• Dubrovnik ➡️ Međugorje

    May 10 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☁️ 21 °C

    Tag 27 - wie so oft starten wir gegen 9 Uhr und fahren heute über wenig befahrenen Straße, ohne Serpentinen oder Wartezeit an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina.

    Unser erster Stop gehört zum UNESCO Kulturerbe: das Nekropola Radimlja Gräberfeld. Es besteht aus 135 Grabsteinen, die mehrheitlich aus dem 14. - 15. Jahrhundert stammen. Weil man in Bosnien danach den muslimischen Glauben annahm, starb diese besondere Grabsteinkultur mit der Zeit aus. Die Stećci, so heißt diese besondere Art Grabsteine, sind reichlich verziert, meist mit einer menschlichen Figur mit einer erhobenen Hand. Andere Motive sind Jagdszenen, Ritterturniere, Tänze, Weinreben oder Bewaffnungen. Die Stećci gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen der mittelalterlichen Bosnischen Kirche, die ihrer Zeit einen Sonderweg zwischen West- und Obstkirche ging. Leider wissen wir über den Glauben und die Kultur dieser Kirche heute sehr wenig, weil sie wenig Quellen hinterlassen haben. Immerhin diese Grabsteine zeugen noch von ihr.

    Unser Tagesziel war heute aber Međugorje, neben Lourdes und Fatima einer der bedeutendsten katholischen Marien-Wallfahrtsorte Europas: Am 24. Juni 1981 soll auf einem Hügel in der Nähe des Dorfes Međugorje einer Gruppe katholischer Jugendlicher die Gottesmutter Maria erschienen sein. Einige dieser Personen behaupten, dass sie ihnen seitdem täglich bzw. jährlich erscheine und ihnen Botschaften übermittele. Vor allem geht es in den Botschaften um Frieden und um den hohen Stellenwert von Beichte, Rosenkranz und Messe. Obwohl selbst der Vatikan sich (bisher) nicht dazu durchringen konnte, die Marienerscheinungen für authentisch zu erklären, zieht dieser Ort das ganze Jahr über zahlreiche Pilger*innen an - jährlich sollen es 2,5 Mio. sein. Das ganzjährige tägliche Abendgebetsprogramm dauert etwa 3–4 Stunden und wird simultan übersetzt in diverse Sprachen und über 6 Mio. Menschen verfolgen es tagtäglich live im Internet. Ein Ort also, der für sehr viele Menschen eine große Anziehungskraft hat. Und wir mittendrin!

    Kurz nach unserer Ankunft geht es für Björn auf den Berg der Erscheinung - hier soll Maria zum ersten Mal erschienen sein. Jens ruht sich derweil im Hotel aus. Sofort fallen die sehr vielen Souvenirstände auf, die viel Profit aus den vielen Pilger*innen schlagen. Am Berg angekommen versteht Björn auch, warum so viele Geschäfte hier Gehstöcke im Angebot haben. Der Anstieg über den nackten Fels zu der Anhöhe, wo eine Marienstatue den Ort der ersten Offenbarung markiert, ist anstrengend, aber auf eine Weise auch eine spirituelle Erfahrung. Mehrere Dutzend, wenn nicht gar hundert Menschen befanden sich in diesen Nachmittagsstunden ebenfalls auf dem Weg nach oben und halten zwischendurch Andacht.

    Nachdem wir uns am Hotel wieder getroffen haben erkunden wir gemeinsam ein wenig den Ort und vor allem die riesige Anlage rund um die Kirche herum. Mehr als 50 Beichtstühle, die teilweiße ein Ampelsystem haben und vor denen sich Schlagen bilden, ein Kreuz mit hunderten Kerzen davor, eine Kopie der Marienstatue vom Erscheinungsberg, wo Gläubige in Andacht versunken sind, ein Außenaltar mit großen Bildschirmen rechts und links wo das Abendprogramm aus der Kirche direkt nebenan gezeigt wird, das mit mehreren Kameraeinstellungen übertragen wird. Die Kirche ist brechend voll, weswegen sich auch draußen viele Menschen versammeln. Es hat ein bisschen was von Kirchentag, aber sehr sehr sehr katholisch. Wir setzen uns etwas dazu und beobachten das Programm und wie ergriffen viele Menschen um uns herum sind. Zwar wird uns auch an einem Ort wie diesem vor Augen geführt, warum wir nicht katholisch sind und mit dieser Form von Marienverehrung können wir nicht viel anfangen, aber es ist unübersehbar, was für große spirituelle Schätze dieser Ort hervorbringt und über Umwege ist das dann auch für uns inspirierend, oder zumindest eine spannende Erfahrung.

    Interessant wäre aber noch sich zu fragen, welche Rolle dieser nicht nur sehr katholische, sondern auch sehr kroatische Ort für den kroatischen Nationalismus spielt, oder ob die Friedensbotschaft von Međugorje dazu beitragen kann, die tiefen Wunden in dieser Region zu schließen und Versöhnung zu ermöglichen.

    🚙 145 km, 🚶🏻🚶🏼‍♂️ 8 km, ⛪ 1
    Read more