• Bad Dürrenberg und seine Sole

    12 maja, Niemcy ⋅ 🌧 8 °C

    Nach einer Nacht, in der der Regen auf Grisu trommelte, als wollte er unbedingt ins Fahrzeug gelassen werden, starteten wir heute gemütlich in den Tag. Ausschlafen, spätes Frühstück und erstmal schauen, ob draußen noch Land zu sehen ist – die klassische Regenreise-Routine eben.

    Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Gradierwerk in Bad Dürrenberg. Schon von weitem wirkt die riesige Anlage beeindruckend. Mit mehreren hundert Metern Länge gehört das Gradierwerk zu den längsten zusammenhängenden Gradierwerken Europas. Ursprünglich diente es dazu, den Salzgehalt der Sole zu erhöhen. Die Sole stammt aus tiefen unterirdischen Salzlagerstätten, wo sich das Wasser über Jahrtausende mit Salz angereichert hat. Früher war dieses „weiße Gold“ unglaublich wertvoll und Grundlage für den Wohlstand vieler Städte.

    Besonders spannend ist dabei die Konstruktion des Gradierwerks. Die Sole rieselt über riesige Wände aus Schwarzdornzweigen herunter. Warum ausgerechnet Schwarzdorn? Ganz einfach: Die dichten, robusten und extrem widerstandsfähigen Zweige bieten eine riesige Oberfläche, an der das Wasser langsam herunterlaufen kann. Dabei verdunstet Wasser, die Sole wird konzentrierter und gleichzeitig entsteht die salzhaltige Luft. Außerdem hält Schwarzdorn erstaunlich lange durch – quasi der Mercedes unter den Sträuchern.

    Und genau das merkten wir sofort. Rund um das Gradierwerk liegt eine angenehm salzige, frische Luft in der Atmosphäre. Fast wie Nordseeurlaub… nur ohne Möwenklau beim Fischbrötchen.

    Besonders spannend fanden wir die Kaltinhalierhalle. Dort atmet man die feine salzhaltige Luft direkt ein, die durch die rieselnde Sole entsteht. Das soll besonders gut für Atemwege, Bronchien und das allgemeine Wohlbefinden sein. Wir saßen also ganz entspannt dort, atmeten tief durch und fühlten uns für einen Moment wie zwei Wellness-Profis auf Kurreise. Wahrscheinlich waren wir noch nie so gesund beim Nichtstun.

    Nach unserem Besuch ging es weiter Richtung Leipzig. Leider meinte das Wetter auch dort, uns weiterhin begleiten zu müssen – allerdings eher in Form eines Dauerwaschgangs. Wegen des starken Regens fiel die geplante Stadterkundung buchstäblich ins Wasser. Statt Sightseeing gab es heute also hauptsächlich Scheibenwischer in Höchstleistung und den romantischen Klang von Regentropfen auf dem Fahrerhaus.

    Jetzt hoffen wir auf morgen und darauf, dass Leipzig sich vielleicht doch noch von seiner sonnigen Seite zeigt. Grisu jedenfalls steht tapfer auf seinem Platz und wirkt, als könnte ihn selbst ein kleiner Monsun nicht aus der Ruhe bringen.
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