Sarajevo
May 12 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ⛅ 17 °C
Tag 29 - nicht zu Unrecht wird Sarajevo manchmal das "Jerusalem des Balkans" genannt. Auf engem Raum sieht man hier mehrere Synagogen, Moscheen und Kirchen verschiedener Konfessionen. Hätten wir es darauf angelegt, hätten wir hier also unseren Gotteshaus-Counter ordentlich nach oben treiben können. Wir hatten aber auch abseits davon genug schöne und interessante Orte auf unserem Zettel.
Am Vormittag ging es für uns Richtung Altstadt, vorbei an hunderten Einschusslöchern, notdürftig reparierten Häusern und den "roten Blumen" von Sarajevo: Orte, an denen während der Belagerung der Stadt mindestens drei Menschen zeitgleich durch Granateneinschläge getötet worden sind, wurden durch rotes Harz markiert.
In der Altstadt besichtigten wir zunächst die Akademie der Schönen Künste. Das Gebäude in dem sie sich heute befindet wurde Ende des 19. Jh. als Kirche und Gemeinderäumlichkeiten der evangelischen Gemeinde gebaut. Als diese nach dem Ende der k.u.k.-Monarchie nahezu geschlossen auswanderte, wurde das ehemalige Gotteshaus anderen Zwecken zugeführt und gehört heute der Universität. Eine würdige weitere Nutzung dieses schönen Gebäudes. Drinnen konnten wir auch einige hübsche Kunstwerke bewundern.
Danach ging es für uns weiter zu der orthodoxen und dann zur nahegelegenen katholischen Kathedrale der Stadt. Von hier aus ist auch der alte Basar nicht weit, wo wir durch die Gassen schlenderten und uns in einem Restaurant stärkten.
Auf dem Weg zur aschkenasischen Synagoge (wir haben gelesen sie sei sogar die drittgrößte Europas!) kommen wir an dem Ort des Attentats auf den österreichischen Kronprinz Franz Ferdinand vorbei, das (zumindest vorgeblich) Anlass für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges war.
Nach unserem Besuch der Synagoge, die uns von einem Gemeindemitglied gezeigt und erklärt wurde, ist unsere nächste Station die Sarajevska pivara, die Aktienbrauerei Sarajevo. Ehemals war dies die größte Brauerei von Österreich-Ungarn und später eine der größten Brauereien Jugoslawiens. Strategisch über einer Wasserquelle errichtet, war sie während der Belagerung der Stadt sehr wichtig für die Versorgung mit Trinkwasser. Das historische Gebäude beherbergt das einzige Brauereimuseum des Landes und ein repräsentatives Brauhaus. Natürlich haben wir beides aufmerksam unter die Lupe genommen.
Weitere Highlights nahe dem Basar waren für uns einerseits die Gazi-Husrev-Beg-Moschee, die größte Moschee des Landes und mit einer Entstehungszeit im 16. Jh. auch eine der ältesten. Ein sehr eindrucksvolles Gebäude! Als wir dort waren, fand gerade eine Veranstaltung statt, bei der u.a. auch aus dem Koran vorgetragen wurde. Andererseits war es die sephardische Synagoge aus dem 16. Jh., in der sich heute neben dem Gebetsraum eine Ausstellung zur Geschichte jüdischen Lebens in Bosnien und Herzegowina mit interessanten Ausstellungsstücken befindet. Unter anderem geht es auch um die Beteiligung von 800 bosnischen Jüd*innen an der Partisanenbewegung, der es im Zweiten Weltkrieg nahezu ohne Hilfe von außen gelungen ist, Jugoslawien von Besatzung und Faschismus zu befreien.
Auf dem Rückweg schauten wir noch in das Nationalmuseum hinein. Dafür, dass wir hier den vergleichsweise höchsten Eintrittspreis bezahlen mussten, hatten wir etwas mehr erwartet. Viel haben wir so oder so ähnlich auf unserer Reise schon gesehen. Viele wertvolle Exponate scheinen in Zeiten der Fremdherrschaft außer Landes gebracht worden zu sein. Das bedeutendste Ausstellungsstück der Sammlung, die Sarajevo Haggadah, eine jüdische Schrift mit wunderbarer Buchmalerei aus dem 14. Jh., das sephardische Jüd*innen auf ihrer Flucht aus Spanien nach Bosnien brachten, ist momentan der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Immerhin konnte Björn ein relativ günstiges Faksimile davon erwerben und sich nun so oft er es will daran erfreuen.
🚶🏻🚶🏼 11 km, ⛪2, 🕍 2, 🕌 1Read more

























