die Dunkelheit und eröffnete uns sehr schöne Aussichten auf die Insel Lombok, das umliegende Meer sowie der riesigen Krateröffnung mit dem See. Wir blieben eine Weile um uns zu erholen, denn ich zitterte trotzdem noch leicht. Die ersten machten sich auf dem Rückweg und wir auf den höheren Teil des Gipfels, auf welchen wir noch ein paar Fotos schossen und ich nochmal die Drohne steigen ließ. Nun ging es an den langen staubigen Abstieg. Wir hatten halbhohe Wanderschuhe an und immer wieder kamen Kieselsteine in den Schuh. Was uns beim Aufstieg unsere Kräfte raubte, war jetzt ein Vorteil, zwei Schritte runter, einen weiteren gerutscht. Wenn das allerdings viele machen, kam dementsprechend viel Staub entgegen. Ich, wieder bei Kräften und von der Sonne aufgewärmt, hatte zum Glück keine Probleme mehr und auch Caro kam immer besser in das Gelände. Auf dem Rückweg erkannten wir erstmal, was wir hinter uns gebracht hatten und das im Krater selbst noch ein kleiner Kegel war, aus dessen oberer Öffnung leichter Rauch aufstieg. Erst hatten wir auf die Sonne gewartet, nun setzte diese uns zu, weswegen wir lange Sachen trugen, um uns ein wenig zu schützen. Völlig fertig kamen wir an unserem Zelt an und bekamen um 9Uhr unser Frühstück serviert. Pancakes mit Obst, wobei ich lediglich an das Obst herankam. Danach verschwanden wir im warmen Zelt und hatten 30 Minuten, um die Füße ein wenig hochzulegen, denn der Wandertag war noch nicht vorbei.
Wir hatten unsere Pause etwas überzogen, was Al gleich anmerkte und wir uns für den Abstieg zum Kratersee fertig machten. Insgesamt hieß das weitere 600 Höhenmeter nach unten. Viele Zelte waren bereits abgebaut und wir waren einige der letzten. Wieder etwas regeneriert, ging es einen steilen (Steigung zwischen 30% bis 49%) „Weg“ nach unten. Dieser war gespickt von Felsklettereien, welche sich über die nächsten zwei Stunden zog. Währenddessen überholten uns viele Träger von anderen Gruppen. Die Tragen die 30kg bis 40kg mit einer Leichtigkeit auf Flipflops den Berg hinunter und balancieren dabei ihr Bambusgestell auf einer Seite. Auf dem Weg herunter, schloss uns die Wolkendecke immer wieder ein und die Sonne somit fernhielt. Die steinernen Passagen wollten nicht wirklich enden, auf die wir so langsam keine Lust mehr hatten. Wir erreichten eine kleine Brücke, welcher das Ende des steilen Abschnittes kennzeichnete. Die Brücke war ziemlich in die Jahre gekommen, zwei Stellen wiesen bereits Löcher auf und als ich die Brücke betrat, gab der Boden ein wenig nach, also schnell drüber. Nun ging es fortan nur noch leicht bergauf und wieder begrab. Unsere zwei Träger hatten uns zwischendurch überholt und zauberten uns ein leckeres Mittagessen. Die Stärkung kam gerade recht, denn Caro war ganz schön am Ende ihrer Kräfte. Es gab eine leckere Nudelsuppe mit Gemüse, welche wie die anderen Speisen immer frisch zubereitet wurden. Dazu ein riesiger Obstteller mit Ananas, Weintrauben, Melone, Apfel und Orangen, welchen wir zur Hälfte zurückgeben mussten. Nach den ganzen Höhenmetern stand heute ein Regenerationsprogramm auf dem Plan. Statt gleich zum Zelt zu laufen, würden wir zuerst die heißen Quellen ansteuern. Etwas unterhalb des Sees gab es Bereiche, wo das Flusswasser auf warme 40°C erhitzt wurde. Nach so einem Tag war das genau das richtige und die restlichen zwei Kilometer vergingen zum Glück etwas schneller. Der Kratersee selbst bekamen wir kurz zu sehen, hielt sich aber mit Wolken sehr bedeckt.
