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  • Day7

    Iseo, Sulzano und Marone

    October 18 in Italy

    Das Gräusch, das mich heute morgen weckt, kann ich erst auf den zweiten Anlauf zuordnen: es sind die Wellen des Sees, die direkt hinter dem Wohnmobil und damit unmittelbar hinter meinem Bett am Strand aufschlagen. Das ist doch mal ein angenehmer Wecker. Heute lassen wir es ruhig angehen. Nach dem Frühstück am See geht 's mit dem Rad zum Bummeln nach Iseo. Die Sonne hat sich auch eingestellt und es sind milde 24 Grad. Wir beobachten das Linienboot, das anlegt, die Passagiere aufnimmt und wieder ablegt. Alles geht gemächlich und ohne Hektik vonstatten. Es sind nur wenige Touristen da. Mit dem Linienboot kann man für 19,50 € einen ganzen Tag den See befahren und an jedem Ort aus- oder wieder einsteigen. In dem Preis ist sogar die Mitnahme des Rades enthalten. Eine schöne Idee, eine kombinierte Rad- und Schifffahrt. Wir laufen am See entlang und dann in die Gassen der Altstadt mit ihren vielen kleinen Läden, bestückt mit ganz hochwertiger und hochpreisiger Bekleidung. Das meiste "Made in Italy", keine billige Chinaware für Touristen. In einem Sportgeschäft werden auch wir fündig. Michael bekommt einen neuen Freizeitanzug.
    In jede kleine Straße der Stadt laufen wir, schauen in romantische Hinterhöfe und blühende Gärten, finden versteckte Parks oder winzige, tolle Restaurants. Diese Stadt ist trotz des durchaus vorhandene Tourismus authentisch. Wir kehren ein für einen Cappuccino in einer der Lokale am Marktplatz. Hier haben wir zu Beginn auch die Räder abgestellt, auf denen es dann zurück zum Campingplatz geht. Auf dem Weg liegt der 'Italmarkt", ein Supermarkt mit einem guten Angebot. Hier halten wir, um unsere Vorräte wieder zu ergänzen. Ich möchte gern eine Flasche Rotwein aus der Region mitnehmen für den Abend und greife zu einem Angebot der Region. Nun muss ich sagen, ich bin wirklich nicht der absolute Weinkenner. Für mich gibt es nur zwei Kriterien: Schmeckt oder schmeckt mir nicht. Ansonsten mag ich gern einen Prosecco.
    Als ich am Abend den Korken der Flasche öffne, bin ich etwas irritiert über den "Blob", mit dem er das letzte Stück eigenständig die Flasche verlässt. Beim Einschenken bemerke ich, dass er leicht sprudelt. Was hab ich da gekauft? Ist der schlecht? Nein, er schmeckt sogar super mit der leicht prickelnden Beigabe. Ich schau noch einmal auf die Flasche: Rotwein steht da und Spumante. Jetzt bin ich neugierig geworden und recherchiere:
    Am Iseosee liegt die Franciacorta, eine noch
    junge italienische Weinbauregion. Sonnenverwöhnte mit Weingärten überzogene Hügel, Olivenhaine, malerische Flüsse, – das alles kennzeichnet die Franciacorta, die sich vom Iseo See bis fast nach Brescia erstreckt. Diese Region wird wegen ihrer Schaumweine, die nach Art der Champagne in Flaschen gegoren wird, auch als die Champagne Italiens bezeichnet. Wobei die Franzosen das sicher nicht gern hören.
    Die Weine aus der Franciacorta gelten noch als absoluter Geheimtipp. Na, da habe ich ja was entdeckt und wieder dazugelernt.
    Am Nachmittag fahren wir mit dem Roller am See entlang. Unseren ersten Stopp machen wir in Sulzano und laufen zum Anleger hinunter. Auf großen Plakaten werden Bilder des Top Events vom Sommer 2016 abgebildet, als der Verpackungskünstler Christo einen Steg aus gelben Kunststoffplatten gelegt hat. Die "Floating Piers" erlaubten es den Besuchern, von Sulzano aus zu den Inseln Monte Isola und San Paolo zu schreiten und dabei gleichsam über das Wasser zu gehen, die sonst nur mit dem Linienboot zu erreichen sind. Von dieser Aktion hatte ich zwar gehört, aber noch nicht realisiert, dass wir uns gerade am Ort des Ereignisses befinden. Das war Lektion Nummer 2 an diesem Tag. Die nächste folgt gleich danach, als ich mir eine der schwarzen Oliven vom Baum pflücke. Ich liebe Oliven jeglicher Art und besonders die Schwarzen. Doch kaum im Mund, befördere ich sie auch schon mit einem "Igitt" wieder hinaus. So was von bitterem Geschmack. Nicht genießbar. Scheinbar müssen die erst gekocht werden. Nicht gekocht, finde ich kurze Zeit später heraus, sondern den Oliven müssen durch einem Bad in einer Lauge zunächst die Bitterstoffe entzogen werden. Erst danach können sie weiterverarbeitet und in Essig oder Salzlaake eingelegt werden. Und es gibt auch keine schwarzen und grünen Sorten. Je länger die Oliven am Baum hängen, desto dunkler werden sie.
    Unsere Fahrt geht weiter nach Marone. Auch hier bummeln wir durch den kleinen Ort. Man ist bereits unter sich. Vom Treiben im Sommer zeugen nur noch die großflächigen Bilder auf den verbarrikadierten Fenstern der Seeterrasse. Von Marone führen ausgeschilderte Wanderwege zu den Bergdörfern und zu den Erdpyramiden, einer Sehenswürdigkeit dieser Gegend. Wir kehren in eine der wenigen geöffneten Bars ein. Zu meinem bestellten "Spritz" bekomme ich hier nicht nur Kräcker und Chips sondern Brot mit Olivenöl, Salami, Käse und Oliven. Fast ein halbes Abendessen, das wir uns dann teilen. Die Sonne beginnt unterzugehen. Wir machen uns auf den Heimweg, denn im Dunkeln wollen wir die unbekannte Straße wegen ihrer Schlaglöcher und Schikanen zur Geschwindigkeits-Begrenzung nicht fahren.
    Am Abend gehen wir in das Restaurant des Campingplatzes und werden überrascht. " Haben Sie reserviert?", fragt der Kellner. Schick im schwarzem Hemd. "Nein", antworten wir. Ich schaue etwas verschämt an mir herunter und begutachte meine lässige Kleidung. Aber wir bekommen trotzdem einen Platz, auf der abgeteilten, mit Seitenwänden geschützten und romantisch in Szene gesetzten Terrasse. Wäre es hell, könnten wir auf den See schauen. So sehen wir nur die Lichter auf der gegenüberliegenden Seeseite. Zu meiner Erlechterung tragen alle Gäste hier Freizeitkleidung. Die Karte ist gut, das Essen lecker und preislich mehr als ok. Und der Vino de la Casa ist ein weißer Schaumwein aus der Franciacorta.
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