• Ein Morgen wie aus dem Bilderbuch

    20 maja, Polska ⋅ ☀️ 19 °C

    Nach einer herrlich ruhigen Nacht wurden wir heute Morgen nicht etwa vom Wecker geweckt, sondern vom Glockenkonzert der Kościół Niepokalanego Serca Maryi Kirche. Und ganz ehrlich: So kann man deutlich angenehmer aufwachen als mit irgendeinem nervigen Handyton. Bei strahlend blauem Himmel und bestem Wetter starteten wir anschließend ganz entspannt in den Tag.

    Natürlich führte unser erster Weg erstmal durch den Schlosspark von Moschen. Und wieder einmal standen wir staunend unter diesen riesigen alten Bäumen. Manche von ihnen wirken, als hätten sie schon mehrere Königreiche, Kriege und vermutlich auch schlechte Autofahrer überlebt. Der Park selbst ist wunderschön angelegt – mit kleinen Wegen, Teichen und überall dieser leicht verwunschene Charme, der perfekt zum Schloss passt.

    Und dann stand es plötzlich vor uns: Schloss Moschen. Oder besser gesagt: ein architektonischer Größenwahnsinn in Märchenform. Nicht umsonst wird es oft als das „Neuschwanstein Polens“ bezeichnet.

    Das Schloss wirkt, als hätte jemand beim Bauen einfach beschlossen, sich zwischen Märchenschloss, englischem Herrenhaus und französischem Palast nicht entscheiden zu wollen – also wurde einfach alles gleichzeitig gebaut. Herausgekommen ist ein riesiges, verspieltes Gebäude mit unzähligen Türmen, Erkern, Dachgauben und Verzierungen. Tatsächlich besitzt das Schloss angeblich 99 Türme und 365 Räume – also fast für jeden Tag des Jahres einen eigenen Raum. Vermutlich verläuft man sich dort schon beim Versuch, die Küche zu finden.

    Besonders beeindruckend ist die Mischung verschiedener Baustile. Ein Teil erinnert an ein barockes Schloss, andere Bereiche eher an eine mittelalterliche Burg. Genau das macht den besonderen Charme aus. Man läuft um das Gebäude herum und entdeckt ständig neue Details. Irgendwo erwartet man fast, dass gleich Rapunzel aus einem Turm schaut oder ein Butler mit silbernem Tablett vorbeiläuft.

    Das Schloss gehörte einst der Familie Tiele-Winckler, einer unglaublich wohlhabenden Industriellenfamilie. Hier wurde nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt. Und das sieht man bis heute an jeder Ecke.

    Nach so viel Schlossromantik und Türme-zählen war dann allerdings erstmal dringend Mittagspause angesagt. Schließlich braucht selbst die härteste Schlossbesatzung irgendwann Nahrung und Kaffee.

    Bis jetzt gehört Moschen definitiv zu den schönsten und märchenhaftesten Orten unserer Reise. Und heute spielte sogar endlich mal das Wetter mit – vermutlich wollte selbst die Sonne dieses Schloss sehen.
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