Die ersten heißen Quellen waren leider schon sehr gut mit Besuchern ausgelastet und wir zum Warten verbannt. Ein anderer Guide gab aber einen Geheimtipp für eine weitere Stelle, nur 5 Minuten entfernt. Die wurde gerade nur von drei Trägern genutzt, welche gerade aufbrachen. So hatten wir zwar nicht die heißen Quellen mit einem schönen Wasserfall im Hintergrund aber dafür diese für uns allein. Die Badesachen waren schnell angezogen und wir im Wasser verschwunden. Meine Füße sahen vom Wandern so aus, als wäre ich zwei Stunden nicht aus der Badewanne gekommen. Der Körper Unterwasser und die Augen geschlossen ließen wir unsere Muskeln entspannen und regenerieren. Durch aufgeschichtete Steine, waren kleine Becken entstanden, aus deren Grund kleine Blasen vom kochenden Wasser entstanden. Ehe diese bei uns ankamen, waren diese Stellen bereits unbedenklich, nur etwas wärmer als der Rest. Am Boden des Beckens war feiner schwarzer Sand vom Vulkan und gröbere Steine, an denen ein wenig Schwefel haftete. Wir blieben über zwei Stunden und genossen den Moment, den Rinjani bezwungen und die zwei härtesten Tage hinter uns. Währenddessen waren wir teilweise von Wolken eingeschlossen, welche an uns vorbei strömten, bis sich die Sonne wieder blicken ließ und den Blick auf einen grün bewachsenen Hügel erhellte. Al hatte das Becken neben uns und wir hatten viel Zeit zum Erzählen. Was den Ort wohl in Zukunft komplett verändern wird, es soll mit chinesischer Finanzierung eine Seilbahn gebaut werden, welche bis zum Kraterrand reichen soll (Planung 2027). Das Wandern zur Vulkanmitte ist nicht erlaubt, zumal der Weg nur über eine kleine Steilwand führt. Schwimmen im See könnte man, allerdings sind wohl zwei Schwimmer bei dem Versuch in der Mitte des Sees nach unten gezogen worden. Als sie wieder auftauchten, waren sie verstorben. Die Einzigen, für welche der Weg zum Vulkan freigegeben ist, ist eine hinduistische Glaubensgemeinschaft. Für sie ist es ein heiliger Ort, den sie zum Beten nutzen. An einen bestimmten Tag finden sich die Gläubigen zusammen und zelebrieren ihre Rituale. Al erzählte auch von damals 1991, wo ein Guide pro Tag gerademal 19.000 RPD (1,10€) kostete und die Wanderer mit Instantnudelsuppen versorgt wurden. Vom Wetter konnten wir uns nicht beschweren, auf dem schmalen Grat vom Gipfelanstieg kann es auch mal so stürmisch werden, dass ein Windstoß einen zum Schwanken bringen kann. Das hätte natürlich fatale Folgen, weswegen bei solchen Bedingungen der Gipfelanstieg abgebrochen werden würde.
Es war bereits nach 16Uhr und wir konnten nach zwei harten Wandertagen wieder sauber in unsere frischen Sachen schlüpfen. Das Hauptcamp am See ließen wir hinter uns, da es bereits zu voll und nicht gemütlich war. So gingen wir einen kleinen Pfad am See entlang. Wir trafen unsere beiden Träger, welche am See ihr Glück beim Angeln probierten. Stellenweise mussten wir wieder über kleinere Felsen klettern oder einzelne Steine, welche aus dem See herausschauten, nutzen. So war es nicht verwunderlich, dass wir etwas nass am Camp ankamen. Das Zelt stand direkt am See und der morgige Ausblick wird uns vermutlich zum Staunen bringen, jetzt war alles zugezogen. Wir warfen lediglich unsere Sachen ins Zelt und suchten ein wenig Schlaf, währenddessen es draußen mit regnen begann. Zwei Stunden später wurden wir von Al zum Abendbrot geweckt. Heißen Ingwertee mit gebratenem Gemüse, eine scharfen Erdnusssoße und Reis waren ein leckeres Essen aber wir hatten kaum Hunger. Erst wollte Al das Essen im Zelt servieren, da er die Stühle und den Tisch nicht mehr vor dem Zelt fand. Diese hatten wir aber zum Schutz vor dem Regen ins Zelt geräumt, welche genauso schnell wieder aufgebaut waren. Eine weitere Gruppe von derselben Organisation befand sich neben uns. Die Träger und die beiden Guides, was der Bruder von Al war, hatten sich am Lagerfeuer zusammengefunden und aßen den gerade frisch gefangenen und nun gegrillten Fisch . Eine Bucht weiter, befanden sich Zelte von Einheimischen, welche laut Musik machten und den Abend genossen. Wir hingegen zogen uns danach ins Zelt zurück. Caro im Land der Träume und ich schrieb den sehr ereignisreichen Tag nieder, mit den ich aber nicht mehr fertig wurde. Später gesellte ich mich zu Caro ins Traumland.Read more










