Ruhetag – Coyhaique National Park
21. december 2025, Chile ⋅ ☁️ 11 °C
Zum Sonntag ein Ruhetag, … passt doch. Wir schliefen gemütlich aus, ehe wir uns für den Tag vorbereiteten. Das Frühstück genossen wir im Freien, an einer kleinen Sitzgruppe gleich neben dem Camper. Zur Bespaßung dienten drei ältere Herren, die jedoch gestern nicht so angenehm waren. Mit einem Auto mit Dachzelt, einem kleinen Zelt und ein sehr großes Zelt schlugen sie gestern ihr Basislager auf, welches sie nur mithilfe von Wein irgendwie aufgebaut bekamen. Man hatte den Eindruck, dass jeder sich die Sachen erst gekauft hatte und einer musste den anderen übertreffen. Abends wurde 22Uhr noch mit der Drohne geflogen und die Flutlichter in zwei Richtungen angebracht. Lautstark feierten sie sich selbst, … Als wir gestern ins Bett gingen, waren sie zum Glück leiser. Heute früh konnte man das Chaos wieder beobachten.
Wir waren fertig, der Camper umgepackt, da viel mir ein Mann auf, welcher eigentlich oben mit seiner Freundin im Camper schläft und weiter unten, an einem schönen Ausblick arbeitete. Lukas, kommt aus Bayern und hat seine Zelte in Deutschland vorerst abgebrochen. Mit dem Camper waren sie schon in vielen Teilen Südamerikas unterwegs und er hat eine Ausbildung als Zimmermann. So verwundert es nicht, dass er gerade die Geländer-Konstruktion für eine Aussichtsplattform für freie Unterkunft und gelegentliche Essen baute. Sie mussten in Coyhaique Papiergram, sowie den TÜV für ihr Auto in Angriff nehmen und verbrachten hier eine längere Zeit. Unterhaltskosten für Autos, sind quasi nichts, mit unter 100€ im Jahr ist alles abgedeckt (20€ der TÜV mit Mängelliste, ohne 20€ mehr). Bei den Handwerkern oder Mechanikern muss man vorsichtig sein, denn eine Qualitätssicherung der Berufe gibt es nicht. Er hatte sein Fahrzeug schon das ein oder andere Mal reparieren lassen und es manchmal in schlechteren Zustand zurückbekommen. Einmal mit höherem Kriechstrom bei ausgeschaltetem Fahrzeug, das andere Mal, hatte es die gesamte 12V Elektrik zerhauen, mit der Antwort der Werkstatt „Ist doch gar nicht so schlimm“. Wir verquatschten uns sicherlich über eine Stunde und kamen von einem Thema ins nächste. Er gab uns für den Rückweg noch einen wertvollen Tipp, da wir noch ein Thermalbad besuchen wollten. Anschließend verabschiedeten wir uns, da wir in den nahegelegenen Coyhaique National Park wollten. Wenn Zeit kein Thema gewesen wäre, hätten wir sicherlich spontan verlängert, denn der Zeltplatz war zudem idyllisch gelegen.
Wir standen vor der Schranke im National Park und gingen zu den Rangern. Wir hatten uns einen Rundweg 12km, 380Hm herausgesucht. Eine gemütliche Runde, welche das meiste abdeckte. Dann hieß es jedoch wir könnten nur zur Lagune. „Was ist mit den anderen Wegen?“, „die sind nicht offen“. Da es schon nach 12:30Uhr war und der National Park nicht so lange geöffnet war, ahnte ich, dass sie es nur wegen der Zeit nicht wollten. Ich fragte nochmal nach, keine andere Antwort. Als ich fragte, ob diese versperrt wären, nahmen sie die Begründung dankend auf. Gut, wir gehen nur zur Lagune, kauften das Ticket und wanderten schnellen Schrittes los. Der Hinweg, mit sachter Steigung führte durch einen Nadelwald, welcher irgendwann in einen Laubwald überging. Auch Bambussträucher wuchsen vereinzelt. Es war verrückt wie schnell die Biome wechselten. Die Lagune selbst war ein größerer See mit Schilf bewachsenem Ufer und der Wind fegte kräftig darüber hinweg. Der Weg um den See war mit interaktiven Tafeln versehen, welcher insbesondere auf die Geräusche der Umgebung einging. Durch den starken Wind, musste man aber schon sehr genau hinhören. Beim rumschlendern genossen wir einen Apfel und die Atmosphäre.
Nach der Lagune suchten wir den Weg zu unserem Rundweg. Gesperrt war er nicht, so setzen wir unseren ursprünglichen Plan um. Schnellen Schrittes, durchquerten wir den National Park auf gut präparierten Wegen und es war nichts blockiert oder bedrohlich. Der Wald hatte aber sichtlich gelitten, so gab es eine Menge umgestürzter und toter Bäume. Der Wald ist gerade im Wandel. Es wurden vor einer Weile viele Bereiche durch ein Feuer zerstört und anschließend mit nicht heimischen aber schnellwachsenden Bäumen aufgeforstet. Diese werden aber jetzt zum Problem der heimischen Bäume, sodass es nun ein Programm gibt, diese wieder wegzubekommen. Trotz schnellen Schrittes genossen wir die Umgebung, welche auch zahlreiche schöne Ecken hatte. Wir kamen an weiteren kleinen Lagunen vorbei, ehe wir wieder am Parkplatz ankamen. Wir waren das zweitletzte Auto und verließen den National Park, glaub ich, noch pünktlich.
Morgen starten wir zu einer Tagestour. Da diese sehr früh beginnt, fuhren wir nach Puerto Chacabuco, welches 77,6km entfernt lag. Leider ist es auch die Richtung, welche uns zurück auf die Regenseite Patagoniens schickte. Unsere Vermutung der Wettergrenze hatte Lukas heute früh bestätigt. So fuhren wir nicht weit und die ersten Tropfen prallten auf unsere Frontscheibe. Die Landschaft war auch im Vorbeifahren schön, so verging die 1:15h ziemlich schnell.
In Puerto Chacabuco fuhren wir die wichtigsten Punkte ab, Tanken, wo können wir das Auto tagsüber parken, wo müssen wir uns anmelden. Das ging sehr schnell, denn der Ort ist winzig. Da wir Zeit hatten, stellten wir uns am Hafen an den Fjord, öffneten die Heckklappe und schauten nach hinten aufs Wasser, während wir ein Stück Kuchen aßen. Rechterhand lag ein älteres großes verrostetes Schiff, was nun kleinere Booten als Schutz vor den Wellen diente. Ein Problem hatten wir noch. Wo sollten wir die nächste Nacht verbringen? Wir taten uns schwer und konnten nichts so richtig finden. Entnervt stellten wir uns an den Rand und planten noch die beiden übernächsten Tage. Am Hafen fanden wir letztendlich einen Platz, welcher seinen Zweck erfüllen sollte. Das Wetter war wechselhaft und wir wollten uns gerade Abendbrot machen, da kam eine starke Böe nach der nächsten und es fing wieder an mit Regnen. Wir kochten nur noch schnell paar Eier und aßen unsere Brötchen auf den Frontsitzen im Camper. Die darauffolgende Zeit verließen wir den Camper nicht mehr, da die Geräuschkulisse des Campers erahnen ließ, wie ungemütlich es draußen war.Læs mere















