• San Rafael Gletscher

    22. december 2025, Chile ⋅ 🌧 7 °C

    Um 6Uhr klingelte der Wecker. Ein weiteres Mal umdrehen war nicht drin. Die Sachen für heute hatten wir bereits bei Seite gelegt, noch schnell Zähne geputzt und schon standen wir in der Lobby eines vornehmen Hotels. Hier war der Startpunkt für unsere heutige Tour zum San Rafael Gletscher. Der San Rafael Gletscher gehört zum Nördlichen Patagonischen Eisfeld, einem der größten zusammenhängenden Eisgebiete der Erde außerhalb von Antarktis und Grönland. Der Gletscher ist rund 15–17 km lang und bis zu etwa 2 km breit an seiner Front. Seine Eismassen reichen direkt bis auf Meereshöhe und kalben ständig in die Laguna San Rafael, wobei regelmäßig große Eisberge abbrechen.

    Wir waren etwas zu früh und nahmen in der Lobby Platz. Das Besondere der Tour, eine fünfstündige Fahrt durch die Fjordlandschaft Patagoniens mit dem Katamaran Aysen. Nach und nach wurden die Personen mit einem Kleinbus nach unten zum Hafen gebracht und wir bekamen zwei Plätze im oberen Deck. Gegenüber setzte sich ein Pärchen aus North Carolina, wobei sie Chilenin ist und nun als Spanischlehrerin in den USA arbeitet. Sie waren auf Heimaturlaub um Coyhaique und zeigte ihm ihr Heimatland. Auf der Hinfahrt würden wir uns noch öfter über unsere Urlaube, sowie Heimatländer austauschen, was eine angenehme Bekanntschaft war. Welches Essen wird zu Heiligabend serviert, wie sind die Rituale, … am Ende ähnelte es doch sehr stark, ob Chile, Deutschland oder USA. Er, mit medizinischem Hintergrund hatte drei Jahre in England gearbeitet und dadurch ein paar Tage in Deutschland verbracht.

    Die Zeit der Hinfahrt sollte irgendwie überbrückt werden. Daher gab es zu Beginn ein Sicherheitsvideo über den Katamaran. Unsere Aufmerksamkeit hatte das Video, denn draußen war es zugezogen, regnerisch und stürmisch. Danach wurde uns die Arten von Gletschern und deren Eigenschaften nähergebracht, ehe wir unser Frühstück serviert bekamen. Wir saßen direkt am Fenster und konnten am Anfang direkt ein paar Robben beobachten. Die weitere Zeit vertrieben wir uns durch Herumlaufen, hinten gab es ein Außendeck, quatschten mit den beiden aus den USA oder genossen die Fjordlandschaft. Später wurde das Mittag serviert, welches, wie das Frühstück lecker schmeckte. Ab da an waren es lediglich noch 1:30h Fahrt bis zum Ziel. Das Wetter klarte ein wenig auf und verschaffte uns Hoffnung die in den Fjord ragenden Eismassen bei guter Sicht bestaunen zu können. Nun kamen die ersten Eisschollen links und rechts des Boots, welch sich sehr rasch wie ein Flickenteppich ausbreiteten.

    Wir waren da und die gewaltige Eiswand baute sich vor uns in mittlerer Distanz auf, davor trieben viele kleine aber auch sehr große Eismassen, welche sich bereits gelöst hatten. Wir waren in der ersten Gruppe und durften als Erstes in die Beiboote. Mit diesen ging es sehr nah an das Eisgebilde. Ein wenig unbequem war der stetige Nieselregen, von welchen wir uns aber nicht ablenken ließen. Immer wieder kratzten Eisschollen am Rumpf des kleinen Bootes, während wir die verschiedenen Strukturen und Blautöne, sowie die schiere Größe fasziniert bestaunten. Ein paar Daten gab es noch von unserem Guide, bevor wir nach 20min zum Katamaran zurückkehrten.

    An Board gab es den nächsten Snack und das nächste Gespräch. Ein älteres Pärchen aus Meißen, besuchte den Bruder, welcher seit zwei Jahren in Cerro Castillio lebt und gerade eine Chiletour unternahmen. Da sie auch in der Atacama Wüste oder Patagonien unterwegs waren, hatten wir viel Gesprächsstoff über die derzeitige Reise aber auch vergangenen. So kam eins zum anderen und die anderen Gruppen kehrten nach und nach zurück. Das Wetter hatte sich verbessert, so standen wir auf dem Außendeck, wo die Sonne eine Lücke in der Wolkendecke fand und wir uns an ihr wärmen konnten. Zudem ließ es die Eismassen ganz anderes erscheinen.

    Die fünf Stunden Rückfahrt standen an und das Pärchen aus den USA gab uns den Tipp, dass wir noch auf die Brücke könnten. Das nutzten wir und die Hauptmassen waren bereits durch. Oben angekommen verquatschten wir uns mit einem Chilenen, welcher deutsche Vorfahren hatte, die um 1900 nach Chile gekommen waren. Sie hatten viel Wert auf deutsche Schule gelegt, sodass er selbst eine besuchte und auch gut deutsch sprechen konnte. Er hat nun eine brasilianische Freundin und Kinder und lebt zurzeit in Brasilien. Sie besitzen aber noch ein Haus, oberhalb von Puerto Montt, in einer Seenlandschaft, wo sie regelmäßig nach Chile zurückkehren. Wir tauschten uns aus und versuchten so viel wie möglich über Chile und deren Kultur zu erfahren. Was er uns auch Bestätigte ist, die schnell wechselnden Biome, in kürzeren Distanzen. Die deutsche Sprache wird auch hier weitergegeben, denn die beiden Töchter gehen auf deutsche Schulen. Er gab uns ein paar Tipps rund um die Umgebung, um sein Haus, welche wir wohl nicht mehr nutzen konnten.

    Der Rückweg gestaltet sich sehr viel freundlicher als der Hinweg. Waren wir hinzu der Spielball der Wellen, war der Fjord fast glatt und erlaubte Blicke in die Ferne. Auf dem Hinweg gab es bereits zweimal Wein, nun Whisky auf Eis (Vom Gletscher). Caro und ich teilten uns aber ein Glas, denn ich musste heute noch fahren. Snack um Snack wurde uns gereicht, das Abendbrot konnten wir bei den Massen gediegen abhaken. Die weitere Rückfahrt unterhielten wir uns mit Bea und Charles, währenddessen im Hintergrund Karaoke und andere Spiele stattfanden.

    Die einen gingen nach Hause, die anderen ins Hotel. Wir allerdings traten weiter unsere Rückreise an und fuhren zweieinhalb Stunden in Richtung Puerto Montt. Als es hell war, konnte ich km um km abspulen aber in der Dunkelheit sah das anders aus. Wir hatten ein Ziel, eine Wanderung im Queleut National Park, welche uns auf dem Hinweg verwehrt blieb, daher hielt ich die Augen offen, auch wenn eine längere Offroafpassage mehr Zeit in Anspruch nahm. Unweit vom Ziel fanden wir am Fjord einen Platz zum Schlafen.
    Læs mere