• Guten Morgen Patagonien

    December 12, 2025 in Chile ⋅ ☁️ 16 °C

    Viel Schlaf konnten wir uns nicht gönnen, denn um 11Uhr wollte wir den Camper abholen. Was wir uns gönnten, war ein leckeres ausgiebiges Frühstück, welches wir im Hotel dazu gebucht hatten. Da gab es auch selbstgebackene Plätzchen. Mit einem Uber hatten wir Puerto Montt nach Puerto Varas verlassen, um zur Autovermietung zu kommen. Nach einer ausführlichen Einweisung und unterschriebenen Dokumenten durften wir mit nun unseren kleinen Camper vom Hof fahren.

    Unser Ziel würde sich im Laufe des Tages ein paar Mal ändern. Zuerst wollten wir eigentlich auf die Insel Chiloe, welche wir nun eher zum Schluss in Angriff nehmen werden. Der zweite Plan war, nach Hornopiren zu fahren, da bleiben wollten wir nicht. Das lag nicht etwa an der Stadt, welche klein und niedlich am Fjord liegt, sondern am Starkregen. Insgesamt ist Patagonien das komplette Gegenteil, wo wir gerade herkommen. War es gerade noch heiß und musste man sich vor der Sonne schützen, ist es nun stark bewölkt und frostige 10°C, war es bis jetzt immer trocken, regnet es nun in strömen, war alles weitläufig, kahl, schroff, ist es nun saftig grün und dicht bewachsen.

    In Puerto Varas haben wir schnell unsere Basics besorgt, denn wir wollen uns weitestgehend selbst versorgen. Der Camper verfügt über einen kleinen Kühlschrank, sowie eine herausziehbare kleine Küchenzeile. Darüber ist die Liegefläche und auf dem Dach ist ein kleines Solarmodul. Ansonsten ist der Camper sehr, sehr einfach von der Ausstattung, was ich ein wenig schade finde. Fenster zum Kurbeln, das billigste Radio, wo man sich nicht mit dem Handy verbinden kann und Zentralverrieglung schließt nicht den Kofferraum. Was allerdings schön war, der erste Weg entlang am Fjord. Da verwundert es nicht, dass wir zeitnah die erste Fähre nehmen mussten. Durch den Starkregen konnten wir draußen nicht viel unternehmen, weswegen wir uns entschieden gleich die lange Fähre zu nehmen (Fahrzeit 4h) + kleine Fähre (40min), um morgen eine gute Ausgangsposition für die erste Wanderung zu haben. Immerhin die Meereswelt begrüßte uns freundlich, ein Delphin sprang beim Ablegen mehrmals aus dem Wasser. Die Natur verspricht jetzt schon einiges, auch wenn die Wolkendecke das meiste verdeckt. Dicht bewachsen tiefgrüne Hügel ragen steil ins Meer, hin und wieder sieht man Wasserfälle, welche ins hellblaue Wasser stürzen. Die Wolken werden durch den Wind über die Hügel gedrückt, dass es fast so aussehen lässt, als würde der Hügel qualmen.

    Freundlich begrüßt wurden wir auch von den bisher getroffenen Menschen. Viele sprechen hier Englisch oder auch in Wortfetzen noch Deutsch. Zum Beispiel unser erster Taxifahrer, dessen Großmutter kam aus Dortmund und ist damals vor dem Krieg, wie viele andere, nach Chile geflohen. Die Mutter konnte wohl auch noch gut Deutsch sprechen aber in der dritten Generation ebbt es stark ab. So ist es nicht verwunderlich, dass es im Supermarkt viele deutsche Produkte gab.

    Auf der Fähre realisierten wir, wie lange wir noch unterwegs sein werden. Wir hatten es sicherlich schon einmal gewusst aber es war in diesem Moment nicht so wichtig. Vier Stunden dauert die Überfahrt, welche bei schönem Wetter sicherlich eine Augenweite ist. Wir fingen hingegen an zu frieren, weswegen wir uns an Board zwei Nudelsuppen organisierten. Mit etwas Warmen im Baum war es schon erträglicher. Durch die Fenster konnten wir die Landschaft an uns vorbeiziehen sehen, manchmal trieb es mich auch kurz nach draußen. Es war nun kurz vor 22Uhr und alle gingen zu ihren Fahrzeugen zurück. Ehe wir uns ein Schlafplatz suchen konnten, mussten wir nochmal 25min. mit dem Auto zur nächsten Fähre fahren. In völliger Dunkelheit fuhren wir in Kolonne über die asphaltierte Straße aber die war immer wieder mit tiefen Schlaglöchern gespickt. Ein paar Mal polterte es schon heftig, so war es nicht verwunderlich, dass auch andere Fahrer die Reifen auf der nächsten Fähre checkten. Die zweite Fähre war auch geschafft und nun ging es darum einen Schlafplatz zu finden. Gleich nach der Fähre wäre eine Möglichkeit aber ohne Toilette gewesen, weswegen wir ein ganzes Stück weiterfuhren. Alle anderen Autos hatten wir vorbeigelassen und nun waren wir allein auf der Carretera Austral unterwegs, welche sich inzwischen in eine Offroadstraße verwandelt hatte. Es ging hoch und runter und der dichte Regenwald ragte auf die Straße. Handynetz gab es schon eine Weile nicht mehr und so ging es langsam Kilometer, um Kilometer voran. Wir erreichten schließlich den von Caro ausgesuchten Stellplatz, welcher Wasser und Toiletten hatte. Neben uns stand nur ein weiteres Fahrzeug. Nachdem wir uns kurz im Auto organisieren mussten, konnten wir die Augen um circa ein Uhr schließen.
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