• Ein harter Anstieg

    August 3, 2024 in Slovakia ⋅ ☁️ 17 °C

    Auch heute morgen hatte der Regen noch nicht nachgelassen. Ich ging eine Runde mit Ilvy und klitsch nass kamen wir dann wieder am Auto an. Ich kochte mir zum ersten Mal einen Kaffee und er war sogar erträglich. Gegen zwölf Uhr fuhr ich dann los nach Levoča, dort sollte eine Kirche mit einem 18,5 Meter hohen Altar stehen. Dort angekommen zog ich mir ein Parkticket und wollte in die Kirche. Um diese aber besichtigen zu können musste man eine Führung buchen und diese hätte erst eine Stunde später begonnen. Da mein Parkticket aber nur eine Stunde gültig war entschied ich mich dazu, die Stadt ein bisschen zu besichtigen. Sie hatte viele schöne Häuser und auch die Kirche war von außen nett anzusehen. Während meiner Erkundungstour sah ich zwischen den Häusern weit oben auf einem Berg eine weitere Kirche und da wollte ich unbedingt hin. Eine Minute bevor mein Parkticket ablief fuhr ich also los zu der Kirche auf dem Berg. Dort angekommen schnappte ich mir Ilvy und wir gingen um die Kirche herum und genossen den wundervollen Ausblick. Auf dem Rückweg entdeckte ich einen asiatischen Marienkäfer, ich freute mich sehr über den Fund, bis Ilvy raufgetreten ist. Zum Glück lief der Kleine danach, wenn auch mit einem abgecknickten Flügel, weiter. Noch auf dem Parkplatz der Kirche gab ich mein nächstes Ziel ein. Dies würde das absolute Highlight der Slowakei Reise sein. Es ging zu einem Campingplatz im Slowakischen Paradies. Das ist ein Gebirgszug in der Mitte der Slowakei und hier gibt es eine ganze tolle Sache, für alle Adrenalinjunkies. Es gibt dort nämlich verschiedene Trails, die man bezwingen kann. Das besondere an diesen Trails ist, dass man auf schmalen und steilen Leitern oder Holzbrettern über tiefe Schluchten läuft oder so wie ich an einem Wasserfall hochklettert. Das beste aber zugleich auch gefährlichste daran ist, man hat keine Sicherungen oder Seile, an denen man befestigt ist. Man muss sich bei diesen Trails auf seinen eigenen Körper gut verlassen können. Ich habe mir einen dreistündigen Trail ausgesucht und dachte, dass dieser harmlos sei. Das ich da falsch lag habe ich gemerkt, als ich an der ersten steilen Treppe stand. Diese war ungefähr 35 bis 40 Meter hoch und ging direkt an einem Wasserfall entlang. Die Sprossen der Leiter waren etwas rutschig und die Leiter selber schwankte und wackelte, weil unten eine Schraube fehlte. Verrückte wie mich hält das aber nicht ab, also nichts wie hoch da. Mein Adrenalin schoss mir durch den Körper und bei jeder neuen Treppe zitterte ich oben vor Aufregung noch mehr. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Auf dem Weg traf ich ein slowakisches Pärchen. Die beiden konnten etwas Englisch und so gingen wir ein Stück zusammen. Am Ende des Trails trennten sich jedoch unsere Wege, weil die beiden in eine andere Richtung mussten. Nach dem Trail war ich ordentlich fertig aber ich war sehr glücklich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon 10 km zurückgelegt und dabei ging es wirklich immer bergauf, dass heißt ich hatte schon ein gutes Workout hinter mir. Oben am Berg angekommen wurde mir aber klar, dass ich diese 10 km auch wieder zurück musste und es war schon 19 Uhr. Da hier die Sonne eine Stunde früher untergeht als in Deutschland saß mir ordentlich die Zeit im Nacken. Auf einem relativ normalen Wanderweg musste ich also diese 10 km vor Sonnenuntergang bewältigen. Habe ich übrigens erwähnt, dass ich mich in einem absoluten Bärengebiet befinde? Was ich dagegen gemacht habe? Ich habe mir einen Stock genommen und laut Musik angemacht, in der Hoffnung, dass kein Bär meinen Weg kreuzt aber 10 km durch einen mit Bären bewohnten Wald zu laufen war trotzdem nicht sehr beruhigend. Kilometer für Kilometer ging ich weiter, immer an einem steilen Abgrund entlang, während die Sonne schon hinter den Bergen verschwand. Ab dem Zeitpunkt, ungefähr noch 4 Kilometer vom Campingplatz entfernt, fing ich an zu rennen. Mir tat wirklich alles weh aber ich wollte so schnell wie möglich an einen sicheren Ort. Noch zwei Kilometer, noch ein Kilometer, 500 Meter, 200 Meter und endlich stand ich, fix und fertig, vor der Rezeption des Campingplatzes. Ich war unheimlich glücklich und stolz auf mich. Ich habe diesen Trail gemeistert, habe insgesamt 20 Kilometer zurückgelegt, 10 davon mit einem harten Anstieg und 4 mit joggen. 409 Meter ging es über Leitern, Stege und Eisenstangen und insgesamt habe ich heute 30355 Schritte gemacht. Nach der ganzen Aufregung ging ich noch schnell mit Ilvy und machte mir zum Abendessen Rouladen. Für morgen bleibe ich auch noch hier auf dem Campingplatz denn es gibt noch weitere Trails die erkundet werden wollen.Read more