• 320 Meter unter der Erde

    May 20 in Poland ⋅ ⛅ 22 °C

    Nach unserer gemütlichen Mittagspause hieß es: weiterfahren nach Zabrze. Dort stand ein ganz besonderes Highlight auf unserer Liste – das Bergwerksmuseum Guido. Und was sollen wir sagen: Das war definitiv nichts für Menschen mit Platzangst oder schwachen Nerven.

    Schon der Beginn hatte etwas von einer Mischung aus Abenteuerfilm und Industriegeschichte. Mit einem Förderkorb ging es erstmal ganze 320 Meter tief unter die Erde. Und wenn sich die Türen schließen und man plötzlich mit ordentlich Tempo in die Tiefe rauscht, merkt man erst, wie weit unten 320 Meter eigentlich wirklich sind. Irgendwann denkt man automatisch: „Jetzt müsste man doch langsam mal angekommen sein…“

    Unten angekommen erwartete uns eine etwa zweistündige Führung durch das ehemalige Steinkohlebergwerk. Leider komplett auf Polnisch. Das bedeutete für uns: sehr konzentriert schauen, freundlich nicken und hoffen, dass man an den richtigen Stellen beeindruckt wirkt. Immerhin versteht man unter Tage auch ohne Sprache ziemlich schnell, wie hart und gefährlich die Arbeit dort früher gewesen sein muss.

    Das Bergwerk Guido ist eines der beeindruckendsten Bergbaumuseen Polens. Früher wurde hier tatsächlich aktiv Kohle gefördert. Heute kann man tief unter der Erde durch kilometerlange Gänge laufen und die riesigen Maschinen bestaunen. Besonders faszinierend war, dass viele Anlagen extra für die Besucher angeschaltet wurden. Plötzlich setzen sich gigantische Förderbänder in Bewegung, Maschinen rattern los und überall dröhnt und scheppert es wie früher im echten Bergwerksbetrieb.

    Und ganz ehrlich: Das ist schon gewaltig. Diese riesigen Maschinen wirken unter Tage nochmal doppelt so groß. Man steht daneben und fühlt sich plötzlich ungefähr so klein wie einer der Breslauer Zwerge. Gleichzeitig bekommt man großen Respekt vor den Bergarbeitern, die dort unten früher täglich gearbeitet haben – oft unter extrem schwierigen Bedingungen.

    Besonders beeindruckend ist auch die Größe der gesamten Anlage. Das Streckennetz zieht sich über viele Kilometer durch den Untergrund und wirkt fast wie eine kleine unterirdische Stadt. Teilweise vergisst man komplett, dass über einem noch ganz normal Menschen, Autos und Häuser existieren.

    Zwischendurch hatte die Führung fast etwas Surreales. Tief unter der Erde, überall dunkle Tunnel, Maschinenlärm und dazu polnische Erklärungen, von denen wir ungefähr jedes zwanzigste Wort verstanden haben. Aber genau das machte den Besuch irgendwie noch spannender. Man konzentriert sich automatisch viel stärker auf das, was man sieht und hört.

    Nach zwei Stunden unter Tage waren wir jedenfalls wieder froh, das Tageslicht zu sehen. Frische Luft fühlt sich plötzlich deutlich luxuriöser an, wenn man gerade noch 320 Meter unter der Erde unterwegs war.

    Und während wir später wieder zu Grisu zurückliefen, waren wir uns einig: Heute haben wir definitiv den tiefsten Punkt unserer Reise erreicht – im wahrsten Sinne des Wortes.
    Am Abend haben wir einen wunderschönen Stellplatz oberhalb eines kleinen See gefunden.
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