• Sonne! Endlich Sonne!

    15 maja, Polska ⋅ ☁️ 12 °C

    Nach einer weiteren regenreichen Nacht geschah heute Morgen tatsächlich das Unfassbare: Die Sonne war da!
    Wirklich.
    Dieses große helle Ding am Himmel, das wir fast schon vergessen hatten. Wir konnten es kaum glauben und prüften sicherheitshalber mehrmals, ob das vielleicht nur eine besonders helle Straßenlaterne war.

    Die gute Laune war sofort zurück. Nach dem Frühstück wurden blitzschnell die Fahrräder abgeladen und los ging es Richtung „Grüne Grenze“ nach Deutschland. Praktischerweise liegt die Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Neiße gerade einmal 200 Meter von unserem schönen Stellplatz entfernt. Einmal kurz rübergeradelt und schwups – schon standen wir mitten im Fürst-Pückler-Park bei Bad Muskau.

    Unser erster Halt war die neue Orangerie mit ihrer kleinen Ananaszucht. Tatsächlich wachsen dort echte Ananaspflanzen – mitten in der Lausitz. Irgendwie fühlte sich das an wie tropischer Urlaub mit deutschem Wetterrisiko.

    Danach ging es weiter zum Schlossvorwerk, wo erstmal eine dringend notwendige Kaffeepause anstand. Nach gefühlt einer Woche Dauerregen war es eine echte Wohltat, endlich draußen auf einer sonnigen Terrasse zu sitzen. Cappuccino, Sonne und trockene Kleidung – plötzlich wirken die kleinen Dinge des Lebens wie purer Luxus.

    Frisch gestärkt machten wir anschließend einen Rundgang um das Schloss Muskau. Das Schloss wirkt mit seinen roten Fassaden und den vielen Türmen fast märchenhaft und passt perfekt in die riesige Parklandschaft. Ursprünglich wurde es im Stil der Renaissance erbaut und später mehrfach umgestaltet. Besonders spannend ist seine wechselvolle Geschichte: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss bei einem großen Brand schwer zerstört und brannte fast vollständig aus. Erst viele Jahrzehnte später begann der aufwendige Wiederaufbau. Heute sieht das Gebäude von außen wieder beeindruckend aus, innen ist allerdings vieles modern rekonstruiert. Deshalb verzichteten wir auf eine Führung – wir wollten lieber die Sonne genießen, solange sie noch da war. Man weiß ja nie bei dieser Reise.

    Der Fürst-Pückler-Park selbst ist wirklich gigantisch und wunderschön angelegt. Der exzentrische Fürst Hermann von Pückler-Muskau schuf hier im 19. Jahrhundert eine riesige Landschaftsparkanlage, die heute sogar UNESCO-Welterbe ist. Das Besondere: Der Park wirkt überhaupt nicht geschniegelt oder künstlich, sondern eher wie eine perfekte natürliche Landschaft mit sanften Wegen, weiten Wiesen, kleinen Seen, Brücken und herrlichen Sichtachsen. Man fährt oder läuft dort durch die Gegend und denkt ständig: „Hier könnte man eigentlich sofort eine Picknickdecke ausrollen.“

    Und dann hieß es: zurück über die Grenze nach Polen – auf zum berühmten Polenmarkt. Und was sollen wir sagen… der legendäre Ruf dieses Marktes hat bei uns leichte Verwirrung ausgelöst. Gefühlt bestand der Markt aus 500 Ständen mit immer exakt denselben Produkten: Zigaretten, Schuhe, Kleidung, Alkohol, Gemüse und wieder Schuhe. Alles unter riesigen Blechdächern aufgebaut.

    Ganz ehrlich: Da gefallen uns die Souks in Tunesien oder Marokko deutlich besser. Dort gibt es wenigstens noch Überraschungen, Gewürzduft und Händler mit echtem Verhandlungstalent. Hier dagegen wirkte vieles eher wie eine Dauerschleife im Einkaufszentrum.

    Immerhin gingen wir nicht ganz leer aus: Drei Bund Spargel zu einem wirklich guten Preis und ein Glas Honig durften mit zu Grisu. Mehr brauchten wir aber auch nicht.

    Zurück am Stellplatz wurde dann erstmal die Sonne genossen – und zwar ausgiebig. Am späten Nachmittag machte ich mich nochmal alleine mit dem Fahrrad auf den Weg, um den riesigen Park weiter zu erkunden. Zwischen alten Bäumen, Seen und geschwungenen Wegen ließ sich der Tag wunderbar ausklingen.

    Ein rundum schöner Tag geht zu Ende. Und das Beste daran: Wir haben endlich wieder gelernt, wie Sonne aussieht.
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