Tirana ➡️ Kruja ➡️ Ostrog
May 6 in Albania ⋅ ⛅ 16 °C
Tag 23 - wir starten heute erholt in den Tag und beginnen morgens unsere Weiterreise. Der vormittagliche Stadtverkehr der albanischen Hauptstadt ist erneut eine echte Zumutung - insbesondere für Jens. Als wir Tirana verlassen haben und sich auf der Autobahn der Verkehr sichtlich beruhigte war die Erleichterung entsprechend groß.
Unser Zwischenziel für heute war die Stadt Kruja und die dortige mittelalterliche Burganlage. Kruja war im 15. Jh. das Zentrum des albanischen Widerstandes gegen die osmanischen Besatzer und häufiger Aufenthaltsort des Nationalhelden Skanderbeg. Skanderbeg, dessen Name an Alexander dem Großen angelehnt ist, war Anführer der widerständigen Albaner*innen und verhinderte zwei Jahrzehnte lang die Annektion durch das Osmanische Reich. Deshalb gilt er heute vielen Albaner*innen als wichtige Identifikationsfigur. Das geht so weit, dass sein Familienwappen, der doppelköpfige Adler (von uns liebevoll "Doppeladler" genannt 🇦🇱), nun auf der Nationalflagge zu sehen ist und im Land praktisch allgegenwärtig ist. Auch sein Helm mit Ziegenkopf, dessen Original allerdings in Wien zu besichtigen ist, prangt auf dem Staatswappen. So überrascht es nicht, dass ihm auch ein ganzes Museum in Kurja gewidmet ist. Es handelt sich dabei um ein u.a. von Pranvera Hoxha, der Tochter des Diktators, entworfenes Gebäude, das optisch einer Teurzburg nachempfunden ist und mit allerlei künstlerischen Darstellungen, Texttafeln und wenigen authentischen Ausstellungsstücken gefüllt ist. Schon die Kommunist*innen wollten Skanderbeg als quasi-sakrale Figur und Religionsersatz aufbauen, die der Bevölkerung abverlangt, nötigenfalls das Land "mit ihrem Blut" zu verteidigen, wie es in einem Skanderbeg-Zitat heißt, das an der Wand geschrieben steht. Dieses Museum steht also im Einklang mit der Ideologie, die den Bau der tausenden Bunker im Land veranlaßt hatte. Angesichts der uns präsentierten Ausstellungsräume kommt uns erneut "Disneyland" in den Sinn. Wir lernen hier weniger über Skanderbeg als über den Kult, der um ihn herum gesponnen wurde und bruchlos bis heute gesponnen wird. Eine kritische Aufarbeitung der Instrumentalisierung seiner Person in Realsozialistischen Zeiten sehen wir jedenfalls nicht - ganz im Gegenteil!
Ebenfalls auf dem Burggelände befindet sich eine Ruine einer Moschee und eine wunderschöne alte Bektaschi-Tekke. Dort wächst auch ein ca. 500 Jahre alter Olivenbaum, den Skanderbeg anlässlich seiner Hochzeit gepflanzt haben soll. Heute ruhen unter seiner Krone die Derwische und Babas, die an dieser Tekke ihren Dienst versehen haben. Ein ruhiger, spiritueller Ort!
Später geht es für uns zur Grenze nach Montenegro, wo wir, nachdem wir ungefähr eine Stunde auf unsere Grenzkontrolle warten mussten, Albanien verließen. Hier erwartet uns wenig Verkehr. Aus der Ferne sehen wir den Skutarisee, den größten See des Balkans, und fahren auch durch Podgorica, die etwas verschlafen wirkende Hauptstadt Montenegros. Ohne weitere Vorkommnisse erreichen wir am frühen Abend unsere Unterkunft in direkter Nähe zum Ostrog Kloster, das wir morgen besuchen wollen. Das Abendessen war eher ein Reinfall, die Unterkunft dafür aber sehr solide - wir haben einen kleinen Bungalow ganz für uns allein!
🚙 210 km, 🚶🏻🚶🏼 3 km, 🏛️ 1Read more






















TravelerSo viel Geschichte…. Und ich bin froh, dass ihr und euer Auto bisher heil geblieben seid!