• Leipzig

    May 13 in Germany ⋅ ☁️ 9 °C

    Unser heutiger Tag begann – wie sollte es auf dieser Reise auch anders sein – erstmal mit Regen. Langsam haben wir den Verdacht, dass uns eine kleine persönliche Regenwolke verfolgt. Immerhin liegt unser Stellplatz direkt hinter dem Leipziger Hauptbahnhof und damit perfekt für eine Stadterkundung zu Fuß. Also Regenjacken an und los ging’s.

    Vom Goethedenkmal aus, mit Blick auf die Alte Börse, starteten wir unseren Rundgang durch Leipzig. Das Goethedenkmal erinnert daran, dass der junge Johann Wolfgang von Goethe hier in Leipzig studierte. Wahrscheinlich lief er damals ähnlich oft durch Regen wie wir heute – nur ohne Funktionsjacke. Die Alte Börse direkt daneben zählt zu den ältesten Barockgebäuden der Stadt. Früher trafen sich hier die Kaufleute und handelten Waren aus aller Welt. Heute wirkt das elegante Gebäude mit seiner hellen Fassade und den vielen Verzierungen eher wie ein Ort, an dem man stilvoll Kaffee trinken sollte, anstatt hektisch Geschäfte abzuschließen.

    Weiter ging es zum Marktplatz, der wirklich beeindruckend groß und lebendig ist. Umgeben von prachtvollen historischen Häusern spürt man sofort, wie wichtig Leipzig schon seit Jahrhunderten als Handelsstadt war. Besonders dominant steht dort das Alte Rathaus – ein wirklich imposantes Gebäude der Renaissance. Mit seiner langen Fassade, den vielen Fenstern und dem markanten Turm sieht es fast aus, als hätte jemand ein Schloss mitten auf den Marktplatz gestellt. Man erwartet förmlich, dass gleich ein Stadtschreiber aus dem Fenster schaut und neue Handelsgesetze verkündet.

    Da das Wetter weiterhin seine sehr wechselhafte Persönlichkeit zeigte, nutzten wir immer wieder die berühmten Leipziger Passagen als Zuflucht. Besonders die Königshaus-Passage mit ihren schönen Glasdächern und eleganten Geschäften hat uns gefallen. Überhaupt sind diese vielen Durchgänge und Passagen etwas ganz Besonderes in Leipzig. Man kann gefühlt die halbe Innenstadt erkunden, ohne komplett nass zu werden – eine geniale Erfindung für Touristen wie uns.

    Die Nikolaikirche wollten wir natürlich ebenfalls besuchen. Leider war sie geschlossen. Wahrscheinlich brauchte sie nach all den Besuchern auch mal einen freien Tag.

    Das absolute Highlight des Tages war aber ohne Zweifel das Neue Rathaus. Schon von außen wirkt das Gebäude gigantisch. Mit seinem riesigen Turm, den kunstvollen Fassaden und den unzähligen Verzierungen sieht es eher aus wie eine Mischung aus Schloss, Burg und Regierungsgebäude. Tatsächlich wurde das Neue Rathaus Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Resten der alten Pleißenburg erbaut. Teile der alten Burg wurden sogar in das Gebäude integriert. Besonders beeindruckend ist der gewaltige Rathausturm – er gehört zu den höchsten Rathaustürmen Deutschlands.

    Aber auch innen hat uns das Gebäude komplett geflasht. Riesige Treppenhäuser, prunkvolle Säle, schwere Türen, kunstvolle Decken und überall diese Mischung aus Macht, Geschichte und Architekturwahnsinn. Man läuft durch die Flure und fühlt sich plötzlich sehr klein. Wahrscheinlich könnte man dort tagelang herumlaufen und würde trotzdem noch neue Räume entdecken. Selbst Grisu wäre vermutlich beeindruckt gewesen – und der ist immerhin eine ehemalige Schweizer Feuerwehr.

    Und dann geschah tatsächlich das Unglaubliche: Die Sonne kam heraus! Nach gefühlt mehreren Tagen Dauerbewässerung konnten wir endlich draußen auf einer schönen Terrasse sitzen und in Ruhe einen Cappuccino trinken. Dabei ergab sich ein wirklich nettes Gespräch mit einem Ehepaar aus der Region. Genau diese spontanen Begegnungen machen Reisen oft besonders schön.

    Die Höfe am Brühl – eine riesige moderne Einkaufspassage – waren anschließend unsere vorletzte Station. Dort wurde nochmal ein wenig gebummelt, bevor wir uns langsam auf den Rückweg machten. Nach etlichen Kilometern zu Fuß wartete zum Abschluss noch der Leipziger Hauptbahnhof auf uns. Und der ist wirklich gigantisch. Der Bahnhof zählt zu den größten Kopfbahnhöfen Europas und wirkt innen fast wie eine eigene kleine Stadt. Riesige Hallen, unzählige Geschäfte, breite Bahnsteige und eine beeindruckende Architektur aus der großen Zeit der Eisenbahn. Eigentlich könnte man dort problemlos einen halben Urlaubstag verbringen – inklusive Shopping, Essen und Menschenbeobachtung.

    Danach ging es müde, aber begeistert zurück zu unserem Grisu, der direkt hinter dem Bahnhof geduldig auf uns wartete. Morgen hoffen wir dann vielleicht endlich mal auf einen komplett trockenen Tag. Wobei… irgendwie gehört der Regen inzwischen fast schon zur Reise dazu.
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