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  • Day42

    Kathmandu: Durbar Square & Pashupatinath

    May 11 in Nepal ⋅ ⛅ 29 °C

    Auch die vergangenen zwei Tage in Kathmandu verbrachten wir mit eher bescheidenem Sightseeing. Ein wichtiger Grund dafür ist Ines' etwas fragiler Gesundheitszustand, den wir nicht noch unnötig gefährden wollen, bevor es bald auf Bergwanderungen geht. Gestern früh wagte sich das zerbrechliche Geschöpf aber doch aus dem schützenden Umfeld des Hotelzimmers und blinzelte in die nepalesische Morgensonne - allerdings nur, weil ein ganz besonderes Objekt des Begehrens lockte: Ich zeigte Ines die Bäckerei, in der ich am Tag davor deutsches Brot für sie gefunden hatte und die spontan zu ihrem Lieblingsort in Südasien mutierte. Es brauchte wohl zwei Monate fern der Heimat, um in Ines die Liebe für Brot zu erwecken!

    Nach einem kurzen Eintauchen in die Welt der Wanderartikelläden Kathmandus (wir haben die Materialanforderungen wohl doch etwas unterschätzt!) kehrte Ines in ihr Refugium zurück, während ich mich der nepalesischen Tourismusbürokratie widmete. Wer in Nepal wandert, braucht stets eine allgemeine Wanderbewilligung (TIMS) und eine spezielle Zulassung des Gebiets, in dem man wandert (für uns Annapurna) . Diese Registrierungen dienen offiziell dazu, den Behörden einen Überblick über die unzähligen Wanderer zu geben, die in den Bergen herumwandeln. Angesichts der gesalzenen Preise dieser Zulassungen (20$ für TIMS, 30$ für den Nationalpark) drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass der Einnahmeaspekt dieser Vorgaben nicht zuletzt kommt. Das wäre auch halb so schlimm, wenn das Beantragen dieser Zulassungen schnell und unkompliziert möglich wäre. In Tat und Wahrheit musste ich allerdings erst Passfotos und Passkopien organisieren, dann das nepalesische Tourismusministerium aufsuchen, nur um dort zu erfahren, dass das TIMS-Büro trotz anderslautenden Angaben im Internet geschlossen hatte. Das Büro für die Annapurna-Bescheinigung war immerhin von einem mürrischen Beamten besetzt, der mich zwei Formulare ausfüllen liess, schliesslich unsere Passfotos an einen Zettel tackerte und mir dafür dann 60$ abknöpfte. Wer liebt sie nicht, die gute Bürokratie?

    Auf meinem Fussweg vom Tourismusministerium zurück erreichte ich mit einem kleinen Umweg den Durbar-Platz, einen zentralen, von Pagoden besetzten Platz in Kathmandu. Ich machte einige Fotos, um Ines später auch an dieser Erfahrung teilhaben zu lassen, und machte mich dann auf den Heimweg. Zurück im Hotel konnte ich Ines dazu überreden, unweit unseres Hotels mit mir Hot Pot essen zu gehen. Dieses chinesische Gericht ist der Ursprung unseres Fondue chinoise und besteht aus zwei Suppen (eine scharf, die andere schärfer), in denen man nach eigenem Gusto Fleisch, Gemüse und Nudeln kochen kann. Meinem Eindruck nach belebte die Schärfe die Lebensgeister von Ines durchaus!

    Auch heute war Ines noch nicht fit genug für Sightseeing, weswegen ich wiederum alleine durch die Stadt zum Pashupatinath fuhr. Auch in Nepal ist der Hinduismus die mit Abstand grösste Religion, was sich an Grösse und Popularität dieses hinduistischen Tempelkomplexes zeigt. Der Pashupatinath dient allerdings nicht nur als Stätte eines bedeutenden Tempels (den man als Nicht-Hindu nicht besuchen darf), sondern auch als eine Art Freiluft-Krematorium: Am Fluss, der den Tempelkomplex durchzieht, verbrennen Hindus ihre kürzlich verschiedenen Verwandten. Ich war von der ganzen verrauchten Szenerie so beeindruckt, dass ich mich erst nicht traute, ein Foto zu machen - aus Angst, pietätslos zu sein. Als allerdings kurz darauf drei Schausteller mit Gesichtsbemalung um mich herumtanzten und mich zu einem überteuerten Foto überredeten, schien es mir ganz, als sei dies doch kein Ort der respektvollen Besinnlichkeit.

    Leider war auch der "heilige" Fluss dreckig und zugemüllt, was allerdings ganz gut zum Sauberkeitszustand von Kathmandu passt. Zwar ist das Abfallproblem hier nicht ganz so schlimm wie in Indien, die Luftverschmutzung aber umso schlimmer. Da die Stadt im Tal liegt, im Verkehr erstickt und grösstenteils mit Kohle heizt, liegt der Luftqualitätsindex hier bei 171, während in heimischen Breitengraden Werte von 20 bis 30 normal sind. Auf die Schnelle fand ich keine andere Stadt auf der Welt mit höherem Wert... Anders gesagt: Wir freuen uns auf Stille und unberührte Natur in den Bergen!
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