• Međugorje ➡️ Mostar ➡️ Sarajevo

    May 11 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☁️ 17 °C

    Tag 28 - mit einer katholischen Messe auf Deutsch in den Tag gestartet. Nach den vielen Gottesdiensten in so vielen Sprachen war es wirklich komisch alles verstehen zu können. Es war, trotz manchen Befremden, ein schöner Gottesdienst. Beim letzten Lied (es war natürlich der Gottesmutter gewidmet) wurde die Kirchen von sehr vielen Menschen "gestürmt". Nach 5 Minuten Pause sollte ein englischsprachiger Gottesdienst stattfinden. Wir hatten wirklich Probleme, gegen den Strom der Menschen die Kirchen zu verlassen.

    Unser erstes Ziel heute war die Brücke von Mostar. Ein Bild dieser Brücke kennt wohl ein jeder, der in seiner Kindheit beim "Jugoslawen" Essen war. Ein UNESCO Weltkulturerbe, das 1566 erbaut wurde. Für die damalige Zeit waren die 30 m Breite und 19 m Höhe ein Bauliches Meisterwerk. Es verband die muslimische Seite mit der christlichen Seite der Stadt und stand damit symbolisch für Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen Menschen verschiedener religiöser und kultureller Orientierung. Im Jahr 1993 wurde die Brücke im Bosnienkrieg von kroatischen Soldaten zerstört und 1995 bis 2004 originalgetreu wieder aufgebaut. In der direkten Umgebung konnten wir auch noch Häuser mit Einschusslöcher von Gewehren und Geschützen sehen. Heute ist die Brücke wieder ein beliebtes Ziel für Tourismus und drum herum gibt es viele Verkaufsstände und Restaurants. Wir haben selbst in einem davon bei herrlicher Kulisse Mittag gegessen und konnten von dort aus auch zwei Brückenspringer sehen.

    Auf dem Weg zu unseren nächsten Ziel, Sarajevo, der multikulturellen Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina hörten wir Podcasts zu der 1425 Tage andauernden Belagerung der Stadt von 1992 bis 1996 durch bosnische Serb*innen, die längste Belagerung einer Stadt im 20. Jh. - CN: massive Gewalt und Kriegsverbrechen. Diese Stadt, die immer ein Sinnbild für das friedliche Zusammenleben von Muslim*innen, Katholik*innen, Orthodoxen und Jüd*innen, von Bosnier*innen, Kroat*innen und Serb*innen war, ist ihnen ein Dorn im Auge gewesen. Und um für ein ethnisch gesäubertes Großserbien zu kämpfen, kesselten die serbischen Einheiten die Stadt ein und nahmen sie so in Geiselhaft. Jahrelang verübten sie Terror gegen die Zivilbevölkerung. Schrecklich, was damals Menschen angetan wurde. Täglich gingen ca. 300 Granaten auf die Stadt nieder. Scharfschützen nahmen Zivilist*innen ins Visier und schossen auch auf Kinder. Teilweise sollen auch reiche Menschen von außerhalb dafür bezahlt haben, hier auf Menschenjagd gehen zu dürfen. Insgesamt wurden in den vier Jahren mehr als 11.000 Menschen in der Stadt getötet, oder besser: ermordet. Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns mit einer Podcastfolge oder Internetartikeln auf eines unserer Reiseziele vorbereiten, aber diesmal lässt es uns besonders sprachlos zurück.

    Sarajevo zeigte sich und dann bis jetzt von seiner ruhigen Seite. Der Verkehr ist entspannter als erwartet. Wir wohnen in einem äußerlich recht runtergekommenen sozialtischen Hochhaus, in einer hervorragend renovierten und sehr gut ausgestatteten Wohnung, für 26€ die Nacht und fühlen uns soweit sehr wohl hier.

    🚙 145 km, 🚶🏻🚶🏼6 km
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