Energiefabrik Knappenrode
May 14 in Germany ⋅ ⛅ 14 °C
Heute ging es für uns vom Regen in die Kohle
Eigentlich wollten wir uns heute Morgen noch das berühmte Völkerschlachtdenkmal in Leipzig anschauen. Aber unsere Reise entwickelt sich langsam zu einer Mischung aus Abenteuerurlaub und Wettersimulation. Pünktlich nachdem wir Grisu geschniegelt, gestriegelt, ver- und entsorgt hatten, öffnete der Himmel erneut sämtliche Schleusen. Also hieß es: Plan ändern und weiterfahren.
Unser Ziel war die Energiefabrik Knappenrode – und das war im Nachhinein eine richtig gute Entscheidung. Dort angekommen hatte das Wetter tatsächlich kurz Mitleid mit uns. Zwischen den Wolken zeigte sich sogar ab und zu die Sonne. Vermutlich wollte sie selbst mal sehen, wie so eine alte Brikettfabrik aussieht.
Die Energiefabrik Knappenrode ist ein riesiges ehemaliges Braunkohlekraftwerk beziehungsweise eine Brikettfabrik aus der Lausitz. Früher wurde hier aus Braunkohle Brennstoff für Haushalte und Industrie hergestellt. Heute ist die gewaltige Anlage ein beeindruckendes Industriemuseum. Überall riesige Maschinen, endlose Förderbänder, Stahlkonstruktionen und Hallen, in denen man sich sofort wie in einem alten Industriefilm fühlt. Man läuft durch die Gebäude und merkt schnell, wie hart die Arbeit hier früher gewesen sein muss.
Die Arbeitsbedingungen damals waren alles andere als romantisch. Hitze, Kohlenstaub, Lärm und körperliche Schwerstarbeit bestimmten den Alltag der Arbeiter. Schutzkleidung oder moderne Sicherheitsstandards waren eher Wunschdenken. Viele Menschen arbeiteten unter unmenschlich harten Bedingungen, oft im Schichtbetrieb und mit enormer körperlicher Belastung. Wenn man dort heute durch die riesigen Maschinenhallen läuft, bekommt man großen Respekt vor den Menschen, die hier Jahrzehnte gearbeitet haben. Nach ein paar Stunden Besichtigung waren selbst wir froh, wieder frische Luft zu bekommen – und wir mussten nicht einmal Kohle schaufeln.
Nach der Besichtigung ging es weiter zum „Turm am Schweren Berg“ mit Blick über den Tagebau Nochten. Und dieser Ausblick ist wirklich gleichzeitig faszinierend und erschreckend. Vor einem liegt eine riesige Mondlandschaft aus Sand, Erde und gigantischen Maschinen. Man erkennt erst dort oben richtig, welche gewaltigen Eingriffe ein Tagebau in die Natur hinterlässt. Ganze Landstriche wirken, als hätte jemand vergessen, die Welt fertigzubauen.
Von dort aus fuhren wir weiter Richtung Polen. Ganz unspektakulär überquerten wir die Grenze und stehen nun auf einer schönen Wiese am Ortsrand von Łęknica. Direkt hinter der Grenze befindet sich der bekannte Polenmarkt, den wir uns morgen in Ruhe anschauen wollen. Wir sind gespannt, was uns dort erwartet. Wahrscheinlich alles von Gartenzwergen bis Motorsägen – und mindestens drei Dinge, von denen wir vorher nicht wussten, dass wir sie unbedingt brauchen.
Jetzt genießen wir erstmal den Abend in Grisu und hoffen heimlich, dass der Wettergott morgen vielleicht mal Urlaub macht.Read more


























Traveler
Das sieht ja gewaltig aus, wenn man sieht was die Menschen früher schwer Arbeiten mussten. Wo wir uns dran gewärmt haben. LG Mama