Srebreniza ➡️ Jajce
May 14 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☀️ 11 °C
Tag 31 - die Nacht war erholsam und dennoch unruhig. Die Eindrücke vom Genozid an den Bosniaken im Juli 1995 waren sehr präsent. Heute begeben wir uns für einen zweiten Besuch in die Gedenkstätte. Wir betreten Räume, die wir gestern auslassen mussten und besuchen auch das moderne Museum in der Fabrikhalle.
Irgendwann haben wir aufgehört, uns die Hinweistafeln zu übersetzen. Das viele Leid schlug uns aufs Gemüt und auf den Magen. Erneut stieg die Wut in uns auf über das Nichthandeln der UN Soldaten und das Versagen der internationalen Gemeinschaft. Wir sehen Bilder von Überlebenden, gezeichnet von den Grausamkeiten, die sie durchlitten haben. Wir sehen Bilder der geöffneten Massengräber. Es macht uns fassungslos, dass viele Täter, die hier tausende Menschen ermordet haben, auf freien Fuß bleiben konnten. Noch immer gibt es Menschen, die leugnen, was hier geschehen ist. Einige von ihnen in wichtigen Positionen in der Republik Srpska, dem serbischen Teil Bosnien-Herzegowinas, und in der Republik Serbien.
Wir sind froh, als wir diesen Ort verlassen können. Gleichzeitig wissen wir aber auch, was für ein Privileg es ist, dass wir uns dem allen hier freiwillig aussetzen und dann wieder weiterfahren können. Ein Privileg, dass weder die Opfer noch die Überlebenden dieses Genozids haben.
Auf unserer Weiterfahrt nach Jajce, einem kleinen Ort nördlich von Sarajevo haben wir uns lange angeschwiegen. Nach dem Erlebten können wir nicht zu dem unbeschwerten Reisealtag übergehen.
Am späten Nachmittag kommen wir dann an unserem Tagesziel an. Jajce liegt auf einem Berghang und verfügt über einen wirklich schönen 22 m Wasserfall in direkter Nähe zur Altstadt. Nachdem wir das Naturwunder der Stadt bestaunt haben, erkunden wir auf dem alten Festungshügel die Ruine der Kirche St. Lukas mit seinem romanischen Turm und eine unterirdische Kirche, die einem lokalen Grafen und seiner Familie als Grablege dienen sollte. Außerdem besuchen wir die Esma-Stanija-Moschee aus dem 18. Jh. Vor der Moschee sehen wir ein Denkmal für im Bosnienkrieg gestorbene Bosniak*innen. Direkt gegenüber steht sein kroatisches Gegenstück mit kroatischen Staatswappen und lateinischen Kreuz. Auch sind in dieser Stadt an wirklich jedem, nicht renovierten Haus Einschusslöcher zu sehen. Der Bosnienkrieg mag inzwischen dreißig Jahre her sein, hier prägt er aber noch immer das Bild der Stadt.
In der Fußgängerzone haben wir gut gegessen und sind im Großen und Ganzen froh aus der Republika Srpska wieder raus zu sein - auch wenn wir dort viel über dieses gespaltene Land lernen konnten.
🚙 286 km, 🚶🏻♂️🚶🏼♂️2 Km, ⛪1, 🕌1Read more

























